Pfarrbereich Dorndorf macht’s möglich: Lebenswendefeier ohne Kirchenzugehörigkeit

Gastbeitrag von Julia Otto

Erstmals hat im Ev.-Luth. Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach eine sogenannte Lebenswendefeier stattgefunden, die zusätzlich zur Jugendweihe begangen werden kann, ohne dass eine Taufe oder Kirchenzugehörigkeit Voraussetzung ist.

Das neue Angebot richtet sich an Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren und versteht sich als weiterer feierlicher Rahmen für den Übergang ins Jugendalter.

Der Festgottesdienst in der Ev. Kirche in Dorndorf wurde als sehr moderner, gemeinschaftlich gestalteter Festgottesdienst gefeiert, an dem sich die Jugendlichen, Konfis, Eltern, Patinnen und Paten sowie die Gemeindekirchenräte des Pfarrbereichs aktiv beteiligten. Die Kirche platzte dabei wortwörtlich aus allen Nähten.

Bereits der Einzug setzte einen besonderen Akzent: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten sich das Lied „Viva la Vida“ von Coldplay („Es lebe das Leben“) selbst ausgesucht. Es leitete einen Gottesdienst ein, der ganz im Zeichen von Aufbruch, Gemeinschaft und persönlichem Lebensweg stand.

Zwölf Jugendliche feierten ihre Konfirmation, parallel dazu wurde erstmals eine Lebenswendefeier für Luise begangen. Damit erweitert der Pfarrbereich Dorndorf mit den Kirchgemeinden Dorndorf, Kieselbach, Frauensee und Merkers sein Angebot für junge Menschen in einer Phase des Umbruchs.

In ihrer Predigt sprach Pfarrerin Franziska Freiberg über Orientierung in einer Zeit vieler Möglichkeiten und beschrieb Tradition als ein „Geländer“, das Halt geben könne, wenn das Leben unsicher werde.

„Und erzählt es doch gerne weiter, dass man gar nicht getauft sein muss, um hier dabei zu sein. Das Alter von 13 bis 14 ist so wichtig. Ich glaube, Kinder sollten in dieser Zeit nicht alleine sein.

Sie brauchen eine Gruppe, in der sie nicht sportlich sein müssen, sondern in der sie sein dürfen, wie sie sind, und über sich hinauswachsen dürfen. Vielleicht ist das unsere Antwort als Kirche: dass wir die sind, die die Tür offen halten für alle.“

Ein zentraler Moment der Feier war die persönliche Segnung der Jugendlichen. Zuvor traten Patinnen, Paten und einige Familienangehörige hinzu, legten den Jugendlichen die Hand auf die Schulter und sprachen persönliche Worte sowie Segenswünsche.

Gemeinsam mit ihren Angehörigen wurden die Jugendlichen anschließend von Pfarrerin Franziska Freiberg gesegnet. Für Luise wurde zur Lebenswendefeier anstelle eines Bibelspruchs ein persönlich formulierter Segen gesprochen.

Die Jugendlichen blickten auf eine fast zweijährige gemeinsame Vorbereitungszeit zurück, die von Begegnungen, Freizeiten und gemeinsamen Erlebnissen geprägt war und in einer PowerPoint-Präsentation sichtbar wurde, was für Schmunzeln sorgte.

Auch ein schwerer Moment gehörte dazu: der Tod einer Mitschülerin, der einige Jugendliche tief bewegte und zugleich enger zusammenschweißte.

Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte der Überraschungsmoment der Eltern für ihre Kinder mit einem Chorgesang des Liedes ‚Wie schön du bist‘ von Sängerin Sarah Connor.

Viele Jugendliche und Angehörige reagierten sichtlich berührt – nicht nur mit großen Augen, sondern auch mit dem ein oder anderen Tränchen.

Fotos der Jugendlichen zusammen mit ihren jeweiligen Segenssprüchen oder Bibelversen wurden auf einer Leinwand gezeigt und machten viele persönliche Erinnerungen von der Geburt bis zur Konfirmation oder Lebenswende sichtbar.

Die Jugendlichen selbst setzten ein Zeichen der Verbundenheit, indem sie ihren Eltern im Gottesdienst Rosen überreichten mit einem ergreifenden Statement stellvertretend durch Pauline für alle Jugendlichen an ihre Eltern: „Ihr habt uns stark gemacht und Mut gemacht und uns immer wieder aufgefangen wenn wir gefallen sind.

Das wir heute hier stehen können, verdanken wir auch euch. Wir wünschen uns das ihr heute genauso stolz und glücklich seid wie wir“, so Pauline.

Im Anschluss gratulierte Kirchenälteste Melanie Grob im Namen aller vier Gemeindekirchenräte den Jugendlichen. Basierend auf Liedtexten des Erfurter Musikers „Clueso“ bestärkte sie die Jugendlichen, mutig ihren eigenen Weg zu gehen, das Leben bewusst zu genießen und sich auf Gemeinschaft und Zusammenhalt verlassen zu können.

„Wenn ihr stolpert, halten wir Euch. Und das Schöne ist: ihr seid niemals ganz alleine, denn Gott ist immer an Eurer Seite.“

Zum Auszug erklang das Lied „Don’t Stop Believin’“ der Band Journey und setzte einen musikalischen Schlusspunkt mit einem verbundenen Wunsch für die Zukunft der Jugendlichen. Gespielt wurde der Song von Wolfgang Niebling an der Orgel.

Feedback zur Lebenswendefeier: „Wir waren vor zwei Jahren als Gast bei einer Konfirmation in Dorndorf dabei und da hat Pfarrerin Franziska Freiberg gesagt, dass jeder herzlich eingeladen ist, an der Lebenswende teilzunehmen.

Und da habe ich mich angesprochen gefühlt. Ich mag einfach diese Gemeinschaft. Die christlichen Werte vertrete ich sowieso. Wir haben auch Jugendweihe mitgemacht. Aber da bekomme ich eine Blume und Tschüss“, sagte die Mutter von Luise.

Luise selbst betonte, dass die Teilnahme ihre eigene Entscheidung gewesen sei: „Bei der Jugendweihe wird nichts gemacht. Bei der Konfirmation kannst du zwei Jahre lang schöne Dinge zusammen erleben.“