Gastbeitrag von Kathrin Schütz
Zum 52. Mal verwandelte sich das kleine Dorf Bremen in eine große närrische Bühne: Der Bremer Motze Karneval bewies einmal mehr, dass man für ein grandioses Programm weder Großstadt noch Glamour braucht. Was hier zählt, sind Herz, Humor und Zusammenhalt. Und davon gab es an diesem Wochenende mehr als genug.
Der Büttenabend am vergangenen Freitag startete traditionell mit dem feierlichen Einmarsch der Elfer und Garden.
Präsident Sebastian Glotzbach begrüßte das Publikum mit einer Rede, die gleichermaßen Rückblick und Liebeserklärung an Bremen war: 875 Jahre Dorfgeschichte, 100 Jahre Kindergarten – Erinnerungen, die von der Chronik-Gruppe lebendig gemacht wurden.
Sein Fazit: „Wir schaffen das!“ – mit Miteinander und Humor. Seitenhiebe auf Politik, Digitalisierung und eingezäunte Weihnachtsmärkte inklusive. Der Applaus ließ keinen Zweifel: Bremen fühlt sich verstanden.
Für sportliche Höchstleistungen sorgte Tanzmariechen Emma Hruschka, die mit Salto, Spagat und Handstand die Bühne eroberte.
Märchenhaft wurde es mit dem Prinzenpaar aus Geismar: Prinz Lothar der 51. mit musikalischem Schall aus dem Brückental und Prinzessin Sara vom Karnevalstanz zum strahlenden AIDA- Glanz.
Einen der Lacherfolge des Abends landeten die Putzgirls (Marit & Mirja Schütz, Lia Protzmann): Fensterputzen in der Spülmaschine, Sportübungen von Papa zum Überspringen von Wäschekörben und die ewige Hoffnung der Eltern, dass Kinder irgendwann freiwillig ihre Zimmer reinigen – herrlich bodenständig und treffsicher, musikalisch unterstützt von Susann Falkenhahn.
Agentin Madlen Seng enthüllte anschließend die „Wahrheit über die Lützenbacher“ – inklusive geheimem Tunnelsystem, ominösem Briefkasten und der kühnen These: „Wer nach Bremen will, muss erst durch die Lützenbach!“
Stoff für einen Hollywood-Thriller war reichlich vorhanden. Passend dazu, setzten die Motzegirls (Sarah Henkel, Lia Protzmann, Alina Hohmann, Emma Hruschka, Hermine Weider, Veronika Nitsche, Rosa Mariann Schütz, Marit Schütz) später mit hochexplosiver Energie die Bühne quasi in Brand.
Ob die „Musiker auf Bandsuche“ (Oskar & Martin Fischer, Corina & Ricardo Glotzbach) mit ihrem Portpourri bekannter Hits, die zwei Kumpels (Marius Kling & Nick Protzmann) mit verquatschtem Musiker-Talk oder Florian Glotzbach als Mann mit einem öffentlichen Problem, der Schluckmuskelüberfunktion – das Publikum kam aus dem Lachen nicht heraus.
Ortsbürgermeister Marcus Kircher tauchte als Handymast auf, der sich tapfer durch Datenlast, Datenschutz und 5G kämpfte und dabei feststellte: Technischer Fortschritt spart Zeit – nur hat irgendwie trotzdem keiner welche.
Eine nostalgische Reise unternahmen Daniel Jakobi und Anna Wehner als „zwei Jugendliche“. Mit Camping-Erinnerungen aus dem Jahr 2011 am Ulsterufer, kühlen Getränken nach der Schulwoche und der großen Frage „Kannst du dir vorstellen, aus Motzlar wegzuziehen?“ trafen sie den Nerv des Publikums.
Die Containerboys (Elfer) besangen den Traum vom Container auf der Wiese, vom Mannsein und großen Idealen. Dabei blieben auch die Elfer- Frauen nicht verschont.
Bei der Kirmesversammlung mit Nick und Leo Protzmann wurde Tradition zelebriert: Schlachtrufe üben, Zuspätkommen bestrafen, Dosenbier, delikate WhatsApp-Nachrichten und die Erkenntnis, dass man auch zu zweit eine ordentliche Versammlung abhalten kann.
Am Kostümball am Samstag ging es nicht weniger turbulent weiter. Die Spontanisten besangen Bremer WhatsApp-Gruppen, die Blaue Garde (Elsa Fischer, Valentina Wingenfeld, Johanna Glotzbach, Angelina Henkel, Adele Müller, Heidi Happ, Helena Hruschka, Rita Fischer, Stine Ritz, Elisa Falkenhahn, Ida Kircher, Trainerinnen: Annika Falkenhahn, Maria Fischer) verzauberte mit strahlendem Lächeln und Christoph Zimmer erklärte als Finanz-Homöopath die wundersame Welt von Milliarden, Hochpotenzen und Wertberichtigungen – mit der weisen Erkenntnis: „Humor ist die einzige Währung, die in der Krise nicht entwertet wird.“
Sprachwissenschaftlich wurde es bei Kathrin und Jürgen Schütz mit der „Evolution des Wortes – einer Bremer Theorie“, während die Kellertanten (Elfer-Frauen) klarstellten: „Das alles ist Bremen. Das alles sind wir. Das gibt es nirgend wo anders. Nur hier!“
Erstauftritt hatte Dorffieber und Matthias Wehner alias Johann lieferte Gesichtskino vom Feinsten – Anti-Aging, Ischias und philosophische Fragen inklusive.
Zum großen Finale der Wortakrobatik luden Sebastian Glotzbach und Christian Schütz in die „Welt der Witze“: vom Elektriker-Lieblingssong „1000 mal berührt“ bis zur Nicht-Lachen-Challenge – Hunde, Lehrer, Pfarrer und Ehefrauen blieben dabei nicht verschont.
Den Schlusspunkt setzte das Geisaer Prinzenpaar (Prinz Markus der IV. von der grünen Au und Prinzessin Johanna II. vom Boxberg) den närrischen Reigen abrundete.
Bei der Kostümprämierung siegte „Die Frauen hier, die Männer dort“ vor dem Prinzentisch und dem Jugendclub als Stubenfliegen.
Der Bremer Motze Karneval 2026 war bunt und herzlich – und wieder einmal der beste Beweis, dass ein kleines Dorf ganz groß feiern kann. Oder wie man in Bremen sagt: Motze Helau!






