Gastbeitrag von Svea Jahnk
Im Fledermausdorf Neidhartshausen im UNESCO Biosphärenreservat Rhön leben (oder besser gesagt hängen) Mensch und Fledermaus seit Jahrzehnten unter einem Dach.
Doch in der Orts-Kirche St. Michael hängt der Haussegen schief: das Kirchendach ist dringend sanierungsbedürftig, um das Gebäude für Fledermaus und Kirchenbesucher langfristig zu sichern.
Basierend auf dieser Ausgangslage startete im Winter 2025 ein ENL-Projekt zur fledermausfreundlichen Sanierung des Kirchendachstuhls.
Zum Auftakt sind alle Interessierten am 20. Mai um 18 Uhr herzlich eingeladen. Veranstaltungsort ist die St.-Michael-Kirche selbst.
Zwischen frisch bemaltem Kirchenhimmel und Dach befindet sich eine der bedeutendsten Wochenstuben des Großen Mausohrs in Thüringen. Seit mindestens den 1960ern nutzen die Tiere das Gebäude zur Aufzucht ihrer Jungen.
Im Dorf gab es die Fledermäuse schon immer und ein Zusammenleben ist insbesondere bei den kleineren Quartieren in der Regel problemlos möglich.
In den vergangenen Jahren ist die Kolonie jedoch stark gewachsen: Wo früher einige hundert Tiere lebten, sind es heute über tausend. Ein Grund dafür ist unter anderem der zunehmende Verlust geeigneter Quartiere, etwa durch den Ausbau und die Sanierung alter Gebäude ohne auf den Fledermausschutz zu achten.
Wohnungslose Kolonien suchen sich dann neue Refugien und haben in der St. Michael-Kirche Zuflucht gefunden.
Während das Kirchendach bereits massiv mit statischen Problemen zu kämpfen hatte, blieb auch der starke Zuwachs dieser pelzigen Mitbewohner nicht ohne Folgen.
Wo zuvor Jahrzehnte lang ein Zusammenleben möglich war greifen nun die Hinterlassenschaften der Tiere das historische Holztragwerk zusätzlich an und machen eine Sanierung des Dachstuhls dringend erforderlich, sowohl zum Erhalt der Kirche als auch zum Schutz des Quartiers selbst.
Denn wird das Gebäude baufällig, verlieren die standorttreuen Fledermäuse einen wichtigen Ort zur Jungenaufzucht.
Die Sanierung stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar: Die Tiere sind äußerst störungsempfindlich und stehen unter strengem Schutz.
Hinzu kommt eine erhebliche finanzielle Hürde, da eine Dachstuhl-Sanierung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes mit hohen Kosten verbunden ist. Doch ein Zusammenschluss aus Kirche und Naturschutz machten es möglich.
Während die Evangelische Kirchgemeinde Neidhartshausen mit Unterstützung des Kirchenkreises Bad Salzungen – Dermbach und der Landeskirche der EKM die Kosten für die statische Ertüchtigung des Kirchendachs tragen, fördert das EU Förderprogramm zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL) die Sanierung des geschädigten Tragwerks sowie der Fledermaus-Hangplätze zu 100% und ermöglicht eine gezielte Verbindung von Denkmal- und Artenschutz.
Initiiert wurde das Projekt von der Kirchgemeinde in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e.V./ der Natura 2000-Station „Rhön“.
Bei der Auftaktveranstaltung erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in die geplanten Maßnahmen. Das Büro Trabert Ingenieure GmbH & Co. KG aus Geisa stellt die Bauplanung vor, während das Büro NACHTaktiv die baubiologische Begleitung sowie spannende Details zu den tierischen Mitbewohnern erläutert.
Neben Informationen zum Projekt gibt es Gelegenheit für Fragen, Austausch und Einblicke in das besondere Zusammenleben von Mensch und Fledermaus. Die Bauarbeiten selber sind für den Zeitraum von Oktober 2026 bis April 2027 geplant.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Auftaktveranstaltung zu besuchen und den Start dieses besonderen Projekts zu begleiten.





