Storchenfamilie in Weilar: Jungstörche stehen kurz vor dem Ausfliegen

Gastbeitrag von Rüdiger Christ

Was im Jahr 2017 mit regelmäßigen Besuchen von Weißstörchen auf den Wiesen entlang der Felda bei Weilar begann, hat sich inzwischen zu einer echten Erfolgsgeschichte des Naturschutzes entwickelt.

Damals waren die imposanten Vögel häufig auf Nahrungssuche zu beobachten und landeten immer wieder auf dem Schornstein des ehemaligen Sägewerkes.

Mehrfach versuchten sie dort ein Nest zu bauen. Doch der offene Schornsteinkopf ließ keinen dauerhaften Nestbau zu, alle Versuche scheiterten.

Erst im Herbst 2022 wurde der rund 30 Meter hohe Betonschornstein mit einer Nisthilfe ausgestattet. Damit erhielt das Relikt aus Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft nach mehr als drei Jahrzehnten erstmals eine sinnvolle Aufgabe.

Der Schornstein, der einst als Fehlinvestition errichtet und niemals in Betrieb genommen worden war, wurde zu einem neuen Lebensraum für Weißstörche.

Bereits Anfang April 2023 nahm der erste Weißstorch die neue Nisthilfe in Besitz. Wenige Tage später traf auch das Storchenweibchen ein. Gemeinsam begann das Paar, das Nest auszubauen und sich auf die erste Brut vorzubereiten.

Ende April 2024 legte das Storchenpaar drei Eier. Die Freude bei den Bewohnern und Naturliebhabern der Region war groß.

Ende Mai schlüpften die Jungvögel. Leider überlebte nur einer der jungen Störche, der sich jedoch prächtig entwickelte und erfolgreich flügge wurde.

Auch 2025 kehrte das Storchenpaar aus seinem Winterquartier im Süden nach Weilar zurück.

Nachdem zunächst ein Altstorch unter lautem Klappern das Nest in Besitz nahm und seine Rückkehr eindrucksvoll verkündete, traf kurze Zeit später auch die Partnerin wohlbehalten ein. Das Paar war wieder vereint und setzte seine erfolgreiche Brutgeschichte fort.

Die bisher erfolgreichste Brutsaison folgte schließlich in diesem Jahr. Seit dem 22. April lagen vier Eier im Nest auf dem Schornstein des alten Sägewerkes.

Inzwischen haben sich daraus zwei gesunde Jungstörche entwickelt, die seit einigen Tagen ihre ersten Flugversuche unternehmen und kurz vor dem Ausfliegen stehen.

Die beiden Jungstörche sind gut von ihren Eltern zu unterscheiden. Während Altstörche kräftig rote Schnäbel und rote Beine besitzen, haben Jungstörche zunächst noch schwarze Schnäbel sowie schwärzlich bis gelblich-graue Beine.

Erst in den letzten Wochen vor dem Ausfliegen verfärben sich Schnabel und Beine allmählich gelblich bis rötlich. Auch das Gefieder der Jungvögel wirkt häufig noch etwas unordentlicher und weniger glatt als das der erfahrenen Altstörche.

Schon bald werden die beiden Jungstörche gemeinsam mit ihren Eltern auf den Wiesen der Rhön und entlang der Felda auf Nahrungssuche gehen und dabei sicherlich viele Naturfreunde begeistern.

Die Entwicklung des Storchennestes in Weilar zeigt eindrucksvoll, wie aus einer einfachen Naturschutzmaßnahme eine echte Erfolgsgeschichte werden kann.

Aus einem ungenutzten Schornstein wurde innerhalb weniger Jahre ein bedeutender Brutplatz für Weißstörche.

Gerade im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist die Rückkehr des Weißstorchs ein besonders erfreuliches Zeichen. Die vielfältige Kulturlandschaft mit ihren Feuchtwiesen, Bachtälern und extensiv bewirtschafteten Grünflächen bietet den Störchen ideale Lebensbedingungen.

Ihr Bruterfolg in Weilar unterstreicht die hohe ökologische Qualität der Region und zeigt, wie wichtig der Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaft im Biosphärenreservat sind.

Das Storchennest am ehemaligen Sägewerk ist damit nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein sichtbares Symbol dafür, wie aus einer einstigen Industriebrache durch engagierten Naturschutz ein wertvoller Lebensraum für eine faszinierende Vogelart im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön entstehen konnte.