Kreistreffen in Borsch: Landfrauen im Wartburgkreis verbinden Tradition & Zukunft

Gastbeitrag von Andrea Dominik

Landfrauen aus allen Teilen des Wartburgkreises sind am Donnerstag zu ihrem traditionellen Kreistreffen im Borscher Hof zusammengekommen.

Der Saal des noch jungen Dorfgemeinschaftshauses war gut gefüllt. Nach dem Treffen im vergangenen Jahr in Craula im Norden des Wartburgkreises führte der Weg diesmal an das andere Ende des Landkreises in die Rhön.

Ehrenamt stärkt den Zusammenhalt

Landrat Dr. Michael Brodführer eröffnete das Kreistreffen und würdigte das langjährige ehrenamtliche Engagement der Landfrauen.

Die Teilnahme an den jährlichen Kreistreffen sei ihm ein besonderes Anliegen, um mit den Frauen ins Gespräch zu kommen, aktuelle Themen aufzugreifen und ihnen für ihren Einsatz in den Städten und Gemeinden persönlich zu danken.

„Wir können gerade auch dank der Landfrauen im Wartburgkreis auf einen großen Zusammenhalt zählen. Vielen Dank dafür“, betonte Brodführer. Zugleich richtete er den Blick auf die Herausforderungen der kommenden Jahre.

Der demografische Wandel werde den Wartburgkreis verändern. Eine älter werdende Bevölkerung und zunehmende Leerstände in den Ortskernen erforderten neue Ideen – zugleich eröffneten sie Möglichkeiten, Bestehendes neu zu denken.

Als Beispiel verwies der Landrat auf das neue Projekt „Neues Leben für alte Häuser“. Gemeinsam mit den LeerGut-Agenten sollen leerstehende Gebäude neuen Nutzungen zugeführt, Ortskerne belebt und im besten Fall Immobilien für das Gemeinwohl erhalten werden.

Dass dies gelingen kann, zeigt der Borscher Hof als idealer Veranstaltungsort des Kreistreffens: Aus einem historischen Gebäude und einem modernen Neubau ist ein neuer Mittelpunkt für das gesellschaftliche Leben im Ort entstanden.

Der Borscher Hof verbindet ein denkmalgeschütztes, saniertes Fachwerkgebäude mit einem modernen multifunktionalen Anbau und steht damit sinnbildlich für einen Gedanken, der auch die Arbeit der Landfrauen prägt – Traditionen bewahren, Gemeinschaft stärken und zugleich offen für neue Entwicklungen sein.

Das Vereinshaus wurde im Dezember 2025 eingeweiht und bietet heute Vereinen, Kindern, Jugendlichen und Senioren neue Räume für Begegnung und gemeinschaftliches Engagement.

Auch das neue Programm AGATHE – Älter werden in der Gemeinschaft sprach der Landrat an. Das kostenfreie Beratungsangebot des Wartburgkreises richtet sich an ältere Menschen und soll soziale Teilhabe fördern, Kontakte vermitteln und Einsamkeit vorbeugen.

Gerade hier sieht Brodführer Anknüpfungspunkte zur Arbeit der Landfrauen, die mit ihren Vereinen, Veranstaltungen und persönlichen Netzwerken vielerorts bereits wichtige Orte der Begegnung schaffen. Der Übergang in den Ruhestand müsse nicht bedeuten, gesellschaftliche Kontakte oder Aufgaben zu verlieren.

In Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen brauche es zudem wieder mehr Zuversicht und einen respektvollen Umgang miteinander. Diese Werte würden von den Landfrauen in besonderer Weise gelebt, so Brodführer. „Ich wünsche mir für Sie, dass Sie aktiv bleiben, für die Gemeinschaft weiterhin da sind und vielleicht auch neue Mitglieder gewinnen.“

Manuela Henkel, Bürgermeisterin der Stadt Geisa, würdigte ebenfalls die Arbeit der Landfrauen: „Es ist wichtig, dass wir die Mitmenschlichkeit nicht aus den Augen verlieren und dafür seid Ihr ganz wichtig. Wir halten zusammen, denn der ländliche Raum ist die Zukunft.“

Dank für langjähriges Engagement

Die Landesvorsitzende des Thüringer LandFrauenverbandes, Susann Goldhammer, war eigens aus Nordhausen zum Kreistreffen angereist. Auch sie würdigte das Engagement der Frauen und dankte ihnen für ihren ehrenamtlichen Einsatz „für den ländlichen Raum, für unsere Heimat, unsere Kinder und uns selbst.“

Regina Tittmar nutzte das Kreistreffen, um auf eine bevorstehende Veränderung hinzuweisen. Nach 15 Jahren Tätigkeit im Vorstand und zehn Jahren als Kreisbeauftragte der Landfrauen wird sie aus dem Vorstand ausscheiden.

Sie dankte den Landfrauen für die langjährige Zusammenarbeit und ihren wertvollen Einsatz für die Region. Zugleich warb sie dafür, Verantwortung zu übernehmen und sich bei der anstehenden Vorstandswahl zur Wahl zu stellen.

Es sei wichtig, dass der Wartburgkreis auch künftig im Vorstand des Thüringer LandFrauenverbandes vertreten sei und die Interessen der Landfrauen aus der Region dort eine Stimme haben.

Eine besondere Würdigung galt an diesem Nachmittag auch den Gastgeberinnen des Landfrauenvereins e. V. Ortsverein Borsch. Stellvertretend dankte Landrat Dr. Michael Brodführer der Vorsitzenden Margarete Nennstiel für ihren Einsatz und die Vorbereitung des Kreistreffens.

Die Borscher Landfrauen sorgten nicht nur für einen passenden Rahmen und eine herzliche Atmosphäre, sondern auch für ein üppiges Kuchenbuffet – ganz in der Tradition der Landfrauen, die mit ihrer Gastfreundschaft bei Veranstaltungen im gesamten Wartburgkreis geschätzt werden.

Bei guten Gesprächen und viel Gelegenheit zum persönlichen Austausch bot das Kreistreffen erneut Raum für Begegnung und Vernetzung der Landfrauen aus dem gesamten Kreisgebiet.

Tradition bewahren und neue Aufgaben annehmen

Der Thüringer LandFrauenverband hat in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen gefeiert. Er wurde 1991 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder.

Im Wartburgkreis engagieren sich Landfrauen bereits seit Mitte der 1990er-Jahre und haben sich seither mit zahlreichen Veranstaltungen und Projekten in das gesellschaftliche Leben der Region eingebracht.

Dazu zählt unter anderem der Erntekronenwettbewerb, der Tradition, handwerkliches Können und regionale Verbundenheit sichtbar macht.

Die Arbeit der Landfrauen reicht jedoch weit über die Bewahrung von Brauchtum hinaus. Sie setzen sich für Frauen und Familien im ländlichen Raum ein, organisieren Bildungs- und Weiterbildungsangebote, vermitteln Alltagskompetenzen und engagieren sich in der Ernährungs- und Verbraucherbildung.

Hinzu kommen generationenübergreifende Projekte, Veranstaltungen und vielfältige Aktivitäten in den Städten und Dörfern des Wartburgkreises.

Damit tragen die Landfrauen wesentlich dazu bei, regionale Identität zu bewahren, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und den Zusammenhalt vor Ort zu stärken.

Zugleich entwickeln sie ihre Arbeit kontinuierlich weiter und greifen neue Herausforderungen auf – vom demografischen Wandel und der Gewinnung neuer Mitglieder bis hin zu Digitalisierung und veränderten Lebensbedingungen im ländlichen Raum.

Gerade diese Verbindung von Tradition und Moderne macht ihre Arbeit zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im Wartburgkreis.