Abwärtstrend im Südthüringer Handwerk verfestigt sich: Tiefster Stand seit 17 Jahren

Gastbeitrag von Stefan Studtrucker
(HWK Südthüringen)

Die wirtschaftliche Situation des Südthüringer Handwerk bleibt angespannt, der seit Jahren anhaltende Abwärtstrend hat sich weiter verfestigt.

Dies ist das Ergebnis der regelmäßigen Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südthüringen unter ihren Mitgliedsunternehmen. Deren aktuelle Geschäftslagebeurteilung ist im dritten Jahr in Folge gesunken und erreicht inzwischen den niedrigsten Stand seit der globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2009.

Auch die Zahl der eingetragenen Handwerksbetriebe ist rückläufig. Im vergangenen Jahr ist sie um 1,6 Prozent zurückgegangen.

Auftragslage, Umsatz und Auslastung bleiben schwach. Zugleich sehen sich die Betriebe mit höheren Kosten konfrontiert. Währenddessen verstärken internationale Konflikte die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit.

Vor allem unkalkulierbare Mehrbelastungen durch hohe Energiepreise haben auf Monate hinaus das Potential, den Wirtschaftsprozess erheblich zu stören. Außerdem sorgen ausbleibende Richtungsentscheidungen sowie Diskussionen über mögliche Steueranhebungen für zusätzliche Verunsicherung und belasten die unternehmerische Initiative.

Angesichts fehlender Wachstumsimpulse und andauernder Unsicherheiten ist derzeit keine Verbesserung in Sicht – vielmehr droht eine weitere Verschärfung der Lage. Das Südthüringer Handwerk braucht verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, um diesen Abwärtstrend umzukehren.

Allgemeine Geschäftslage weiter verschlechtert

Nur noch 32 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 34 Prozent). 41 Prozent melden eine zufriedenstellende Lage (Vorjahr: 44 Prozent), während 27 Prozent ihre Situation als schlecht einschätzen (Vorjahr: 23 Prozent).

Besonders kritisch ist die Lage im regional besonders bedeutenden Bauhandwerk sowie bei Dienstleistern und Handwerken für den gewerblichen Bedarf.

Auch die Erwartungen bleiben gedämpft: Nur neun Prozent der Betriebe rechnen im kommenden Quartal mit besseren Bedingungen, während 17 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten.

Aufträge und Betriebsauslastung

Die Auftragslage hat sich im Berichtsquartal weiter verschlechtert. Lediglich sieben Prozent der befragten Handwerksbetriebe melden ein Auftragsplus (Vorjahr: 13 Prozent).

Eine auf gesunkenem Ausgangsniveau unveränderte Entwicklung verzeichnen 53 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 49 Prozent), während 40 Prozent (Vorjahr: 38 Prozent) einen weiteren Rückgang der Aufträge registrieren.

Nur fünf Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten ihren Auftragsbestand dabei als überdurchschnittlich, 36 Prozent dagegen als unterdurchschnittlich.

Entsprechend niedrig ist auch die Auslastung betrieblicher Kapazitäten: Lediglich vier von zehn Betrieben erreichen mehr als 80 Prozent Auslastung.

Mehr als jeder fünfte Betrieb (21 Prozent) gibt an, dass seine Kapazitäten zu höchstens der Hälfte ausgelastet sind. Am schlechtesten wird die Auslastung aktuell von den Baubetrieben bewertet.

Für das kommende Quartal erwarten die Teilnehmer insgesamt keine wesentliche Verbesserung der Auftragslage. 61 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Anzahl von Auftragseingängen. 16 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus, während 23 Prozent eine weitere Verschlechterung befürchten.

Umsätze

Parallel dazu bleibt auch die Umsatzentwicklung schwach und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht erholt: 44 Prozent der Handwerksbetriebe verzeichnen im ersten Quartal Umsatzeinbußen, während nur elf Prozent ihre Umsätze steigern konnten.

Für die kommenden Monate fallen die Erwartungen etwas optimistischer aus. Insbesondere im Bauhandwerk, im Kfz-Handwerk sowie im Nahrungsmittelhandwerk rechnet etwa jeder dritte Betrieb mit einem Umsatzplus.

Branchenübergreifend erwarten 23 Prozent steigende Umsätze, während 28 Prozent weiterhin von sinkenden Umsätzen ausgehen. Angesichts der schlechten Auftragslage in vielen Bereichen werden die erwarteten Umsatzsteigerungen jedoch zumindest teilweise auf höhere Preiserwartungen zurückzuführen sein.

Preise

Der Kostendruck hat sich zuletzt wieder verstärkt. Einkaufspreise für Energie, Material und Rohstoffe sind im Berichtszeitraum erneut deutlich gestiegen, insbesondere für Energie und Kraftstoffe.

85 Prozent der befragten Betriebe (Vorjahr: 73 Prozent) berichten von höheren Ausgaben in diesem Bereich. In der Folge haben 49 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 43 Prozent) ihre Preise für Produkte und Dienstleistungen angehoben.

Beschäftigte

Der Südthüringer Arbeitsmarkt für Handwerker ist weiterhin vom Fachkräftemangel und der zunehmenden Verrentung langjähriger Mitarbeiter geprägt: Auch im ersten Quartal 2026 haben erneut mehr Unternehmen ihre Beschäftigtenzahl reduziert als gesteigert.

Fünf Prozent der Betreibe konnten zusätzliches Personal gewinnen, 80 Prozent ihre Beschäftigten halten, 15 Prozent meldeten einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen.

Investitionen

Die Investitionsbereitschaft verharrt auf sehr niedrigem Niveau. Sieben Prozent der befragten Südthüringer Betriebsinhaber erhöhten ihre Investitionen, 44 Prozent haben diese reduziert.

Der Anteil der Investoren lag bei 32 Prozent, die durchschnittliche Investitionssumme bei ca. 20.000 Euro. Auffällig ist, dass sich die Investitionssumme auf wenige, vergleichsweise hohe Investitionen und sehr viele niedrige Investitionsbeträge verteilt.

Planungssicherheit gefordert

Die anhaltende Schwäche der Geschäftslage verdeutlicht laut Handwerkskammer-Präsident Mike Kämmer, dass das Südthüringer Handwerk mit dem Rücken zur Wand steht.

Angesichts der angespannten Lage fordert er von der Politik ein klares Zukunftskonzept, spürbare Entlastungen bei Energie- und Steuerkosten sowie gezielte Wachstumsimpulse, um den drohenden Substanzverlust abzuwenden.

Krisen seien zwar immer auch eine Chance für innovative Produkte und Prozesse. Es dürfe aber nicht sein, dass unkalkulierbare Mehrbelastungen, überkomplexe Vorgaben und Hängepartien bei der politischen Entscheidungsfindung die unternehmerische Initiative im Keim ersticken. Ebenso gelte es, die nötigen Entlastungen mit Augenmaß zu gestalten.

„Kontraproduktive Maßnahmen wie die jüngst ins Spiel gebrachte Entlastungsprämie bringen unsere Wirtschaft nicht voran“, betont Mike Kämmer.

Insbesondere das kriselnde Bauhandwerk benötige jetzt Signale der Zuversicht. „Das Bauhandwerk ist der Schlüssel zu erschwinglichem Wohnraum und zu mehr energetischer Effizienz. Wir brauchen deshalb gerade hier Planungssicherheit statt vager Ankündigungen, damit unsere Kunden wieder investieren und unsere Betriebe dem Fachkräftemangel aktiv entgegenwirken können“, so das Resümee des Kammerpräsidenten.

Nur so könne der tiefste Stand der Geschäftslage seit 17 Jahren überwunden und die Zukunft des regionalen Handwerks gesichert werden.