Blasenschwäche ist behandelbar: Was Betroffene wissen sollten

Gastbeitrag von Claudia Volland
(HESCURO KLINIK Bad Bocklet)

Gerade erst wieder im TV gesehen – sitzen im Werbespot zwei Frauen auf ihren Yogamatten, sagt die eine: „Komm schon, lass los! Lass Deine positive Energie fließen!“ Antwortet die andere: „Ich mach’ mir eher Sorgen, dass was anderes fließt.“

Und die Pointe? Die gibt es nicht. Schließlich ist Blasenschwäche kein Witz, sondern eine durchaus ernste Sache. Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt ist, kann sie für Betroffene erhebliche soziale Folgen haben.

Eine Slipeinlage, wie im Werbespot, kann zwar das Schlimmste verhindern, aber die Ursachen der Harnkontinenz beseitigt sie nicht. Und so bleibt die Unsicherheit, ob man "unfallfrei" weiter seinen Hobbies nachgehen, Sport treiben, reisen oder sich – ganz generell – unter Leute wagen kann.

Auch Konzentrationsstörungen am Arbeitsplatz oder Probleme in der Partnerschaft sind möglich. Schlimmstenfalls führt Blasenschwäche über soziale Isolation zu einer ausgewachsenen Depression.

Doch soweit muss es nicht kommen, denn es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Blasenschwäche zu behandeln. Dafür allerdings muss man erst einmal die Ursachen kennen.

Laut Dr. Osama Asaad, Facharzt für Urologie, sind diese bei Frauen und Männern unterschiedlich: „Bei jungen Frauen ist Blasenschwäche oftmals die Folge einer chronischen Blasenentzündung.

Häufig stellen wir beides zusammen fest: Harninkontinenz und eine Zystitis. Auch nach einer Geburt oder in höherem Alter stellt sich bei vielen Frauen Inkontinenz ein. Eine Gebärmuttersenkung oder chirurgische Eingriffe sind weitere mögliche Gründe.

Bei Frauen kann das z. B. die Entfernung der Gebärmutter sein, beim Mann ist es meistens die Beseitigung der Prostata.“

Dr. Asaad, der an der HESCURO KLINIK Bad Kissingen eine Privatpraxis für Urologie führt, kennt noch weitere mögliche Ursachen: „Das eine sind Stress- und Belastungsinkontinenzen, wie sie beim Aufstehen, Husten, Lachen oder Niesen möglich sind.

Das andere ist eine überaktive Blase, d. h. die Patientin oder der Patient muss jede Viertelstunde auf Toilette, aber es kommen immer nur geringe Mengen. Auch Mischformen sind möglich.“

Nicht immer muss gesteigerter Harndrang krankhaft sein. Manchmal ist er nur eine vorübergehende Erscheinung wie nach dem Konsumieren von Kaffee. Dessen Koffein hat eine harntreibende Wirkung.

Es führt zu erhöhter Nierenaktivität und zur gesteigerten Produktion von Urin, der dann eben seinen Weg nach draußen finden muss. Ist der Harndrang danach wieder normal, muss man sich keine Gedanken machen.

Doch wie bei vielen anderen Themen, stellt sich auch hier die Frage: Was ist denn schon normal? Laut Dr. Asaad, Chefarzt der Urologie der HESCURO KLINIK Bad Bocklet, gibt es in Bezug auf das Harnlassen aber eine Definition:

„Üblicherweise gehen Erwachsene am Tag nach dem ersten Wasserlassen frühestens nach 40 Minuten, spätestens aber nach drei Stunden erneut auf die Toilette. Das gilt für Frauen mit einem Gewicht von 65 Kilo und für Männer, die 75 Kilo wiegen.

Wir gehen tagsüber von vier bis maximal sechs Toilettengängen aus. Dabei sollten zwischen zwei und zweieinhalb Liter Flüssigkeit ausgeschieden werden – egal, ob sie von Wasser, Tee oder einer Suppe stammen. Nachts sollte man überhaupt nicht auf Toilette gehen müssen.“

Ob Harninkontinenz vorliegt, lässt sich durch den 24-Stunden-Pad-Test messen. Dabei wiegt die Patientin oder der Patient einen Tag lang jede benutzte Einlage oder Windelhose einzeln vor und nach Gebrauch.

So erfährt man, wie groß der Urinverlust im Alltag wirklich ist. Die Ergebnisse werden in einem Blasentagebuch notiert. Anschließend wird über eine Therapie entschieden. Eines ist dabei klar: Mit einem „Ohmmmm“ auf der Yogamatte ist es nicht getan. Liegt eine Stress- oder Belastungsinkontinenz vor, kommt eine medikamentöse Behandlung in Betracht.

Reicht dies nicht aus, kann sie durch verschiedene Arten der Physiotherapie wie Elektrostimulation und Beckenbodengymnastik ergänzt werden. Als weitere Möglichkeit kommt auch ein operativer Eingriff in Frage.

Bei Frauen ist das oftmals eine sogenannte TVT-Operation. „TVT“ steht dabei für „Tension-free vaginal tape“: Unter örtlicher Betäubung oder kurzer Vollnarkose wird von der Scheide aus minimalinvasiv ein spannungsfreies Kunststoffband unter die Harnröhre gelegt und in der Bauchdecke befestigt.

Gelockerte Bänder von Harnröhre und Blase können dadurch ausgeglichen und ungewollter Harnverlust so verhindert werden.

Eine andere Möglichkeit ist der operative Einsatz eines künstlichen Harnblasen-Schließmuskels. Diese Methode wird v. a. beim Mann angewandt. Beim "artifiziellen Sphinkter" handelt es sich um eine mit steriler Kochsalzlösung gefüllte Manschette.

Diese wird um die Harnröhre gelegt und hält die Harnblase nach der OP geschlossen. Nur zum Wasserlassen betätigt der Patient eine Kontrollpumpe, die beim Mann zwischen zwei Hautschichten des Hodensacks implantiert ist.

Dadurch entleert sich die Manschette und der Patient kann urinieren. Danach füllt sich die Manschette automatisch neu und hält die Blase wieder "dicht".

Auch eine Botox-Behandlung kann, sowohl beim Mann als auch bei der Frau, Harninkontinenz stoppen. Dr. Asaad erläutert: „Die Behandlung geschieht endoskopisch unter lokaler Betäubung.

Das Botox wird in die Blasenwand gespritzt, ungefähr 100 Milliliter an verschiedenen Punkten. Dadurch verringert sich die Aktivität der Blase und vergrößert sich gleichzeitig ihr Volumen. In der Folge muss der Patient nicht mehr so häufig auf Toilette gehen.“

Der Erfolg der Therapie hält zwischen sechs und acht Monaten an. Dann muss die Behandlung wiederholt werden. Nebenwirkungen sind selten und die Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Es gibt also viele Möglichkeiten, eine bestehende Harninkontinenz zu behandeln. Doch besser noch, man bekommt erst keine. Tatsächlich lässt sie sich im ein oder anderen Fall vermeiden.

Viel trinken senkt besonders Frauen bis zu den Wechseljahren das Risiko für eine Blasenentzündung und somit auch für eine Harninkontinenz. Zwischen zweieinhalb und drei Liter pro Tag dürfen es gerne sein.

Saure Getränke, z. B. mit Zitrone, sind besonders zu empfehlen. Sie verringern den pH-Wert des Urins. Ein niedriger pH-Wert wiederum hemmt die Vermehrung von Bakterien, die Blasenentzündungen verursachen können. Auch gute Hygiene beim Geschlechtsverkehr kann das Risiko für eine Zystitis senken.

Und dann ist da ja noch der eine Satz, den wohl viele von uns schon einmal gehört haben, nämlich, dass es schadet, wenn man zu lange mit dem Wasserlassen wartet.

Mythos oder Wahrheit? Das, so Dr. Asaad, sei noch nicht hundertprozentig geklärt. Dennoch rät er dazu, eine volle Blase möglichst bald zu entleeren. Denn spätestens ab einem Blaseninhalt von einem halben Liter kann es problematisch werden.

Dann nämlich droht ein Rückfluss des Urins Richtung Niere, verbunden mit einer ganzen Reihe möglicher gesundheitlicher Beschwerden. Und die wollen wir doch alle gerade nicht.