Gastbeitrag von Julia Otto
Wenn Menschen nicht mehr alleine zurechtkommen und Hilfe zur täglichen Lebensgrundlage wird, sind die Mitarbeitenden der Sozialstation Dermbach oft schon zur Stelle – unauffällig, verlässlich und fest im Alltag verankert. Seit 35 Jahren begleitet sie Menschen in ihrem Zuhause.
Am Sonntag wurde dieses Jubiläum mit einem festlichen Gottesdienst in der Dreieinigkeitskirche gefeiert. 160 Gäste kamen zusammen, um Dankbarkeit, Geschichte und Zukunft dieser diakonischen Arbeit zu würdigen.
Die in Trägerschaft der Kirchgemeinde stehende Sozialstation Dermbach wolle „dankbar zurück und freudig nach vorne schauen“ und Gottes Schutz für alle Mitarbeitenden erbitten, so Pfarrerin Silke Glöckner.
Die Theologin begrüßte im Festgottesdienst Mitarbeitende der Sozialstation sowie ehemalige Beschäftigte. Besonders willkommen hieß sie die früheren Pflegedienstleitungen Renate Dietzel, Bettina Ißbrücker und Eveline Grob.
Unter den Gästen waren außerdem Superintendent Christoph Ernst, Bürgermeister Thomas Hugk, Ortsteilbürgermeisterin Nancy Hepp, Pfarrer i.R. Gerald Kotsch, sowie Gisela Eckardt aus Sonneberg, Frau des ehemaligen verstorbenen Superintendenten Johannes Eckardt.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vielseitig gestaltet und von Kantorin Youna Park an Orgel und Klavier begleitet. Der Kinderchor unter Leitung von Ellen Schmuck setzte mit einem selbstgedichteten Rap und weiteren Liedbeiträgen einen lebendigen Akzent und dankte den Mitarbeitenden für ihren Einsatz.
Einen besonderen berührenden Moment bot die Schülerin Maike Hartung, die gemeinsam mit Kantorin Youna Park am Klavier Händels „Passacaglia“ präsentierte.
In ihrer Predigt stellte Pfarrerin Glöckner die Sozialstation in den Zusammenhang biblischer Gemeinschafts- und Diakonietradition. Entscheidend bleibe der Kern: „Nächstenliebe teilen mit den Gaben, die Gott mir gegeben hat.“
Die Sozialstation sei die sichtbarste Form dieses Teilens in der Gemeinde. „Wir sehen die weißen Autos und wissen: Dahinter ist gerade eine Mitarbeiterin, die hilft“, so Silke Glöckner.
Auch die Geschichte der Einrichtung wurde in Erinnerung gerufen. 1991 wurde die Sozialstation mit einem Festgottesdienst eröffnet, die ersten Gemeindeschwestern verpflichteten sich damals „im Geist der christlichen Nächstenliebe“ zu ihrem Dienst.
Die Rückführung des Gebäudes nach der Wende für einen symbolischen Preis von einer Mark sei ein „weitreichender Schritt zum Wohl der Gesamtgemeinde“ gewesen, so Silke Glöckner.
Ein besonderer Moment war die Geschenkübergabe des Gemeindekirchenrates und der Pfarrerin: ein von Thomas Vogel geschnitztes Kreuz mit einer Taube.
„Die Taube macht sich auf den Weg in die Häuser zu den Menschen, die Hilfe brauchen“, hieß es dazu. Jeder Mitarbeitende erhielt zudem eine Miniaturausführung.
Für einen Überraschungsmoment sorgten die Beschäftigten der Sozialstation selbst, die gemeinsam mit Harfe (Bettina Thüring) und Gitarre (Margit Hugk) das Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ vortrugen und dafür großen Applaus erhielten.
Pflegedienstleiter Sebastian Mötzung würdigte in seinem Grußwort die Entwicklung der vergangenen 35 Jahre als gemeinschaftliche Leistung vieler Menschen.
Er dankte für das entgegengebrachte Vertrauen und betonte, dass Pflege weit mehr sei als eine fachliche Aufgabe.
Pflegekräfte dürften in die Häuser und Wohnungen der Menschen kommen und deren Alltag miterleben – mit Sorgen, aber auch mit Hoffnungen und schönen Momenten. Dieses Vertrauen sei ein großes Geschenk und zugleich eine große Verantwortung.
Besonders hob er die Bedeutung der wichtigen Arbeit hervor: Sie ermögliche es vielen Menschen, trotz Krankheit oder Einschränkungen im eigenen Zuhause zu leben und schenke Sicherheit, Verlässlichkeit und Lebensqualität. Pflegekräfte seien dabei nicht nur Helfer, sondern auch Zuhörer, Mutmacher und oft ein täglicher „Rettungsanker“.
Zugleich dankte Sebastian Mötzung allen Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Wegbegleitern – den heutigen wie den ehemaligen – sowie der Kirchgemeinde für die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Superintendent Christoph Ernst betonte die enge Verbindung von Kirche und Diakonie: „Diakonie ist Kirche.“ Die 35 Jahre Sozialstation Dermbach stünden für eine Geschichte von Verantwortung, Verlässlichkeit und menschlicher Zuwendung.
Die Mitarbeitenden schenkten den Menschen nicht nur Pflege, sondern auch „Sicherheit im Alltag“ und das Gefühl, „eben nicht allein zu sein“. In einer sich ständig verändernden Welt sei verlässliche Unterstützung ein Anker für viele Familien – „zuverlässig, kompetent und menschlich“.
Im Namen des Ev.-Luth. Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach dankte Christoph Ernst allen, die sich über Jahrzehnte vor Ort eingebracht und diese Hilfe ermöglicht und ausgebaut haben.
Im Anschluss an den Gottesdienst kamen die Gäste im Pfarrgarten bei Kaffee, Kuchen und Bratwürsten zu Gesprächen zusammen.
Am Abend folgte in der Dreieinigkeitskirche ein Klavierkonzert mit dem Pianisten Younggeun Yoon vor rund 50 Gästen.
Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin prägten das Programm. Das Klavierkonzert wurde als Geschenk sowie verbindendes Element zwischen Kunst und diakonischer Arbeit verstanden.
Das Publikum zeigte sich tief beeindruckt vom Pianisten. Margit Hugk sprach von einem virtuosen Klavierspiel, das „die ganze Klaviatur des Lebens“ hörbar gemacht habe – von schwermütigen bis fröhlichen, von ruhigen bis schnellen Passagen – und brachte die Begeisterung der Gäste in der Dreieinigkeitskirche auf den Punkt.
„Mit Blick auf die Zukunft wünsche ich mir vor allem eins: Dass wir uns das bewahren, was unsere Arbeit seit 35 Jahren auszeichnet: Menschlichkeit, Mitgefühl und die Überzeugung, dass jeder Mensch Aufmerksamkeit, Respekt und Hilfe verdient hat“, so Sebastian Mötzung.













