Gastbeitrag von Svea Jahnk
Wer derzeit den Frühling in der Rhön genießt, begegnet ihm fast überall: dem Orientalischen Zackenschötchen (Bunias orientalis). Mit seinen leuchtend gelben Blüten fällt die rapsähnliche Pflanze sofort ins Auge.
Was auf den ersten Blick mit seiner Blütenpracht überzeugt und sogar als essbares Wildgemüse unter dem Namen „Türkische Rauke“ in manchen Gärten kultiviert wird, entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die heimische Pflanzen- und Tierwelt.
Entlang von Straßen, Feldwegen und Ackerrändern breitet sich die Pflanze rasant aus und erobert mit dichten, hochwüchsigen Beständen inzwischen auch die artenreichen Mähwiesen und Weiden der Rhön.
All das auf Kosten der für die Region typischen Artenvielfalt. Ein Grund dafür ist die enorme Widerstandsfähigkeit des Zackenschötchens.
Die aus der Steppenregion Mitteleurasiens stammende Pflanze etabliert sich besonders leicht auf Offenboden, überdauert mit seiner langen Pfahlwurzel mehrere Jahre und produziert pro Pflanze weit über tausend Samen.
Baustellen, Straßenränder oder Feldraine bieten ideale Bedingungen für ihre Ausbreitung. Die Samen werden hier z.B. durch Fahrzeuge oder Bodenbewegungen über weite Strecken verbreitet.
Aufgrund ihres starken Konkurrenz- und Ausbreitungsvermögens gilt die Art als invasiver Neophyt - eine nicht-heimische Pflanzenart, mit dem Potential andere Arten zu verdrängen.
Während invasive Arten wie der Riesenbärenklau auf der Unionsliste der Europäischen Union stehen und damit verpflichtenden, EU-weiten Maßnahmen zu ihrer Eindämmung unterliegen, gilt das Zackenschötchen bislang lediglich als potenziell invasiv und befindet sich auf der sogenannten Handlungsliste („Graue Liste“).
Verbindliche Vorgaben sowie Fördermöglichkeiten für eine systematische Bekämpfung stehen daher derzeit nicht zur Verfügung.
Fest steht jedoch: Der Handlungsbedarf ist groß. Gleichzeitig gestaltet sich eine eigenständige Bekämpfung äußerst mühsam, nicht zuletzt wegen der hohen Widerstandskraft der Pflanze.
Wer einzelne Exemplare entfernen möchte, sollte das Problem deshalb möglichst direkt an der Wurzel packen. Da selbst kleine Wurzelreste erneut austreiben können, ist es entscheidend, die gesamte Pfahlwurzel sorgfältig zu entfernen. Auch regelmäßige Mahd kann das Zackenschötchen schwächen, allerdings meist erst über einen Zeitraum von mehreren Jahren.
Während Weidetiere das Zackenschötchen aufgrund seiner faserigen Stängel und des senfartigen Geschmacks meist verschmähen, lässt sich die Pflanze durchaus als schmackhaftes Wildgemüse für Pesto oder in einer Gemüsepfanne verwenden.
Unterm Strich heißt es jedoch: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Auch wenn man die Samen der „Türkischen Rauke“ noch immer im Gartenfachhandel erwerben kann, sollte man die Pflanze lieber in der freien Natur ernten und nicht anpflanzen.
Auch das Ausbringen von Oberboden aus befallenen Gebieten kann und sollte vermieden werden. Und zu guter Letzt sollten etablierte Bestände so gut wie möglich am Aussamen gehindert werden z.B. durch angepasste Mahdtermine vor der Samenreife.
„Immer wieder wird die Pflanze mit ausgewildertem Raps verwechselt und einfach stehen gelassen“, so Julia Gombert vom Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e.V. / der Natura 2000-Station „Rhön“.
Der Verband beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Bekämpfung invasiver Neophyten und hat sich auch der Aufklärungsarbeit rund um das Zackenschötchen angenommen.
Am 4. und 11. Juni 2026 kann man sich bei einem 1,5 Stündigen Spaziergang über die invasive Art informieren. Die „Zackenschötchen-Spaziergänge“ finden in Kaltennordheim und in Bremen statt.
Details und Anmeldung finden sich unter www.regiocrowd.de/thueringer-rhoen oder unter www.ehrensache-natur.de.
Der Erhalt der einzigartigen Rhöner Kulturlandschaft gelingt nur gemeinsam. Gerade dort, wo gesetzliche Vorgaben und Förderprogramme fehlen, sind Eigeninitiative und praktisches Handeln entscheidend. Also ran an den Spaten und dem Zackenschötchen an den Kragen!




