Leserbrief: Ortsteilratssitzung in Stadtlengsfeld – „Es war schlicht beschämend“

Leserbrief von Alexander Ruppert, Gemeinderat der Gemeinde Dermbach
Zur Ortsteilratssitzung in Stadtlengsfeld am 26. Februar 2026


Seit meiner Wahl im Jahr 2024 gehöre ich als jüngstes Mitglied dem Gemeinderat der Gemeinde Dermbach an. Mein Anspruch war von Beginn an klar: transparente Kommunalpolitik, ein respektvolles Miteinander und eine konstruktive Zusammenarbeit aller Ortsteile unserer 2019 entstandenen Großgemeinde.

Gerade deshalb verfolge ich die Entwicklungen in den einzelnen Ortsteilen aufmerksam. Stadtlengsfeld steht dabei zweifellos vor besonders großen Herausforderungen. Der Investitionsbedarf ist hoch und seit 2019 wird auch an vielen Stellen kontinuierlich daran
gearbeitet.

Gleichzeitig sind aber die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde begrenzt. Umso nachvollziehbarer ist es, dass Unmut entsteht, wenn manche Vorhaben länger liegen bleiben, als es sich viele wünschen. Gerade deshalb wäre es umso wichtiger, dass die kommunalen Gremien dort verantwortungsvoll und im Sinne des Ortes handeln.

Die Protokolle der Ortsteilratssitzungen, die auf der Internetseite von Stadtlengsfeld veröffentlicht werden, lese ich regelmäßig. Sie sind gut aufbereitet und zeigen oft, wie intensiv vor Ort diskutiert wird.

Deshalb wollte ich mir bei der jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag selbst ein Bild machen. Was ich dort erlebt habe, ist nur schwer in Worte zu fassen.

Schon zu Beginn fiel aus dem Publikum der Satz, „alle Welt lache über Stadtlengsfeld“. Nach diesem Abend muss man leider sagen: Wer dabei war, konnte darüber nicht lachen. Es war schlicht beschämend.

Über fast zwei Stunden hinweg wurde die Sitzung von einer lautstarken und teils entgleisten Auseinandersetzung geprägt. Aus den Reihen des Ortsteilrates wurde dabei eine Vielzahl von Vorwürfen gegenüber dem Ortsteilbürgermeister vorgetragen, die sich auf die vergangenen
anderthalb Jahre bezogen.

Herr Kuropka nahm dazu Stellung und reagierte auf die einzelnen Kritikpunkte. Dennoch ging es über weite Strecken nicht um die Zukunft Stadtlengsfelds, nicht um Lösungen und nicht um Sachfragen, sondern vor allem um persönliche Vorwürfe, Rechtfertigungen und das gegenseitige Aufarbeiten dessen, was getan oder eben nicht getan wurde.

Auf Kritik folgten Erwiderungen, auf Vorwürfe weitere persönliche Reaktionen. Der Ton war stellenweise unangemessen, teilweise wurde sich gegenseitig nur noch angeschrien.

Ob einzelne Vorwürfe berechtigt waren oder nicht, ist für mich dabei gar nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist, dass ein kommunales Gremium über einen so langen Zeitraum mit sich selbst beschäftigt war, anstatt sich mit den Problemen und Anliegen des Ortsteils zu befassen.

Das ist ein fatales Signal – sowohl nach innen als auch nach außen. Besonders traurig war, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger die Sitzung währenddessen verließen und ihre Enttäuschung offen äußerten.

Wenn Menschen, die kommunalpolitische Arbeit verfolgen wollen, frustriert den Saal verlassen, dann ist ein Punkt erreicht, an dem man sich ernsthaft fragen muss, wie groß der Schaden für das Vertrauen in die Kommunalpolitik bereits ist.

Umso positiver war es, dass sich die Mitglieder des Ortsteilrates im weiteren Verlauf darauf verständigten, einen Neuanfang zu wagen und Vergangenes hinter sich zu lassen. Ab diesem Zeitpunkt verlief die Sitzung deutlich geordneter.

Die anstehenden Themen konnten sachlich beraten und ordnungsgemäß behandelt werden. Das hat gezeigt, dass eine konstruktive und
vernünftige Zusammenarbeit durchaus möglich ist, wenn alle Beteiligten den Willen dazu aufbringen.

Gerade darin liegt aus meiner Sicht auch die eigentliche Hoffnung für die Zukunft. Der weitere Verlauf des Abends hat bewiesen, dass die Probleme nicht unlösbar sind und dass es sehr wohl möglich ist, wieder zu einer sachlichen und respektvollen Zusammenarbeit zurückzufinden.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass alle Beteiligten das Geschehene ernst nehmen und in Ruhe darüber nachdenken.

Für mich war das Auftreten über weite Teile des Abends eines kommunalen Mandats in keiner Weise würdig. Wer Verantwortung für einen Ort trägt, darf persönliche Konflikte nicht zum Mittelpunkt öffentlicher Sitzungen machen.

Jetzt kommt es darauf an, dass der angekündigte Neuanfang nicht nur ein Satz für diesen Abend bleibt, sondern tatsächlich mit Leben gefüllt wird. Gelingt es, künftig respektvoll und sachlich zusammenzuarbeiten, dann kann daraus auch etwas Gutes entstehen.

Die Bürgerinnen und Bürger in Stadtlengsfeld haben Anspruch auf eine Kommunalpolitik, die Probleme löst statt Streit zu verwalten. Genau daran sollten sich alle Beteiligten in Zukunft messen lassen.


Die Redaktion weist darauf hin, dass der Inhalt der Leserbriefe die Ansicht der Einsender wiedergibt, die mit der Meinung der Redaktion nicht unbedingt übereinstimmt.

Gerne können Sie auch einen Leserbrief schreiben an: redaktion@rhoenkanal.de.

Briefe werden nur mit vollem Namen veröffentlicht.