Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Am Montag hatte die Gemeinde Dermbach zu einer Einwohnerversammlung in die Schlosshalle eingeladen. Eingeladen waren alle Bürgerinnen und Bürger aus Dermbach und den Ortsteilen, insgesamt rund 7.100 Einwohner, sowie interessierte Bürger aus den erfüllenden Gemeinden.
Auf der Tagesordnung standen Informationen zum Windvorranggebiet W 14. Als Gäste nahmen Landrat Dr. Michael Brodführer (CDU) sowie Martin Lachor vom Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung des Wartburgkreises teil.
Bürgermeister Thomas Hugk (CDU) begrüßte rund 100 Besucher, darunter zahlreiche Gemeinderäte sowie Mitglieder der Bürgerinitiative „Gegen Windkraft im Wald“ aus Stadtlengsfeld.
In seiner Begrüßung betonte Hugk, dass bei der Diskussion um die Windenergie sowohl Chancen als auch Risiken im Blick behalten werden müssten. Gleichzeitig sprach er die Hoffnung auf einen fairen und sachlichen Verlauf der Veranstaltung aus.
Im Mittelpunkt des Abends standen umfassende Informationen zum Windvorranggebiet W 14 und zum Sachlichen Teilplan Windenergie der Regionalen Planungsgemeinschaft Südwestthüringen. Dieser legt fest, in welchen Bereichen der Region künftig Windkraftanlagen errichtet werden dürfen.
Nach Angaben der Referenten sind die Einflussmöglichkeiten im späteren Genehmigungsverfahren deutlich eingeschränkt, sobald ein Gebiet als Vorranggebiet ausgewiesen wurde.
Der zweite Entwurf des Teilplans sieht insgesamt 40 neue Vorranggebiete für Windenergie mit einer Gesamtfläche von rund 7.483 Hektar vor. Das entspricht etwa 1,8 Prozent der Regionsfläche beziehungsweise rund 75 Quadratkilometern oder etwa 10.500 Fußballfeldern.
Damit wird das vom Land Thüringen vorgegebene Flächenziel für 2027 bereits überschritten, das Ziel für 2032 jedoch noch nicht erreicht.
Martin Lachor wies darauf hin, dass ohne einen solchen Teilplan Windkraftanlagen unter bestimmten Voraussetzungen nahezu überall beantragt werden könnten.
Gleichzeitig verwies er auf die Mitwirkungsmöglichkeiten der Kommunen, insbesondere wenn Windkraftanlagen auf gemeindeeigenen Flächen entstehen sollen.
Landrat Dr. Michael Brodführer stellte klar, dass im Bereich des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön keine Windkraftanlagen errichtet würden. Zudem würdigte er das Engagement der Bürgerinitiative aus Stadtlengsfeld.
In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde wurde deutlich, dass das Thema Windkraft viele Bürger bewegt. Die überwiegende Zahl der Wortmeldungen war kritisch geprägt.
Immer wieder wurde die Forderung nach einer direkten Bürgerbeteiligung beziehungsweise einem Bürgerentscheid laut. Viele Teilnehmer sahen darin die demokratisch legitimste Form einer Mehrheitsentscheidung.
Mehrfach wurden mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Windkraftanlagen angesprochen. Ebenso äußerten Bürger die Sorge, dass Windkraftanlagen, insbesondere in Waldgebieten, das Landschaftsbild der Rhön und das Image Thüringens als „Grünes Herz Deutschlands“ nachhaltig beeinträchtigen könnten.
Zustimmung im Publikum erhielt auch die Kritik, dass zunächst konkrete Bedarfsanalysen für die regionale Energieversorgung vorliegen sollten, bevor weitere Windkraftstandorte ausgewiesen werden. Ein Teilnehmer brachte dies mit dem Sprichwort auf den Punkt: „Man zäumt das Pferd von hinten auf.“
Besonders kritisch diskutiert wurde zudem die weiterhin ungelöste Frage der Speicherung von Windenergie. Mehrere Bürger hinterfragten, wie eine sichere und bedarfsgerechte Energieversorgung ohne ausreichende Speicherkapazitäten gewährleistet werden könne.
Kritik gab es außerdem an den aus Sicht einiger Teilnehmer hohen Hürden für Einwendungen und Widersprüche innerhalb der Planungsverfahren. Viele Bürger äußerten Unsicherheiten hinsichtlich der formalen Anforderungen und Fristen.
Die Bürgerinitiative „Gegen Windkraft im Wald“ aus Stadtlengsfeld verwies in diesem Zusammenhang auf ihr Unterstützungsangebot und erklärte, Bürgern bei der Formulierung und Einreichung von Stellungnahmen sowie Widersprüchen beratend zur Seite zu stehen.
Ziel sei es, die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger möglichst umfassend zu nutzen.
Landrat Brodführer und Bürgermeister Hugk räumten ein, dass das Thema Windkraft emotional diskutiert werde.
Beide stellten sich den Fragen der Bürger und betonten mehrfach, dass sie die positive Entwicklung von Landkreis und Gemeinde im Blick hätten. Fachlich unterstützt wurden die Antworten durch Martin Lachor.
Nach gut zwei Stunden beendete Bürgermeister Thomas Hugk die Veranstaltung und dankte allen Beteiligten für die überwiegend sachliche Diskussion sowie den respektvollen Umgang miteinander.
Die Versammlung zeigte deutlich, dass die Ausweisung des Windvorranggebietes W 14 viele Bürger beschäftigt und der Wunsch nach weiterer Information und Mitsprache weiterhin groß ist.















