Das Erbe bewahren: Nachfahren-Treffen der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen

Gastbeitrag von Sabine Burkardt

Die Familien und Nachkommen der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen des Lagers Hünfeld haben sich im französischen Dijon mit einer Hünfelder Delegation getroffen.

Einer der Söhne eines ehemaligen Kriegsgefangenen, René Sabot, hatte mit Unterstützung seines Sohnes Jérôme zu einem Erinnerungstreffen der Nachkommen nach Dijon eingeladen.

Die „Ehemaligen“ hatten sich zunächst alljährlich in einem anderen Ort in Frankreich getroffen. Eine erste größere Zusammenkunft fand 1961 in Dijon im Burgund statt, und nach 65 Jahren trafen sich nun dort die Nachkommen mit Freunden aus Hünfeld.

Neben Hünfelds ehemaligem Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel, der seit 1978 bei allen Treffen dabei war, und seiner Ehefrau Rita, gehörten der Hünfelder Delegation Claudia Scholl-Kleinfelder mit Ehemann Dieter Kleinfelder sowie Hans Beuting, mit 91 Jahren der älteste Teilnehmer, an. Dieser hatte von zahlreichen Treffen eindrucksvolle Videodokumentationen gefertigt.

In Dijon erlebten die Teilnehmenden ein sehr abwechslungsreiches Programm mit einer Stadtführung. Der Abschlussabend fand in dem Raum statt, in dem sich die „Ehemaligen“ 1961 getroffen hatten.

Nach einem Gedenken an die verstorbenen „Ehemaligen“ dankte Organisator René Sabot der Hünfelder Gruppe für ihr Kommen. Er bezeichnete diese Freundschaft der „Ehemaligen“ mit der Stadt, in der sie viereinhalb Jahre als Gefangene verbracht hatten, als einmalig in Europa.

Claudia Scholl-Kleinfelder überbrachte Grüße und übergab Geschenke von ihrer Mutter Rita Kohlmann, die mit ihrem Ehemann Bernard 1999 die gleichnamige Stiftung zur Pflege des Andenkens an die „Ehemaligen“ errichtet hatte. Die Stiftung wurde 2023 aufgelöst.

Dr. Eberhard Fennel überbrachte neben seinen Dankesworten an René und an Jérôme Sabot Grüße von Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok, ebenfalls verbunden mit kleinen Geschenken.

Rita Fennel erinnerte an die Pflanzung einer Eiche im Jahr 1977 durch die Ehemaligen im Hünfelder Bürgerpark, wofür die „Ehemaligen“ Erde aus ihrem jeweiligen Heimatort mitgebracht hatten.

Sie zitierte den Text von Carl Zuckmayer auf der dort angebrachten Bronzetafel: „Wenn es gestern unsere Pflicht war, Feinde zu sein, ist es heute unser Recht, Brüder zu werden.“

Angefangen hatte die Aufnahme der freundschaftlichen Kontakte zu Hünfeld durch einen ersten Besuch einer Gruppe der „Ehemaligen“ im Jahr 1962. Der Vertrauensmann der „Ehemaligen“, Jean Vermesse, hatte bei einem zufälligen Treffen mit dem damaligen Stadtpfarrer Dechant Karl Medler schließlich den Wunsch, sich einmal in Hünfeld zu treffen.

Der damalige Hünfelder Bürgermeister Wolfgang Strecke ließ ihm daraufhin sofort eine entsprechende Einladung des Magistrats für die „Ehemaligen“ mit ihren Familien in der Stadt ihrer Gefangenschaft zukommen.

Bei diesem Treffen in Hünfeld kamen die Gäste erstmals in den Genuss der „Hünfelder Medizin“, des Aha-Excelsiors, deshalb spendierte nach den Abendessen in Dijon Dr. Eberhard Fennel traditionell eine Runde Aha-Excelsior, der von den Teilnehmenden mit dem Hünfelder Aha-Lied besungen wurde.