Gastbeitrag von Anja Nimmich
Eine hochrangige Wirtschaftsdelegation aus dem Wartburgkreis besuchte Ende Januar verschiedene Unternehmen aus dem Münsterland, um sich über die gelungene Energiewende vor Ort sowie über innovative Digitalisierungsprojekte zu informieren.
Stationen der zweitägigen Delegationsreise, der auch Thüringens Staatssekretär Marcus Malsch (CDU) und Landrat Dr. Michael Brodführer (CDU) beiwohnten, waren neben dem Fraunhofer-Institut in Bochum auch regionale Energiegenossenschaften, Biogasanlagen, Hersteller für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Betreiber von Gasspeichern sowie ein IT-Unternehmen für digitale Smart-City-Lösungen.
Organisiert wurde die Reise von der Stadt Geisa. Hintergrund war die Aufnahme der Kommunen des Geisaer Landes in das Bundesförderprogramm „Zukunft Region“ mit dem Projekt „energieLAND:Geisa“.
Ziel ist die Entwicklung eines zukunftsweisenden Konzepts für dezentrale, multifunktionale Energiezentren, das gemeinsam mit Unternehmen, Hochschulen, Landkreis und Bürgerschaft auch landkreisübergreifend ausgebaut werden kann.
Neben den Vertretern aus der Politik nahmen auch Experten der regionalen Energieversorger, Wissenschaftler der Hochschule Fulda sowie Fachleute der Landesenergieagentur Thüringen und Landwirte an der Reise teil.
„Dezentrale regenerative Energiegewinnung kann ein entscheidender Standortvorteil für die Stadt Geisa und den gesamten Wartburgkreis werden“, betont Bürgermeisterin Manuela Henkel.
Forschung, Wasserstoff und KWK-Technologien
Erste Station war das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in Bochum.
Dort informierte sich die Delegation über Forschungsprojekte zu Geothermie, Wasserstoff, Energiespeicherung und Sektorenkopplung sowie über die Übertragbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse auf kommunale Anwendungen.
Anschließend besuchte die Delegation die 2G Energy AG in Heek, einen weltweit führenden Hersteller von Blockheizkraftwerken.
Das Unternehmen stellte moderne Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vor, die speziell für den dezentralen Einsatz in Kommunen, Gewerbebetrieben und Energiequartieren ausgelegt sind.
CTO und Mitglied des Vorstands, Frank Grewe sowie Vertriebsleiter Jörg Lösing erläuterten, wie dezentrale KWK-Lösungen zur Versorgungssicherheit beitragen, regionale Wertschöpfung stärken und flexibel in kommunale Energiekonzepte integriert werden können.
Biogas, Digitalisierung und Bürgerenergie
Am zweiten Tag stand unter anderem die Bioenergie Heek-Ahle GmbH & Co. KG auf dem Programm.
In der von 45 landwirtschaftlichen Betrieben getragenen Anlage werden jährlich rund 135.000 Tonnen Gülle und Mist zu Biomethan verarbeitet, das in das Erdgasnetz eingespeist wird und rechnerisch den Jahresbedarf von über 4.000 Haushalten deckt.
Das Projekt gilt als Beispiel für effiziente Kreislaufwirtschaft und regionale Wertschöpfung. „Für uns ist insbesondere das Zusammenspiel von Landwirtschaft, Energieerzeugung und regionaler Wertschöpfung von großem Interesse“, sagte Staatssekretär Marcus Malsch.
Parallel informierte sich ein Teil der Delegation bei der Tobit.Software AG in Ahaus über Smart-City-Lösungen. Die dort entwickelte SuperApp bündelt Bürgerservices, Freizeitangebote und lokale Wirtschaft und zeigt, wie digitale Plattformen Kommunen und Bürgerschaft besser vernetzen können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Bürgerbeteiligung. Bei der AHLeG Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden eG wurden Modelle vorgestellt, bei denen Bürger direkt an Windenergieprojekten beteiligt sind.
Insgesamt betreibt bzw. begleitet die Genossenschaft 14 Windräder mit einer Gesamtleistung von 81,7 Megawatt. Dort begrüßte Ahaus Bürgermeisterin Karola Voss die Delegationsteilnehmer.
In Thüringen habe man die Herausforderung, dass die landwirtschaftlichen Betriebe zu DDR-Zeiten zwangskollektiviert und nach 1990 in große landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften übergegangen seien, erläuterte Landrat Dr. Michael Brodführer, der auch Präsident der Regionalen Planungsgemeinschaft Südwestthüringen ist.
„Nun kommen die großen Investoren, um bei uns das Geschäft mit der Windkraft zu machen, was für viel Unmut in der Bevölkerung sorgt“, so der Landrat.
Die Münsterländer Fachleute konnten hier Möglichkeiten aufzeigen, um die Beteiligung von Bürgern und Kommunen nicht ganz auszuhebeln und Gewinne und Steuerkraft vor Ort zu sichern.
Großspeicher als Baustein der Energiewende
Den Abschluss bildete der Besuch bei der Uniper Energy Storage GmbH in Gronau. Am Standort Epe betreibt Uniper 39 unterirdische Salzkavernen mit einem Speichervolumen von rund 1,8 Milliarden Kubikmetern Erdgas.
Perspektivisch sollen diese auch für die Speicherung von Wasserstoff genutzt werden und damit eine wichtige Rolle für die Energiewende übernehmen.
Impulse für das Geisaer Land und den Wartburgkreis
Mit zahlreichen Eindrücken und konkreten Projektideen trat die Delegation die Rückreise nach Geisa an.
„Die Beispiele aus Nordrhein-Westfalen zeigen eindrucksvoll, wie dezentrale Energieversorgung, regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung erfolgreich miteinander verbunden werden können“, resümierte Bürgermeisterin Manuela Henkel.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die weitere Ausarbeitung des Projekts „energieLAND:Geisa“ ein.
Ziel ist ein tragfähiges, von der Bürgerschaft getragenes Zukunftskonzept, das neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet.





