Gastbeitrag von Michael Knauf
Die Ortschaft Schenklengsfeld liegt an den Ausläufern der Kuppen Rhön und grenzt an dem Hessischen Kegelspiel und dem Seulingswald.
Ab dem Frühjahr 1948 bis zum Saisonende im Spätherbst 1997 verfügte das Ziegelwerk, “Schenklengsfeld GmbH & Co. Baukeramik KG“, über eine betriebsfähige Feldbahn mit der Spurweite von 600 mm. Die Ziegelei wurde 1936 unter den Firmennahmen Ringofenziegelei Schenklengsfeld OHG „Heimeroth & Walger“ (bis 31.12.1976) gegründet.
Zum Fuhrpark der Feldbahn gehörten in den Anfangsjahren eine Kleindiesellok des Herstellers „Henschel DG 13“ außerdem um die acht Kipploren und ein Abraumbagger (Eimerkettenbagger). Welche ab 1948 ihren Dienst versahen, davor mussten die Kipploren per Muskelkraft bewegt bzw. in die Ziegelei gefahren werden.
Das Ziegelwerk beschaffte 1965 die leistungsfähigere Kleindiesellok „Diema DS 20“. Die Lehmgrube befand sich direkt hinter der Ziegelei und der Feldbahnbetrieb kam mit einer relativ kurzen Streckenlänge um die 250m bis 300m aus.
Betriebsablauf der Feldbahn um 1985
In den Jahren von 1984 bis 1985 erfolgte eine gründliche Aufarbeitung der Gleisanlagen durch die Feld-und Grubenbahnfreunde Oehrenstock. Ab Mitte der 1990 iger Jahre wurde die Feldbahn durch Verschleißerscheinungen mehr und mehr unrentabel und die damalige Betriebsleitung prüfte den Bau und den Einsatz einer Transportbandanlage, aber auch diese Möglichkeit kam aus Kostengründen nicht in Frage.
Deshalb setzte man nun, nach einem gründlichen Probebetrieb, auf den innerbetrieblichen Lehmtransport mittels eines Radladers. Bis zum Jahr 2000 konnte die Diema-Lok und das restliche Feldbahnmaterial in Reserve gehalten werden. Falls der Radlader nicht den Anforderungen des täglichen Einsatz gerecht geworden wäre, hätte man zur jeder Zeit die Feldbahn reaktivieren können. Ende des Jahres 2000 begann die endgültige Demontage der Feldbahn.
Schon 1992 bekam das damalige Feld-und Grubenbahnmuseum in Ilmenau die Henschel-Lok als Leihgabe. Die umfangreichen Gleisanlagen, sowie das rollende Material, wie die Diema-Lok, sind Ende des Jahres 2000 an die Bebrarer Eisenbahnfreunde, für ihre Museums-und Parkeisenbahn am Wasserturm, ebenfalls verliehen worden.
Die Ziegelei hatte von 1936 bis 1978 einen regelspurigen Gleisanschluss der Hersfelder Eisenbahn, welches sich anbot, da die Trasse direkt am Ziegelwerk vorbeiführte. Die Hersfelder-Eisenbahn, auch die Kreisbahn genannt, erreichte Schenklengsfeld im km 15,3 (Betriebsmittelpunkt der Strecke). Schenklengsfeld ist mit seinen um die 1600 Einwohner Marktgemeinde des ehemaligen Landecker Amts und eine Großgemeinde mit 14 Ortsteilen.
Die Feldbahnstrecke führte über das Betriebsgelände parallel zum Ziegelwerk und überquerte befestigten Feldweg zum Ringberg. Verlief dann um die 200 m den Weg entlang und erreichte nach einer scharfen Linkskurve die nahe gelegene Lehmgrube. Hier erfolgte die Beladung der Mühlhäuser-Kipper durch einen Radlader.
Die Zugleistungen erbrachte meistens die Lok 2 (Diema), die etwas betagte Lok 1 (Henschel) stand bis 1992 in Reserve. Da nur vier Muldenkipper zur Verfügung standen, fuhr man in zweier Kombinationen, das heißt zwei Kipploren wurden in der Lehmgrube beladen.
In der Zwischenzeit kippten die anderen zwei beladenen Loren ihre Lehmladung in die Entladegrube oder je nach Bedarf auf die Halde neben der Entladehalle. Falls die Außentemperaturen um Null-Grad oder darunter lagen, erfolgten die Entladungen der Lehmtransporte direkt in die Entladehalle.
Im Entladebereich gab es nur eine Weiche (ähnlich einer Spitzkehre), deshalb nahm der Austausch der Kipper einiges an Rangierarbeiten und Zeit in Anspruch.
Von 1948 bis 1960 waren 8x1 DIN-Kipploren (Muldenkipper) mit einem Transportvolumen von 1,5 Kubikmeter im Einsatz. Ab 1960 beschaffte die Ziegelei vier hydraulische Einseitenkipper mit einem Transportvolumen von drei Kubikmeter, der Herstellerfirma Gebrüder Mühlhäuser aus Michelstadt i. Odw. .
Zum Beladen der Feldbahngarnituren war bis um 1972 ein Eimerkettenbagger im Betrieb. Ein Menck-Löffel-Kettenbagger unterstützte die Arbeiten in der Lehmgrube von 1959 bis 1972. Im Jahr 1972 übernahm ein moderner Volvo-Radlader die Beladearbeiten und dann ab dem Saisonbeginn 1998 den gesamten innerbetrieblichen Lehmtransport.
Eine DIN-Kipplore sollte in Schenklengsfeld verbleiben und zu einem späteren Zeitpunkt auf einem Sockel als Werksdenkmal erhalten bleiben. Zwei Mühlhäuser-Kipper bekam das „Technische Marinemuseum“ in Kiel und je einen die Eisenbahnfreunde Lengerich und das Museum am Wasserturm in Bebra.
Auf dem Foto ist die einzige Weiche der Feldbahnanlage zu sehen. Die Feldbahnlok schiebt die zwei beladenen Loren in die Entladehalle, einige Zeit vorher hat sie bereits die leeren Feldbahnloren aus dem Gleis gezogen.
Quellennachweis :
1., „Die Feldbahn“ Chronik Deutschland und Österreich, Band 4, von Andreas Christopher, Verlag: Zeunert Gifhorn,1995,
2., „Feldbahnen in Hessen“, von Andreas Christopher, Herausgeber: AG Drehscheibe e.V., Eslingen, 2002,
3., „Die Hersfelder Kreisbahn“, EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Reihe 33, Markus Schmidt & Michael Knauf, Verlag: Eisenbahn-Kurier Freiburg, 2001,
4., ehemaliges Werksarchiv „Ziegelwerk Schenklengsfeld“,
5., Privatarchiv Andreas Christopher, 2001,
6., Archiv „Dietrichsbergbahn Wölferbütt“ (DBB), G. Erbert, 2001,
7., Archiv Verfasser,
8., „Die Ziegelei Heimeroth & Walger“, von Markus Schmidt und Michael Knauf, Zeitschrift: „Modellbahn-Kurier“, 18,
9., „Die Eisenbahnen im Hersfelder Land“, Zeitschrift: Lok Report,1988,



