Gastbeitrag von Winfried Möller
In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1996 gegen 1.15 Uhr legte ein Brand die Wallfahrtskirche zu den Heiligen 14 Nothelfern auf dem Gehilfersberg in Schutt und Asche.
Zum 30. Jahrestag fand eine Sternwallfahrt der umliegenden Orte zur wieder aufgebauten Kirche mit anschließendem Gottesdienst statt.
Die Feuersirenen rissen die Bewohner aus dem Schlaf. Das Kleinod des Hessischen Kegelspiels brannte lichterloh. Obwohl die Feuerwehren aus Rasdorf, Setzelbach, Grüsselbach und einem Trupp aus Eiterfeld schnell zur Stelle waren, konnte der lichterloh brennenden Innenraum der Kirche nicht gelöscht werden.
Rasend schnell hatten die Flammen auf den Dachstuhl und den Turm übergegriffen. Der Einsturz der doppelstöckigen Empore ließ die Erde erzittern.
Der letzte Ton der hinabstürzenden Glocke beim Einsturz des Glockenturms traf die Feuerwehrleute und Bewohner ins Herz. Brandstifter hatten die hölzerne Barriere an der Auffahrt zur Kirche aufgebrochen und in der Kirche Feuer gelegt.
Von der Wallfahrtskirche blieben nur noch die Außenmauern stehen. Ein Pentagramm und der Schriftzug „NEMA“, die umgekehrte Buchstabenfolge von „Amen“, Zeichen satanistischer oder okkultistischer Gruppen, konnte man bei Tageslicht an der Außenmauer sehen.
Es gebe Bilder, die man nicht vergesse und die Täter seien nie gefasst worden, betonte Pfarrer Markus Günther zu Beginn seiner Predigt. Die Menschen hätten fassungslos zuschauen müssen, wie ein Ort des Gebets, der Hoffnung und der Heimat zerstört worden sei.
Nicht nur Holz und Stein brannten, sondern es habe den Anschein, als wolle jemand den Glauben verhöhnen und das Heilige entweihen. Doch die Menschen im Hessischen Kegelspiel und weit darüber hätten sich mobilisieren lassen.
So hätten viele Helfer die Brandreste beseitigt und innerhalb eines Jahres sei die Wallfahrtskirche wieder in der ursprünglichen Ausstattung hergestellt worden.
Der Brand habe das Wallfahrtsleben neu belebt, so dass zwischen Ostermontag und dem Festtag des Heiligen Wendelinus jeden Samstag um 8 Uhr ein Gottesdienst mit unterschiedlichen Zelebranten stattfinde.
Das sei ein nicht übersehbares Glaubenszeugnis. Anknüpfend an die Apostelgeschichte betonte Pfarrer Markus Günther, dass auch Paulus und Silas, obwohl gefangen, nicht verzweifelt seien, sondern in ihrer Not Gott gelobt und damit ein Beispiel ihres Glaubens gegeben hätten.
Das Böse, die Gewalt, die Unmenschlichkeit behielten nicht recht. Der Wiederaufbau der Wallfahrtskirche sei ein Synonym, dass auch Kirche in heutiger Zeit Menschen brauche, die dem Geist Gottes Raum gäben und Zeugen der Hoffnung seien.
Er lud zum Gebet der 28 Kirchen am Freitag vor Pfingsten ein. Die Kirchen im Pastoralverbund seien auf dem Weg zu einer Pfarrei, aber viel mehr auf dem Weg einer notwendigen Glaubenserneuerung.
Nach dem Gottesdienst waren die Gläubigen eingeladen sich die Bilderausstellung der Brandnacht anzuschauen, die noch einige Samstage in der Wallfahrtskirche zu sehen sein wird.
Außerdem wurde am Parkplatz Gehilfersberg eine Videoprojektion der Brandnacht, der zerstörten Kapelle, Aufräumarbeiten und Gotesd8ienst gezeigt.
Das Filmmaterial von Gerhard Knabe, sowie die Bilder von Winfried Möller und Rudolf Karpe hatte Theo Lenz eindrucksvoll zusammengefügt.
Für die notwendige Stromversorgung sorgte die Freiwillige Feuerwehr Rasdorf. Bei Würstchen und Getränken fanden trotz kühler Witterung Gespräche über das Ereignis statt, das Spuren bei den Menschen im Hessischen Kegelspiel bis zum heutigen Tag hinterlassen hat.
































