Gastbeitrag von Lea Hohmann
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Naturparks und Biosphärenreservats Bayerische Rhön haben gemeinsam mit einem Vertreter der hessischen Rhön sowie dem Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Bad Kissingen eine mehrtägige Fachexkursion in den Nationalpark Berchtesgaden unternommen.
Ziel des Austauschs war es, erfolgreiche Naturschutz- und Tourismusstrategien kennenzulernen, Erfahrungen zu teilen und neue Impulse für die eigene Arbeit in der Rhön zu gewinnen.
Der 1978 gegründete Nationalpark Berchtesgaden ist mit rund 210 km² Deutschlands einziger Alpen-Nationalpark. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ stehen natürliche Prozesse im Fokus: Rund 75 % der Fläche sind Kernzone ohne Eingriffe.
Die alpine Landschaft ist Lebensraum seltener Arten und ein wichtiger Ort für Forschung, Umweltbildung und nachhaltigen Tourismus. Im Fachprogramm standen zentrale Themen des Naturschutzes im Fokus, darunter das Monitoring von Steinadlern zur Sicherung der bayerischen Population sowie das Bartgeier-Monitoring im Rahmen eines internationalen Wiederansiedlungsprojekts.
Dieses wird vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) mit rund 40 beteiligten Zoos und Zuchtstationen koordiniert. Ergänzend gab es Einblicke in die Forschung an Aasstationen zur Nutzung von Aas durch verschiedene Organismen.
Ein weiteres Thema war die Besucherlenkung im sensiblen Klausbachtal und das Zusammenspiel von Naturschutz und Tourismus.
Auch die Rotwildfütterung wurde erläutert: Da Wanderbewegungen durch Infrastruktur eingeschränkt sind, überwintern die Tiere im Hochgebirge und werden zur Vermeidung von Waldschäden gezielt gefüttert. Im Winter können Besucher das Rotwild in einem rund 45 Hektar großen Gatter beobachten.
Großes Interesse fand zudem die digitale Wegekoordination. In Gesprächen mit der zuständigen Digitalrangerin erhielten die Teilnehmenden Einblicke in innovative Ansätze zur Steuerung von Besucherströmen und zur nachhaltigen Nutzung von Wanderwegen.
Ergänzt wurde dies durch einen Besuch der Königsseewerkstatt, bei dem Fragen zu Infrastruktur, Instandhaltung und nachhaltiger Entwicklung im Schutzgebiet behandelt wurden.
Auch die Umweltbildung war zentral: Bei der Fahrt über den Königssee nach St. Bartholomä und dem Besuch der Infostelle wurde Wasser als Schlüsselressource thematisiert. Eine Exkursion zur Eiskapelle zeigte geologische Zusammenhänge und Klimawandelfolgen.
Zudem erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Waldklimastationen und moderne Monitoringmethoden – der Nationalpark ist ein wichtiges Referenzgebiet für die Klimaforschung im Hochgebirge.
Den Abschluss bildete die Besichtigung des „Haus der Berge“, des zentralen Informations- und Bildungszentrums des Nationalparks. Es zeigt beispielhaft, wie komplexe Naturschutzthemen anschaulich und verständlich vermittelt werden können.
Der Fachaustausch verdeutlicht die große Bedeutung der Vernetzung zwischen Schutzgebieten. „Der Blick über den eigenen Tellerrand ist entscheidend, um neue Lösungsansätze zu entwickeln und bewährte Maßnahmen weiterzuentwickeln“, so ein Teilnehmer der Exkursion.
Gerade angesichts von Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und zunehmendem Besucherdruck profitieren alle Beteiligten von einem offenen Dialog und gegenseitigem Lernen.
Abschließend bedankt sich die Rhön-Delegation herzlich beim Team des Nationalparks Berchtesgaden für den intensiven Austausch, die hervorragende Organisation und die große Gastfreundschaft vor Ort.




