Gastbeitrag von Wolfgang Weber
Einst ein Ort der Konfrontation zwischen zwei Welten, symbolisiert Point Alpha heute den Willen zur Versöhnung und den Mut für Werte und Freiheit einzustehen.
36 Jahre nachdem US-amerikanische Soldaten das letzte Mal vom Observation Post Alpha aus zu einer Patrouille entlang der Innerdeutschen Grenze zwischen Rasdorf und Geisa aufbrachen, erinnerte die Point Alpha Stiftung am Freitag mit dem Festakt Last Border Patrol an den Dienst der Soldaten.
Nach über vier Jahrzehnten an der „Grenze der Freiheit“ war im Frühjahr 1990 die Mission der US-Army am einstigen Eisernen Vorhang endgültig beendet.
„Mission accomplished – der Auftrag war erfüllt - Ende März 1990 absolvierte die US Army am ehemaligen Eisernen Vorhang ihren letzten Kontrollgang“, rekapitulierte Benedikt Stock, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung, in seiner Begrüßung. „Der Kalte Krieg wurde nach und nach für beendet erklärt. Wie sich herausstellte, ein Irrtum.“
Point Alpha halte die Erinnerung an die Wachsamkeit, die Kampfbereitschaft und die Leidenschaft der US-Army wach und unterstreiche die Bedeutung des authentischen Zeitzeugnisses für die militärischen und politischen Entwicklungen, aber auch für die Notwendigkeit eines funktionierenden Bündnisses.
Ein besonderes Kapitel für Hessen, das in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiere.
„Es war schließlich keine Selbstverständlichkeit, uns Deutschen nach unseren unzähligen Verbrechen des 2. Weltkriegs die Hand zu reichen, wirtschaftliche und politische Aufbauhilfe zu leisten und die junge Bundesrepublik in die Gemeinschaft der freien Völker zurückzuführen“, fuhr Stock fort. Point Alpha stehe für die gemeinsame Überwindung von Diktatur und Grenzen.
Gemma McGowan von der Association of the United States Army (AUSA) merkte an, dass der Tag der Last Border Patrol auch das Ende des Zweiten Weltkrieges markiere.
Der 8. Mai von damals sei der Beginn einer bemerkenswerten Reise, die ehemalige Gegner zu Freunden machte und einen Eckpfeiler für Stabilität, Sicherheit und Demokratie in Deutschland schuf.
„Point Alpha ist nicht nur eine Erzählung von Soldaten in Uniform. Vielmehr bauten diese Veteranen hier ein Leben auf mit einer Familie an der Seite und wurden Teil des Gefüges der deutschen Gesellschaft“, betonte die Präsidentin des General C. W. Abrams Chapters.
Die würdevolle Flaggen-Parade, die sogenannte „Retreat Ceremony“, führten die Kadetten der amerikanischen Wiesbaden High School unter Leitung von Instructor Allen T. Ashton durch.
Die Kadetten holten die US-Fahne ein, falteten sie sorgfältig, übergaben sie an die Stiftung und zogen am Mast ein neues Exemplar der „Stars & Stripes“ hoch.
„Point Alpha ist eine Geschichte des vermiedenen Krieges. Ein Kontinent und Deutschland wurden friedlicher und freier“, sagte Brian Heath.
Heute nun stünde man erneut vor unsicheren Zeiten, ergänze der Generalkonsul vom US-Konsulat in Frankfurt/M. In vielen Gesellschaften beobachte man eine zunehmende Polarisierung, demokratische Institutionen würden durch Misstrauen und Extremismus auf die Probe gestellt.
Antisemitismus nehme zu, offen und aggressiv, in einer Weise von der viele glaubten, die Welt hätte sie nach 1945 hinter sich gelassen.
„Rassismus, Intoleranz und Verschwörungstheorien schreiten schleichend voran – durch Gleichgültigkeit, Zynismus und die Aushöhlung der Wahrheit. Orte wie Point Alpha sind von daher wichtig, da sie uns daran erinnern, diesen Tendenzen mit Mut entgegenzutreten“, unterstrich der Generalkonsul Heath.
Bei der Verteidigung von Werten geht es um die fortdauernde Aufgabe, Jugendlichen historische Ereignisse näherzubringen, damit sie sich ein politisches Urteil bilden und auch Verantwortung für demokratische Prozesse als Teil der Zivilgesellschaft übernehmen können.
Die Geschichte des Lernortes und für was er steht, ist noch immer von Bedeutung. Rund 50 Schüler begaben sich mit ihren Lehrkräften im Rahmen eines internationalen Begegnungstages auf eine Zeitreise.
Von den Gästebegleitern und Zeitzeugen Niklas Kolb, Silvia Göbel, Edgar Köpsell und Monika Held erhielten die Jugendlichen vom thüringischen Dr. Sulzberger-Gymnasium aus Bad Salzungen sowie die amerikanischen Schüler der Wiesbaden High School Einblicke aus Ost- und West-Perspektive über den Alltag in den US-Baracken, die Hintergründe der Teilung und über die Lage damals an der Innerdeutschen Grenze.
In Workshops und Schülerprojekten transportiert Point Alpha auch immer die Botschaften für die Zukunft.
„Es geht darum, aus der Vergangenheit nicht nur zu lernen, sondern Entscheidungen in die Zukunft zu leiten“, sagte Courtney Mazzone.
Die Konsulin für Politik und Wirtschaft am US-Generalkonsulat Leipzig und dankte der Point Alpha Stiftung aus diesem Militärstützpunkt einen wunderbaren Platz des Austausches zu schaffen.
An die anwesenden Jugendlichen appellierte sie: „Fragt nach. Hört zu. Tragt diese Geschichten weiter. Tauscht euch untereinander aus. Desto klarer wird, was uns verbindet und wie die Werte bewahrt werden, die uns wichtig sind.“
„Orte wie Point Alpha sind keine Relikte, sondern Klassenzimmer für kommende Generationen“, stellte Lieutenant Colonel John M. Thruelsen treffend fest.
Und die Notwendigkeit entschlossen gegen Aggression aufzutreten, sei aktuell wie nie, betonte der Verbindungsoffizier im Namen der US Army Europe and Africa.
Konflikte treiben immer Innovation voran. Unbemannte Systeme bestimmten seit dem russischen Angriff Gegenwart und Schlachtfeld. Wie damals seien die Verbündeten gefordert.
Derzeit arbeiteten Soldaten der Bundeswehr und aus rund 30 weiteren Nation im US-Hauptquartier in Wiesbaden im Rahmen der Unterstützung für die Ukraine. Die Sicherheitslage sei derzeit anspruchsvoll, biete aber die Chance, eine neue Abschreckungsarchitektur aufzubauen.
Moderiert wurde die Veranstaltung in deutscher und englischer Sprache von Philipp Metzler, Vorstand der Point Alpha Stiftung. Er lud nach dem offiziellen Teil die geladenen Gäste zum gemütlichen Beisammensein mit Austausch ein, dabei sorgte das Team des Black Horse Inn für die gastronomische Verpflegung.
Bereichert wurde das Programm durch musikalische Einlagen des Trompeters Martin Möller aus Wenigentaft. Ehrengäste aus Politik, Gesellschaft, Verbänden, Bundespolizei und US-Veteranen hatten der Veranstaltung beigewohnt.
Darunter Thomas Hering (hessischer CDU-Landtagsabgeordneter), Katja Mitteldorf (thüringische Landtagsabgeordnete der Linken), Martin Rosenstengel (CDU-Kreisbeigeordneter Wartburgkreis), Frederik Schmitt (Erster Kreisbeigeordneter Landkreis Fulda, CDU), Dana Hauke (CDU-Bürgermeisterin Eiterfeld) und Jürgen Hahn (CDU-Bürgermeister der Point Alpha-Gemeinde Rasdorf).
Die Bundeswehr war vertreten durch Oberstleutnant Andreas Obst vom Landeskommando Thüringen. Besonders freute sich Point Alpha über die zahlreichen Veteranen des Blackhorse Regiments, die der Veranstaltung beiwohnten.












