Gastbeitrag von Martin Kremer
Der Verein Natur- und Lebensraum Rhön e.V. und die Hessische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön hatten vor wenigen Tagen zu einem Fachvortrag zum Thema „Gehölzpflege zum Schutz der Artenvielfalt – Die Bedeutung und Pflege von Feldhecken“ eingeladen.
Rund 30 Teilnehmende fanden den Weg nach Hilders, darunter mehrere Bauhofmitarbeiter. Der Biologe und Referent Karl-Heinz Humburg warb für eine regelmäßige, fachgerechte Pflege der Hecken. Nur so können diese ihre große ökologische Wertigkeit behalten.
Hecken entstanden nachdem der Mensch die Wälder für Ackerbau und Viehzucht gerodet hatte. Vornehmlich entlang von Grenzlinien konnten sich diese „Waldränder ohne Wald“ etablieren. Dabei gab und gibt es durchaus einen praktischen Nutzen.
Hecken dienten in früheren Jahrhunderten als natürliche Zäune, als Landwehr zur Verteidigung, zur Gewinnung von Einstreu und Brennholz, aber auch als Schutz vor Wind und Bodenerosion.
Heute weiß man: Hecken verbessern das örtliche Kleinklima, dienen dem Klimaschutz, verbessern die Erträge der anliegenden Felder und sind Rückzugsgebiete für viele bedrohte Arten. Nicht zuletzt sind Hecken landschaftsprägende Elemente, die eine wichtige Vernetzungsfunktion im Naturhaushalt haben.
Demgegenüber stehen aber auch Nachteile wie die Behinderung der landwirtschaftlichen Nutzung, Schattenwurf, Pflegebedarf und Flächenkonkurrenz zu anderen Nutzungen.
Wegen der hohen naturschutzfachlichen Bedeutung stehen Hecken heute als wertvolle Lebensräume unter dem grundsätzlichen Schutz des Gesetzgebers.
Eine generelle Beseitigung von Hecken ist verboten und auch der Heckenschnitt nur vom 1. Oktober bis 28. Februar zulässig. Dies dient vor allem dem Schutz zahlreicher Vogelarten wie Goldammer und Dorngrasmücke, die auf Hecken angewiesen sind.
Hecken müssen aber auch gepflegt werden, sonst entstehen mit der Zeit Baumreihen, die die wichtigen Strauchschichten verdrängen. Daher wird empfohlen, Hecken von Zeit zu Zeit, möglichst abschnittsweise, auf den Stock zu setzen.
Das heißt, alle Gehölze werden etwa 20 – 30cm über der Bodenoberfläche gekappt. Innerhalb weniger Jahre bilden sich dann wieder geschlossene und dichte Heckenstrukturen. Nach etwa acht Jahren kann dann die gewachsene Hecke erneut auf den Stock gesetzt werden.
Keine fachgerechte Pflege ist ein senkrechter Schnitt z. B. entlang von Wegen, der oft zerfetzte Zweigenden zurück lässt. Eine negative Folge ist, dass gerade diese Form des Schnitts zu einem starken Austrieb der bisher schlafenden Augen führt und so die jährliche Pflege unumgänglich wird.
Humburg wirbt für einen maßvollen Maschineneinsatz der Kommunen. Eine Reihe von Maschinen erleichtern heute die fachgerechte Heckenpflege. So kommen hydraulische Ast- und Heckenscheren und Fällgreifer zum Einsatz.
Forstmulcher werden dagegen abgelehnt, da dann die Hecken ganz zerstört werden oder aber das Holz so stark zerfetzt wird, dass Krankheitserreger sich breit machen können.
Reisig und Holz, welches bei der Pflege anfällt, sollte kompostiert oder einer energetischen Nutzung zugeführt werden. Oft werden die Rückschnitte zu Hackschnitzeln weiterverarbeitet.
Seitens des Biosphärenreservats wird angestrebt, im Spätherbst 2026 einen Praxistag Heckenpflege für die Rhöner Kommunen anzubieten.



