Gastbeitrag von Lea Hohmann
Wo früher selbst in heißen Sommern kühles Wasser aus dem Boden trat, bleiben heute mancherorts nur noch feuchte Mulden zurück. Quellen versiegen, Bäche führen wenig Wasser, Böden trocknen aus.
Während in vielen Teilen Europas Wälder brennen und Hitzerekorde neue Höchststände erreichen, werden die Folgen der Klimakrise auch in der Rhön immer sichtbarer.
Wasser prägt die Rhön seit jeher. Es speist Quellen, Bäche und Moore, versorgt Menschen, Tiere und Pflanzen und macht die einzigartige Landschaft des Biosphärenreservats überhaupt erst möglich.
Doch die natürlichen Wasserressourcen der Rhön werden durch den Klimawandel zunehmend beeinträchtigt. Bereits heute ist zu beobachten, dass einzelne Quellen in der Rhön zeitweise oder dauerhaft versiegen und Grundwasserstände sinken.
Höhere Temperaturen und längere Trockenperioden führen dazu, dass weniger Wasser im Boden gespeichert wird und sich die Grundwasservorräte nur noch eingeschränkt erneuern. Dadurch sind nicht nur die verfügbaren Wassermengen gefährdet, sondern langfristig auch die Wasserqualität.

Da Grundwasser auch in der Rhön eine wesentliche Grundlage der Trinkwasserversorgung bildet, können sinkende Grundwasserstände die Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser langfristig erschweren.
„Viele Menschen verbinden die Rhön mit klaren Bächen, saftigen Wiesen und intakten Wäldern. Doch diese Landschaft ist nicht selbstverständlich. Sie braucht Wasser – und Wasser wird zunehmend zu einer kostbaren Ressource“, erklärt Dr. Doris Pokorny, Leiterin der für das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön federführenden Bayerischen Verwaltungsstelle.
Besonders betroffen sind nicht nur die Menschen, sondern auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Quellen und Feuchtgebiete gehören zu den artenreichsten und empfindlichsten Lebensräumen der Rhön. Sie sind Rückzugsorte für hoch spezialisierte Arten, die auf dauerhaft kühle und wasserreiche Bedingungen angewiesen sind. Fallen diese Areale trocken, verschwinden oft ganze Lebensgemeinschaften mit ihnen.

Klimawandel zeigt sich vor unserer Haustür
Die Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön rufen dazu auf, bewusst mit Wasser umzugehen und die natürlichen Wasserspeicher der Landschaft zu schützen. Dazu gehören beispielsweise naturnahe Gärten und Grünanlagen, der Verzicht auf unnötige Flächenversiegelungen, das Pflanzen von kühlenden Schattenbäumen, das Bedecken von offenem Boden oder das Sammeln von Regenwasser.
Ebenso wichtig ist der Schutz von Mooren, Feuchtgebieten und naturnahen Gewässern und Bachauen. Sie wirken wie natürliche Schwämme, speichern Wasser in niederschlagsreichen Zeiten und geben es in Trockenphasen langsam wieder ab. Intakte Ökosysteme und Maßnahmen zum Wasserrückhalt in der freien Landschaft und auch im Wald sind damit ein wichtiger Teil der Lösung. Und sie wirken auch dann, wenn einmal wieder zu viel Regen auf einmal herunterkommt.
Dr. Doris Pokorny betont: „Jeder trockene Bachlauf, jede versiegte Quelle und jeder abgestorbene Baum erinnert uns daran, dass die Klimakrise auch vor unserer Haustür angekommen ist. Gleichzeitig zeigen viele Menschen in der Rhön jeden Tag, dass Veränderungen möglich sind durch bewussten Umgang mit dem kostbar gewordenen Nass.“

