Vernissage auf Point Alpha: Plädoyer für Mut, Wahrheit & Selbstbestimmung

Mitteilung der Frauen-Union Wartburgkreis

Wann waren Sie zum letzten Mal mutig oder haben sich mutig gefühlt? Freiheit und Selbstbestimmung brauchen Furchtlosigkeit und zur Furchtlosigkeit braucht es Mut.

So lautete die Botschaft, die von der Vernissage der länderübergreifenden Kunst-Ausstellung „Fearless Women – Frauen.Stärke.Sichtbarkeit“ ausging.

Im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha stellt Künstler Oliver Schäfer aus Essen derzeit 15 ausdrucksstarke und farbintensive Gemälde aus. Sie zeigen furchtlose Frauen, die Mutiges geleistet haben, um unsere Gesellschaft und unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Organisiert wurden Vernissage und Kunstausstellung von der Point Alpha Stiftung in Zusammenarbeit mit den Frauen der Frauen Unionen aus dem Wartburgkreis und dem Landkreis Fulda.

Schirmherrin der Ausstellung ist Prof. Erika Rosenberg-Band, die durch die Biografien über Oskar und Emilie Schindler internationale Bekanntheit erlangte und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Rund 200 Gäste hatten sich zur Eröffnung in der Fahrzeughalle auf Point Alpha eingefunden, einem besonderen Ort, der heute für Begegnung, Gemeinsamkeit, Austausch und für neue Perspektiven stehe, wie Moderatorin Sabine Räth aus Künzell eingangs feststellte.

Unter den zahlreichen Besuchern begrüßte Ulrike Jary, Vorstandsvorsitzende der Frauen Union Wartburgkreis, unter anderem auch den Parlamentarischen Staatssekretär Michael Brand (CDU), den Ersten Beigeordneten des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (CDU), Landrätin Sonja Rahm vom Kreis Rhön-Grabfeld sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und den Point Alpha Vorstand Benedikt Stock und Philipp Metzler.

„Kunst ist für mich mehr als reine Ästhetik“, betonte Künstler Oliver Schäfer an dem Abend. Mit seinen Porträts setzt er Themen wie Rassismus, Antisemitismus, den Einsatz für Natur- und Umweltschutz oder Gewalt gegen Frauen in Szene.

Dadurch bekommt seine Kunst eine gesellschaftliche Relevanz. Anne Frank, Meryl Streep, Marzieh Ebrahimi, Ruth Bader Ginsburg, Jane Goodall und viele mehr: ausgestellt sind Frauen, die sich für eine Sache eingesetzt, die Schicksalsschläge bewältigt oder gekämpft haben für Frieden, Recht, Freiheit, Demokratie oder Gleichberechtigung.

Die Lebenswege und Leistungen der Frauen der Kunstausstellung wurden von Journalistin Diana Ringelsiep in Texten zusammengefasst, die Teil der Ausstellung sind.

Besonderes Merkmal der Bilder sind die versteckten Zitate, der jeweils dargestellten Frauen, hinter den einzelnen Farbschichten. Schäfer betonte im Gespräch mit Moderatorin Sabine Räth: „Ich beginne ein Porträt immer mit einem aufgeschriebenen Zitat, dass ich dann übermale. Frauen haben eine Botschaft mit Haltung und sind mehr als nur ihr Äußeres.“

Mit seinen Werken will der Künstler andere Menschen inspirieren, zu sich selbst zu stehen und sich für gesellschaftliche Themen einzusetzen.

Für jedes der fünfzehn Porträts hatte im Vorfeld eine Frau die Bildpatenschaft übernommen. Die Bildpatinnen nutzen den Abend, um ihre persönliche Verbundenheit mit der auf dem Bild dargestellten Persönlichkeit dem Publikum vorzustellen.

Mit dabei auch die 10-jährige Rosalie Nimmich aus Geisa, die für sich eine Bild von Malala Yousafzai entschieden hatte.

Das von Oliver Schäfer bildlich dargestellte junge pakistanische Mädchen hatte sich als Bildungsaktivistin engagiert, wurde von Taliban-Kämpfern auf dem Schulweg angeschossen und schwer verletzt. Sie gab allerdings nicht auf und setzte ihre Arbeit fort, wofür sie 2014 als jüngste Person in der Geschichte den Friedensnobelpreis erhielt.

Mala hat sich schon in jungen Jahren dafür eingesetzt, dass auch Mädchen in die Schule gehen dürfen. Das bewundere ich an ihr“, begründete die Rosalie Nimmich selbstbewusst ihre Wahl.

Schirmherrin Erika Rosenberg-Band hatte die Bildpatenschaft von Emilie Schindler übernommen, mit der sie über viele Jahre eng befreundet war.

„Emilie hat gemeinsam mit ihrem Mann hunderte Juden im Zweiten Weltkrieg vor dem Tod gerettet“, berichtete Rosenberg. Sie hatte ihr einst folgende Worte mit auf den Weg gegeben: „Angst, Angst? Angst ist ein schlechter Begleiter. Niemals war ich die Frau in Schindlers Schatten. Frauen sind meisten stärker als Männer.“

Weitere Bildpatinnen waren: Danika Mönch (Unternehmerin aus Wutha-Farnroda), Ulrike Jary (Thüringer Landtagsabgeordnete aus Wutha-Farnroda, Heike Münker (Professionelle Erzählerin aus Bimbach), Susanne Klüber (Inklusionsnetzwerkerin aus Schleid), Rita Hahn (Mutter von zehn Kindern aus Grüsselbach), Dr. Isabel Hohmann (Rechtsanwältin aus Fulda), Manuela Henkel (Bürgermeisterin von Geisa), Dr. Marion Wagner (Apothekerin aus Fulda), Dr.-Ing. Luisa Kynast (Unternehmerin aus Dermbach), Giesela Feuerstein (Dipl.-Agraringenieurin aus Ebersburg), Diana Herbstreuth (Bundestagsabgeordnete aus Saalfeld-Rudolstadt), Stefanie Klee (hessische Landtagsabgeordnete aus Eiterfeld) sowie Ortrud Tornow (Coachin und Mentorin aus Fulda).

In ihrem Impulsvortrag näherte sich Ortrud Tornow vielschichtig dem Thema „Mutige Frauen“. Sie berichtete lebhaft von mutigen Frauen-Momenten, von Widerstand, von Veränderung und Hoffnung.

„Mut wird weitergeben“, betonte die Coachin und Mentorin aus Fulda, „von Mutter zu Tochter, von Frau zu Frau, von Generation zu Generation und von Mensch zu Mensch.“

Die Stärke der Frau sei kein Auslaufmodell. Sie sei vielmehr Erfahrung, Menschenkenntnis. Zuverlässigkeit, Gelassenheit und die Bereitschaft Lebenserfahrung weiterzugeben und den anderen zuzurufen: „Trau dich. Mach’s endlich. Zieh‘ es durch!“

Vor allem Frauen sollten nicht darauf warten, dass die Zukunft einfach so passiert, sondern sie aktiv gestalten.

„Es gilt Entscheidungen zu treffen, für das, was uns wichtig ist. Nicht nur auf der großen Bühne im Rampenlicht, sondern mitten im Alltag“, so Tornow. Mutige Entscheidungen bedeuteten nicht Grenzen zu überschreiten, sondern Grenzen zu setzen.

Musikalisch umrahmt mit einfühlsamen Liedern wurde die Veranstaltung von der Sängerin und Gitarristin Andrea Rübsam aus Ketten.

Julia Roeschies, Vorstandsmitglied der Frauen Union Landkreis Fulda, dankte allen Akteuren, besonders der Point Alpha Stiftung für die Möglichkeit auf dem historischen Gelände des US Camps solch eine Ausstellung umsetzen zu können.

Gefördert wurde die Kunstausstellung von der Partnerschaft für Demokratie Wartburgkreis sowie über die Sparkassenstiftung Wartburgkreis.

„Freiheit und Gleichheit gehen uns alle an: Frauen und Männer gleichermaßen. Die Frauenportraits sind über die Kunst hinaus tolle Beispiele für Engagement und für Zuversicht aber auch für die Seite der Verletzbarkeit“, freute sich der Point Alpha-Vorstand mit Benedikt Stock und Philipp Metzler über eine gelungene Veranstaltung.

Die Kunstausstellung läuft bis zum 15. September 2026 und kann zu den regulären Öffnungszeiten im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha, täglich von 10 bis 18 Uhr, besichtigt werden.