Gastbeitrag von Anja Nimmich
Die Geschichte des Geisaer Waldhäuschens „im Wandel der Zeit“ ist jetzt in einem umfangreichen Buch dokumentiert.
Autor Manfred Dittmar hat Erinnerungen, historische Dokumente und zahlreiche Bilder zusammengetragen und damit die Entwicklung des beliebten Ausflugsziels über viele Jahrzehnte hinweg auf 220 Seiten festgehalten.
Das Buch liegt druckfrisch vor. Als es am 5. Juni in den Räumen des Rhönklub-Zweigvereins in Geisa vorgestellt wurde, war das Interesse groß, so dass die Räumlichkeiten für die vielen Zuhörer und Zeitzeugen kaum ausreichten.
„Ich habe lange überlegt, eigentlich viel zu lange, über das Waldhäuschen ein Buch zu schreiben“, gesteht Manfred Dittmar. „Wir haben es geschafft, und ich denke, recht gut“, so Dittmar weiter.
Jahrzehntelanges Engagement
Mit dem Waldhäuschen verbindet Manfred Dittmar eine lange persönliche Geschichte. Bereits Anfang der 1950er-Jahre engagierte er sich als Mitglied der Natur- und Heimatfreunde für die Instandsetzung des damals heruntergewirtschafteten Gebäudes.
Ziel war es, das Haus wieder für Wanderer und Ausflügler nutzbar zu machen. Seit vielen Jahren berichtet Dittmar zudem in der Heimatzeitung über die Geschichte und Veranstaltungen rund um das Waldhäuschen.
Für sein Buch sichtete er zahlreiche Dokumente, Bilder und Erinnerungsstücke. Unterstützung erhielt er dabei von verschiedenen Heimatforschern und Wegbegleitern.

Als Manfred Dittmar gemeinsam mit Heinz Kleber und Wilhelm Ritz vor Jahren das Geisaer Stadtarchiv neu ordnete, fiel den Forschern ein Aktenkoffer in die Hände, dessen Aufschrift sofort ihr Interesse weckte: „Bau des Schutzhauses mit Forstgarten im Geisaer Stadtwald“, von dessen Existenz lange Zeit kaum etwas bekannt gewesen war.
Auf diese Akte griff Dittmar zurück, als er mit den Arbeiten an seinem Buch begann.
Zur Buchpräsentation trägt Dittmar gemeinsam mit Bruno Leister, Maria Hruschka und Kathrin Fischer ausgewählte Textpassagen vor, die durch Hans-Ludwig Vogt mit Bildern belegt werden.

Spuren der Vergangenheit
Bei der Recherche stießen die Heimatfreunde auf zahlreiche historische Hinweise. So wurde beispielsweise die Flurbezeichnung „Roppels“ untersucht, deren Ursprung vermutlich bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückreicht.
Auch alte Karten und Kirchenbücher lieferten wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung des Gebietes rund um das heutige Waldhäuschen.
Zu den besonderen Ereignissen, die im Buch dokumentiert werden, zählen ein Jagdunfall im Jahr 1881 sowie der Absturz eines deutschen Kampfflugzeuges während des Zweiten Weltkrieges am 22. Januar 1944.

Entstehung und wechselvolle Geschichte
Den Schwerpunkt des Buches bildet die Geschichte des Waldhäuschens selbst. Bereits 1875 beantragte Revierförster Brack den Bau einer Unterkunft für Waldarbeiter, der zunächst auf das Jahr 1877 verschoben und 1878 schließlich ganz abgelehnt wurde.
Erst 1916 war wieder von der Schaffung einer Unterkunft im Geisaer Wald die Rede. Im Gespräch war ein Jagdhaus eines Kölner Jagdpächters, der dies hatte bauen lassen, aus Altersgründen aber aufgab und an die Stadt verkaufte.
Wegen angeblicher Verunreinigungen und Beschädigungen am Gebäude gab es im Jahr 1929 Zoff zwischen der Stadt und dem damaligen Jagdpächter.
Der Streit dauerte mehrere Jahre, wobei die Stadt Geisa das Häuschen auch anderen Interessenten zugänglich machen und es für touristische Zwecke nutzen wollte. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg war das Häuschen dem Verfall preisgegeben.

Anfang der der 1950er-Jahre nahmen sich die „Natur- und Heimatfreunde“ des neu gegründeten Kulturbundes des Häuschens an.
Bei vielen Arbeitseinsätzen wurde tatkräftig durch junge Leute Hand am Gebäude angelegt: einer davon war Manfred Dittmar. In den Folgejahren wurde das Domizil von vielen Vereinen und Gruppen rege genutzt.
Auf staatliche Anweisung wurde Mitte der 1970er-Jahre das Haus komplett abgerissen. Im Sommer 1989 wurde von engagierten Geisaern ein neuer Versuch gestartet, einen Wiederaufbau auf den Weg zu bringen.
Kurz nach der Wiedervereinigung verstärkten sich die Bemühungen. Aufgrund bürokratischer Hürden gründete sich die Interessengemeinschaft Geisaer Wald unter Vorsitz von Peter Kling und eine mehrjährige Odyssee um das Bauvorhaben begann.
Nach langwierigen Bewilligungsverfahren konnte das Projekt schließlich umgesetzt und im Juli 1999 feierlich eingeweiht werden.

Mehr als eine Chronik
Das Werk versteht sich nicht nur als Darstellung der Geschichte des Gebäudes, sondern auch als Chronik zahlreicher Veranstaltungen. Feste, Wanderungen und kulturelle Aktivitäten werden ebenso dokumentiert wie Gastbeiträge und Erinnerungen von Zeitzeugen.
Ergänzt wird das Buch durch Liedtexte, Beiträge zur Alphornbläsergruppe „Siebenschläfer“, Wanderhefte und weitere Dokumente aus der Geschichte.
Das Buch ist für 24,50 Euro unter anderem beim Autor selbst, bei Maria Hruschka in Bremen sowie bei Henkel Geschenkartikel in Geisa zu erwerben. Postversand ist möglich (Bestelladresse: Manfred Dittmar, Athanasius-Kircher-Str.: 09, 36419 Geisa).


