Sternenhimmel statt Kunstlicht – Aktion „Licht aus, Sterne an“ am Wochenende

Die Rhön macht Nacht: Unter dem Motto „Licht aus - Sterne an!“ rufen die Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und die Rhön GmbH gemeinsam mit zahlreichen Kommunen in Bayern, Hessen und Thüringen am Wochenende um den 8. August dazu auf, für eine Nacht künstliches Licht abzuschalten.

Für unsere Rhöner Tierwelt und Lebensräume

Im Rahmen der Sternenpark-Wochen vom 1. bis 23. August 2026 findet am 8. August erneut die Aktion „Licht aus – Sterne an" statt. In vielen Ortschaften der Rhön werden in dieser Nacht, teilweise aber auch während des gesamten Wochenendes, die öffentliche Straßen- und Gebäudebeleuchtung teilweise oder vollständig abgeschaltet.

Für ein Wochenende kehrt zurück, was vor wenigen Jahrzehnten noch selbstverständlich war: ein echter Sternenhimmel über den Dächern! Es zeigen sich die Sommermilchstraße und auch schon Sternschnuppen des Perseiden-Stroms.

Wo der Sternenhimmel verschwindet, verschwindet auch die Nacht

Doch der Blick nach oben zeigt mehr als Schönheit – er zeigt ein Problem. Wer sich mit den Folgen der Lichtverschmutzung beschäftigt, weiß: Der Verlust des Sternenhimmels ist kein ästhetischer Verlust.

Er ist ein Indikator. Wo er verschwindet, verschwindet auch die Nacht als funktionierender Lebensraum – für Insekten, die keine dunklen Korridore mehr finden; für Vögel, die ihre Nachtruhe verlieren; für Bodenlebensgemeinschaften, die sich in ihrer Zusammensetzung verändern, für nachtaktive Säugetiere wie den Igel, der beleuchtete Flächen meiden muss, um nicht zur leichten Beute zu werden.

Das gilt innerorts wie außerorts. Denn jegliche Beleuchtung reflektiert und hellt den Nachthimmel zu einem gewissen Grad auf.

Bei Bewölkung verstärkt sich dieser Effekt erheblich: Das Licht streut zurück in Gärten, Wiesen und Gewässer, weit über die Ortschaften hinaus.

„Licht aus – Sterne an“ ist also auch „Natur an“ und ein erklärtes Ziel im UNESCO- Biosphärenreservat Rhön. Davon profitieren nicht nur Vögel, Igel, Eulen, deren Hauptnahrungsquelle Nachtfalter und viele andere schützenswerte Tiere, sondern auch die wichtigen Lebensräume der Rhön wie Streuobstwiesen, Gewässer und Wälder.

Eine Nacht, die zeigt, wie wenig es braucht

„In einer Zeit, in der die Nacht zunehmend durch künstliches Licht verdrängt wird, möchten wir länderübergreifend ein Zeichen setzen und die Schönheit des natürlichen Sternenhimmels und den Wert der Naturnacht feiern.

„Licht aus“ in unseren Orten bietet schon vor der Haustür die Möglichkeit, den bestirnten Himmel in voller Pracht zu genießen“, so Dr. Doris Pokorny, die die drei Verwaltungsstellen in Bayern, Hessen und Thüringen federführend vertritt.

„Je nach technischer Möglichkeit wird die öffentliche Beleuchtung zu den Aktionstagen in den Gemeinden unterschiedlich abgeschaltet und ist auch immer mit etwas Aufwand verbunden.

Umso mehr danken wir allen Kommunen, die mitmachen. Gleichzeitig sollten wir uns in Zeiten der Erderhitzung, die uns und unsere Artenvielfalt gleichermaßen betrifft, daran denken, dass jede eingesparte Kilowattstunde eine gute und wichtige ist.“

Vom Zeichen zur Gewohnheit – von Tann bis an die französische Atlantikküste

Seit nunmehr 12 Jahren ist die Rhön Sternenpark und hat sich deutschlandweit einen Namen gemacht. Nicht nur im Tourismus sondern auch als Vorbild anderer Großschutzgebiete.

Nächtliches Kunstlicht im Freien ist bereits seit 1993 als schädliche Umwelteinwirkung mit Grenzwerten für Anwohner erfasst, und man kennt die negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.

Einen ganz besonderen dauerhaften Beitrag zur Biodiversität leisten daher die Rhöner Kommunen wie Tann, Ebersburg, Schondra, Nüdlingen, Salz oder Gersfeld, die teils schon viele Jahre ganzjährig zur späten Uhrzeit die öffentliche Beleuchtung vollständig oder partiell abschalten.

Damit folgt die Rhön Beispielen vielen anderen Städten und Gemeinden in Deutschland und in Frankreich, wo die partielle Nachtabschaltung seit Jahren befördert wird.

Sternenparkwochen vom 1. bis 23. August 2026

Spannende Veranstaltungen, Umweltbildung rund um Igel, Eule, Fledermaus und Arrangements rund um Sonne, Mond und Sterne laden ein, die Besonderheiten des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön bei Tag und Nacht zu entdecken.

Mit besonderen kulinarischen Angeboten, himmlischen Aktivitäten und Übernachtungsmöglichkeiten unter dem Sternenhimmel kannst du das Himmelszelt auf vielfältige Weise erleben. Weitere Infos unter www.rhoen.info/sternenparkwochen

Teilnehmende Kommunen

An der Aktion „Licht aus!“ beteiligen sich in diesem Jahr:

Bayern:

Stadt Bad Neustadt a.d. Saale (Silhouettenbeleuchtung in der Innenstadt)
Gemeinde Bastheim*
Markt Euerdorf mit OT Wirmsthal
Gemeinde Fuchsstadt
Stadt Fladungen
Stadt Hammelburg (Beleuchtung der öffentlichen Gebäude)
Gemeinde Hausen
Gemeinde Hohenroth*
Gemeinde Nordheim v.d. Rhön
Markt Oberelsbach* mit OT Oberelsbach, Unterelsbach, Weisbach und Sondernau
Gemeinde Unsleben
Markt Wildflecken* mit OT Wildflecken, Oberbach und Oberwildflecken
Gemeinde Wollbach

reguläre Nachtabschaltungen in Nüdlingen, Salz und Schondra

Hessen:

Gemeinde Eichenzell (Eichenzeller Schlösschen)
Gemeinde Ehrenberg*
Stadt Fulda* (an folgenden Gebäuden: Orangerie, Frauenberg, Dom St. Salvator, Stadtpfarrkirche, Schlosskrone)
Gemeinde Petersberg (Beleuchtung Rathaus und Liobakirche)

reguläre Nachtabschaltungen in Ebersburg, Gersfeld und Tann

Thüringen:

Gemeinde Buttlar und Ortsteile
Gemeinde Empfertshausen
Gemeinde Frankenheim/Rhön
Stadt Geisa und Ortsteile
Stadt Kaltennordheim Ortsteil Kaltenwestheim
Gemeinde Oechsen
Gemeinde Schleid und Ortsteile
Gemeinde Unterbreizbach mit den Ortsteilen Räsa, Pferdsdorf und Sünna
Stadt Vacha mit den Ortsteilen Völkershausen, Willmanns, Mariengart, Masbach, Wölferbütt
Gemeinde Wiesenthal

*schalten am gesamten Wochenende vom 7. bis 10. August ab

Ein Zeichen gegen Lichtverschmutzung setzen – auch zuhause!

Nicht nur Städte und Gemeinden können zur Dunkelheit beitragen – auch zu Hause lässt sich der Sternenhimmel schützen. Schon mit wenigen einfachen Maßnahmen kannst du dafür sorgen, dass die Nacht wieder zur Nacht wird – für dich, für Tiere und fürs Klima:

  • Licht nur dann, wenn’s wirklich nötig ist – mit gut eingestellten Bewegungsmeldern oder besser noch Zeitschaltuhren
  • Warmweiß statt grellweiß – unter 2700 Kelvin ist besser für Mensch und Natur
  • 100 bis max. 300 Lumen reichen in der Regel aus, ohne zu blenden
  • Licht nach unten lenken – nicht in den Himmel, nicht zum Nachbarn
  • Dauerbeleuchtung? Muss nicht sein! – Gärten und Einfahrten kommen auch mal ohne aus

Mach mit und hilf mit kleinen Taten, den natürlichen Nachthimmel zu bewahren – damit Sterne wieder sichtbar werden und die Nacht ein Ort der Ruhe bleibt.