Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Nachdem sich bereits seit sieben Jahren in Stadtlengsfeld eine engagierte Bürgerinitiative gegen Windkraft im Wald für den Erhalt der Rhöner Wälder einsetzt, formiert sich nun auch im Oberen Feldatal zunehmend kritischer Widerstand gegen weitere Windkraftplanungen.
Auf Initiative von Jürgen Schwarz (Kaltennordheim) und Mario Muth (Kaltenwestheim), die regelmäßig einen „Montagsstammtisch“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen organisieren, fand in der vergangenen Woche ein Bürgerdialog unter dem Titel „Windkraft pro & contra“ statt.
Veranstaltungsort war die Pizzeria „Titanic“ am Schwimmbad in Kaltennordheim. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger aus Kaltennordheim sowie der Region des Oberen Feldatals folgten der Einladung.
Auch Vertreter der Stadtlengsfelder Bürgerinitiative „Gegen Windkraft im Wald“ beteiligten sich an der Diskussion.
Als Referent konnte Hartwig Blaufuß (72), Diplom-Ingenieurökonom und Elektrotechniker aus dem Meininger Ortsteil Herpf, gewonnen werden.
In einem ausführlichen, faktenreichen und bewusst parteipolitisch neutral gehaltenen Vortrag beleuchtete er das Thema Windkraft aus technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive.
Blaufuß betonte zu Beginn ausdrücklich, kein ideologisch geprägter Windkraftgegner zu sein. Unter bestimmten Rahmenbedingungen halte er Windenergie durchaus für sinnvoll. Was er jedoch entschieden ablehne, sei eine Energiepolitik „über die Köpfe der Bürger hinweg“.
Er plädierte klar für eine basisdemokratische Linie, bei der die betroffenen Bürgerinnen und Bürger bei grundlegenden Infrastrukturentscheidungen, insbesondere beim Bau von Windkraftanlagen, verbindlich einbezogen werden.
Deutliche Worte fand Blaufuß für die aktuelle Energiepolitik im Bereich der sogenannten „Erneuerbaren Energien“. Insbesondere der massive Ausbau der Windkraft sei in seiner derzeitigen Form „absoluter Wahnsinn“.
Bereits die erste Folie seiner umfangreichen Präsentation hatte diese Einschätzung unmissverständlich zum Ausdruck gebracht.
Einen besonderen Schwerpunkt legte der Referent auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Infraschall der von Windkraftanlagen ausgehen könne.
Anhand eigener Erlebnisse bei wissenschaftlichen Vorführungen in Russland schilderte Blaufuß eindrücklich welche Auswirkungen niederfrequente Schwingungen auf den menschlichen Körper haben können. Diese Problematik werde in der öffentlichen Debatte seiner Ansicht nach systematisch verharmlost oder ausgeblendet.
Ebenso kritisch setzte er sich mit der Frage der Versorgungssicherheit auseinander. Er verwies auf die ungelöste Problematik der Grundlastfähigkeit sowie auf fehlende großtechnische Speichermöglichkeiten bei sogenannten „Dunkelflauten“, also Zeiten ohne nennenswerte Wind- und Sonnenenergie.
Die derzeitige Strategie, immer mehr volatile Energiequellen ins Netz zu bringen, ohne ausreichende Speicherlösungen bereitzustellen, halte er für riskant.

Zudem informierte Blaufuß über Sicherungsmaßnahmen europäischer Nachbarländer, die ihre Stromnetze vor einer möglichen Überlastung durch ein Überangebot deutschen Wind- und Solarstroms schützen müssten.
Auch im Zusammenhang mit dem Kommunalen Wärmeplan der Stadt Meiningen äußerte er erhebliche Bedenken gegenüber einer verstärkten Nutzung von Windkraftanlagen im Umfeld der Stadt.
Darüber hinaus sprach sich Blaufuß für eine deutlich verschärfte Umweltverträglichkeitsprüfung bei Projekten zur Energiegewinnung aus Windkraft aus. Der Schutz von Natur, Landschaft und Gesundheit müsse seiner Auffassung nach oberste Priorität haben, insbesondere in waldreichen und ökologisch sensiblen Regionen wie der Rhön.
Seine Argumente untermauerte Blaufuß mit zahlreichen Folien, Diagrammen und Berechnungen, die den komplexen Sachverhalt anschaulich und nachvollziehbar darstellen sollten.
Zum Abschluss der Veranstaltung appellierte er an die Anwesenden ihre persönliche Haltung zum Thema Windkraft in einem prägnanten Satz zu formulieren und per E-Mail mit dem Betreff „Windkraft“ an die Adresse flatterstrom@web.de zu senden. Auf diese Weise solle ein möglichst authentisches Stimmungsbild aus der Bevölkerung eingefangen und dokumentiert werden.
Nach eigenen Angaben von Blaufuß sind seit Jahresbeginn bereits mehrere hundert kritische E-Mails sowie zahlreiche Unterschriften zum Thema „Flatterstrom“ bei ihm eingegangen.
Im Anschluss an den ehrenamtlich gehaltenen Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit vielen Wortmeldungen und intensiven Gesprächen.
Für die Veranstalter steht fest: Das Thema Windkraft bewegt die Menschen in der Region und der Wunsch nach umfassender Information sowie echter Bürgerbeteiligung wächst spürbar.













