Von den WM-Arenen der Welt bis ins Kaffeetälchen nach Tiefenort

Gastbeitrag von Rüdiger Christ

Wenn am Donnerstag die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, wird in 16 Stadien um den begehrten WM-Titel gekämpft. Erstmals in der Geschichte findet eine Fußball-Weltmeisterschaft in drei Ländern gleichzeitig statt, den USA, Mexiko und Kanada.

Die USA stellen mit elf Spielorten den größten Anteil der Austragungsstätten. Dort befindet sich auch das größte Stadion des Turniers in Dallas, das Platz für rund 94.000 Zuschauer bietet.

In Mexiko werden die Spiele in drei Stadien ausgetragen. Dazu gehört das berühmte Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Dort wurden bereits die WM-Endspiele 1970 und 1986 ausgetragen.

Die traditionsreiche Arena fasst rund 83.000 Zuschauer. Das kleinste WM-Stadion steht ebenfalls in Mexiko: In Guadalajara können etwa 43.000 Fans die Spiele verfolgen.

Zwei weitere Austragungsorte befinden sich in Kanada. In Vancouver bietet das Stadion Platz für rund 54.000 Zuschauer, in Toronto für etwa 45.000 Besucher.

Doch auch in unserer Region gibt es ein Stadion, das weit über die Grenzen Thüringens hinaus Bekanntheit erlangt hat, das Waldstadion „Kaffeetälchen“ in Tiefenort an der Werra.

Das traditionsreiche Stadion wurde im Sonderheft „Kult-Stadien“ des Fußballmagazins 11FREUNDE in einem weltweiten Ranking auf einem Spitzenplatz geführt.

Dass dort Arenen wie der Celtic Park in Glasgow, das Diego-Armando-Maradona-Stadion in Neapel, das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern oder das legendäre Maracanã in Rio de Janeiro vertreten sind, überrascht kaum. Umso bemerkenswerter ist, dass sie alle hinter dem Tiefenorter Kaffeetälchen rangieren, das Platz zwölf der Weltrangliste belegte.

Nach Einschätzung von 11FREUNDE ist das Kaffeetälchen sogar das zweitschönste Stadion Deutschlands. Lediglich das Dortmunder Westfalenstadion wurde noch höher eingestuft.

Mit dem Stadion der Freundschaft in Gera schaffte es sogar ein zweites Thüringer Stadion in die weltweiten Top 50. Den ersten Platz belegte die legendäre „La Bombonera“ in Buenos Aires.

Die Geschichte des Tiefenorter Waldstadions reicht weit zurück. Bereits 1927 fanden auf dem Waldsportplatz die ersten Fußballspiele statt. Seinen außergewöhnlichen Namen verdankt das Stadion einem beliebten Treffpunkt, an dem sich Familien zum gemeinsamen Kaffeetrinken versammelten.

Dem Vereinsarchiv zufolge wurde am zweiten Pfingstfeiertag des Jahres 1929 sogar ein internationales Fußballspiel gegen den „Sp.-Ct. Humanitas Wien I.“ ausgetragen.

In den 1960er Jahren wurde das Stadion umfassend modernisiert und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert. Zu Spitzenzeiten bot das Kaffeetälchen bis zu 8.000 Zuschauern Platz.

Die BSG Kali Werra Tiefenort etablierte sich in der zweithöchsten Spielklasse der DDR. Nach den Abstiegen 1973 und 1985 gelang jeweils der direkte Wiederaufstieg. Besonders die Derbys gegen Motor Eisenach und die TSG Ruhla lockten regelmäßig tausende Zuschauer an, viele davon auch aus der Thüringer Rhön.

Zu den erfolgreichen Spielern jener Zeit gehörte unter anderem Peter Filler aus Wiesenthal/ Rhön, der als einer der erfolgreichsten Stürmer seiner Generation galt. Daneben standen zahlreiche weitere Fußballer aus der Rhön auf dem Platz, die die erfolgreiche Ära des Tiefenorter Fußballs mitprägten.

Mit dem Abstieg im Jahr 1991 begann schließlich der sportliche Niedergang des Tiefenorter Fußballs. Geblieben sind jedoch die Erinnerungen an große Fußballzeiten und ein Stadion, das bis heute zu den außergewöhnlichsten Fußballstätten Deutschlands zählt.

Während die Fußballwelt in diesen Tagen auf die großen WM-Arenen in Nordamerika blickt, erinnert das Tiefenorter Kaffeetälchen daran, dass Fußballgeschichte nicht nur in den größten Stadien der Welt geschrieben wird.

Auch im Werratal entstanden über Jahrzehnte Fußballtradition, Leidenschaft und unvergessliche Momente, die weit über die Region hinaus Beachtung fanden.