Gastbeitrag von Anja Nimmich
Im Rahmen der diesjährigen Sternenparkwochen fanden in Geisa zwei Veranstaltungen statt, die Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise miteinander verbanden.
Bei der „Nachtwächterführung unter dem Sternenhimmel“ sowie bei der „Blauen Stunde auf dem Kirchturm“ konnten die Teilnehmer Geisa aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erleben.
Stadtrundgang mit dem Nachwächter
Bei der „Nachtwächterführung unter dem Sternenhimmel“ konnten die interessierten Gäste Geisa einmal bei einbrechender Dunkelheit erkunden.
Gästeführer und Nachtwächter Hubert Kritsch nahm mit seiner ganz persönlichen und unterhaltsamen Art diese mit auf eine rund zweieinhalbstündige Reise durch die Gassen der denkmalgeschützten Altstadt.
Gleich zu Beginn gab Hubert Kritsch einen Einblick in die bewegte Geschichte der Stadt. Auch die beiden großen Stadtbrände, die Geisa in früheren Jahrhunderten schwer getroffen hatten, gehörten dabei zu den Geschichten, die er unterhaltsam erzählte.
Auch der Gangolfiberg war Zwischenstopp des nächtlichen Rundgangs. Besonders beeindruckend war dort das Zentgericht, eine mittelalterliche Gerichtsstätte, die bereits ab dem 11. Jahrhundert genutzt wurde.
Die systematisch angeordneten Steinquader sind bis heute erhalten und vermitteln einen Eindruck davon, wie an diesem Ort einst Recht gesprochen wurde.
Unter Leitung des vom Landesherrn eingesetzten Zentgrafen wurden hier Verhandlungen geführt, bei denen auch schwere Vergehen behandelt wurden.
Nicht weit davon entfernt erinnert ein Denkmal an den berühmten Geisaer Universalgelehrten Athanasius Kircher, der im 17. Jahrhundert in Rom wirkte und unter anderem auf den Gebieten der Naturwissenschaften, Mathematik, Musik und Sprachwissenschaften tätig war.
Der Rundgang führte außerdem über den Geisaer Friedhof zur St.-Gangolf-Kapelle. Die Kapelle ist bereits seit 1461 urkundlich nachweisbar und gehört zu den besonderen historischen Bauwerken der Stadt.
Bemerkenswert sind unter anderem die spätgotischen Fenster, die zahlreichen historischen Grabsteine sowie die balkonartige Außenkanzel an der Nordseite.
Die Gäste erfuhren von Hubert Kritsch, dass auch die Friedhofsmauer selbst historische Spuren hat, darunter ein Sandstein mit dem Wappen des Fuldaer Fürstabtes Balthasar von Dernbach aus dem Jahr 1570 und ein noch älteres Fragment mit der Jahreszahl 1411.
Zum Abschluss führte der Rundgang entlang der historischen Stadtmauer, die noch heute an vielen Stellen das mittelalterliche Geisa erlebbar macht.
Zwischen alten Mauern und schmalen Gassen konnten die Teilnehmer den Abend in besonderer Atmosphäre ausklingen lassen und Geisa einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben, unter dem nächtlichen Sternenhimmel.
Abendhimmel über Geisa und Geschichten rund um das Carillon
Ein ganz anderes, ebenso stimmungsvolles Erlebnis erwartete die Teilnehmer bei der Veranstaltung „Die blaue Stunde auf dem Kirchturm“.
Die Besucher nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit Gästeführerin Astrid Weimann-Heim den Kirchturm der Stadtpfarrkirche zu besteigen und Geisa einmal aus luftiger Höhe zu erleben. Bereits der Aufstieg bot besondere Einblicke in die Geschichte des Bauwerks und des Glockenspiels.
Im Turm der Stadtpfarrkirche befindet sich seit 2003 das Geisaer Carillon mit 49 Bronzeglocken. Oben angekommen, wurden die Teilnehmer mit einem herrlichen Blick über Geisa und das Ulstertal belohnt.
„Der Abend hätte für die Veranstaltung kaum passender sein können“, freute sich Astrid Weimann-Heim. Der Himmel zeigte ein beeindruckendes Farbenspiel und tauchte die Stadt und die umliegende Landschaft in eine besondere Abendstimmung.
Neben dem beeindruckenden Ausblick stand natürlich das Carillon selbst im Mittelpunkt. Die Gästeführerin erzählte Wissenswertes über die Entstehung und Geschichte des Glockenspiels und erklärte den Teilnehmern, wie das besondere Instrument funktioniert.
Dabei blieb es nicht nur bei interessanten Informationen: Mit dem bekannten Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“, fand der besondere Abend einen stimmungsvollen Abschluss.
Interessierte, die die Geschichte von Geisa näher kennenlernen wollen, können dies auch außerhalb der Sternenparkwochen mit einer Stadtführung machen.
Über das Tourismusbüro der Stadt Geisa, Telefon 036967 69-115 oder E-Mail tourismus@geisa.de können verschiedene Führungen und individuelle Angebote für Gruppen vermittelt werden.







