Denkmal der Bildung: Vachaer Gymnasium öffnete die Pforten zum Tag des offenen Denkmals

Beitrag von Martin Veltum

Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals verwandelte sich das Johann-Gottfried-Seume-Gymnasium am Sonntag in einen lebendigen Geschichtsort.

Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, das historische Schulgebäude zu besichtigen und sich von der engagierten Schulgemeinschaft durch die Jahrzehnte führen zu lassen.

Der Heimat- und Geschichtsverein Vacha hatte das Programm unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ organisiert.

Der 2. Vorsitzende Michael Höhn koordiniert gemeinsam mit den 21 weiteren Mitgliedern die Veranstaltung seit Jahren mit großem persönlichem Einsatz und sieht das Gymnasium als zentralen Ankerpunkt der regionalen Erinnerungskultur.

„Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen den Weg zu uns finden, um die Geschichte dieses Hauses zu erleben“, sagte er im Gespräch mit dem Rhönkanal.

Oberstufenleiter Marko Braungarten, der seit 1999 am Gymnasium die Fächer Deutsch, Englisch und Latein unterrichtet, zeigte sich erfreut über das Engagement der Schulgemeinschaft und das Interesse der Gäste an dem Gymnasium der Heimat.

Gemeinsam mit der Schulleitung, seinem Kollegium und den Schülerinnen und Schülern hatte er ein anspruchsvolles und informatives Programm auf die Beine gestellt. Mit einem vielseitigen und kulinarischen Kuchen und Häppchenbuffet wurden die Gästen verwöhnt.

Blick über die Dächer der Stadt

Ein Höhepunkt war die Führung durch Schulleiterin Beate Dittmar. Die Pädagogin, die seit 1991 in Vacha unterrichtet, seit 2014 als Stellvertreterin der Schulleiterin wirkte und seit 2022 die Gesamtverantwortung trägt, präsentierte den Turm der alten Schuluhr.

Von dort oben eröffnete sich den Gästen ein beeindruckender Panoramablick, der weit in die Rhön reichte. Auch die neu installierte Sirene auf dem Turm des Gymnasiums wurde in Augenschein genommen.

Die Uhr selbst ist ein Sinnbild für die Verlässlichkeit des Hauses: Hausmeister Matthias Schran zieht sie wöchentlich fachgerecht auf.

Sollte er einmal verhindert sein, greift die Schulleiterin selbst zur Kurbel – eine Schulleiterin der Taten, die im Winter auch schon einmal selbst zum Schneeschieber greift.

„Unsere Schule trägt den Geist einer langen Bildungstradition. Es ist eine schöne Aufgabe, diesen Geist gemeinsam mit dem Kollegium und unseren Schülerinnen und Schülern in die Zukunft zu tragen“, betonte Beate Dittmar im Rhönkanal-Gespräch.

Die studierte Deutsch- und Englischlehrerin, die 1984 an der damaligen POS Geismar ihre Laufbahn begann, versteht ihren Beruf als wahre Berufung.

Sie fördert und fordert – und legt zuerst an sich selbst einen hohen Anspruch, um die jungen Menschen auf das Leben, den Beruf und die Zukunft vorzubereiten.

Ein Grundstein und seine Geschichte

Ein besonderer Moment war die Präsentation des historischen Grundsteins. Die ehemalige Schulleiterin Angelika Poppitz, die selbst 1969 in Vacha ihr Abitur ablegte und von 2001 bis 2011 die Geschicke der Schule leitete, war zugegen und präsentierte gemeinsam mit der amtierenden Schulleiterin die bewegte Geschichte des Hauses.

Bereits 1928 wurde das Gebäude als „Schule der höheren Bildung“ eingeweiht. Nach der Wiedergründung im Jahr 1991 entwickelte sich das Gymnasium zu einer wichtigen Bildungseinrichtung der Region, die heute Schülerinnen und Schüler aus 57 verschiedenen Orten betreut.

Ehrengast des Tages war Bürgermeister Martin Müller (CDU). Er selbst besuchte einst die Heimatschule und betonte wertschätzend: „Schön, dass unsere Schule die Pforten geöffnet hat. Ein Dank an die Lehrer, die Schüler und das große Engagement aller Beteiligten. Hier wurde der Grundstein für meinen eigenen Lebensweg gelegt.“

Schüler führen durch die Geschichte

Stellvertretend für die engagierte Schülerschaft führten die zukünftigen Abiturienten Niklas Körber und Susy Zeitzschel mit hoher Fachkompetenz die Gäste durch das historische Schulhaus.

„Diese Schule ist für mich ein ganz besonderer Ort, praktisch für kulturelle Veranstaltungen und kulturell ausgerichtet. Für die Vorbereitung auf meinen Berufswunsch ist sie die ideale Basis. Ich möchte Pädagoge im Lehrerberuf werden und sprachliche sowie gesellschaftliche Fächer unterrichten“, sagte Niklas Körber.

Dass die historische Schule Generationen prägt und verbindet, zeigte auch der Besuch der Familie Footh mit Karl Bennet aus dem Geisaer Amt.

Der jüngste Teilnehmer, Karl Bennet, war mit seiner Familie gekommen. Mama Luisa und Patentante Theresa waren einst selbst Schülerinnen des Gymnasiums und unterrichten nun selbst als Lehrerinnen in Geisa und Dermbach.

Ein schöneres Zeugnis für die nachhaltige Wirkung dieser Bildungseinrichtung kann es kaum geben.

Moderne Ausstattung und lebendiges Schulleben

Neben der historischen Bausubstanz präsentierte sich das Gymnasium auch von seiner modernen Seite. Eine technisch, multimediale und zukunftsorientierte Ausstattung ermöglicht zeitgemäßen Unterricht.

Der Kunstraum mit der Nummer 40 bietet einen der schönsten Ausblicke auf die Heimat. Eine moderne Sporthalle sowie eine vollwertige Mittagsversorgung durch die Firma Schmähling - Catering mit vier Auswahlmenüs runden das Angebot ab.

Die alte und die neue Turnhalle werden vielfältig genutzt – von Vereinen, dem Kindergarten, der Grundschule und dem Gymnasium selbst.

Der nächste kulturelle Höhepunkt wirft bereits seine Schatten voraus: Am 5. November ist das englische „White Horse Theatre“ zu Gast im Gymnasium.

Mit einem Dank an alle Beteiligten zog Bürgermeister Martin Müller (CDU) ein positives Fazit.

Der Heimat- und Geschichtsverein hat gemeinsam mit der Schulfamilie wieder einmal bewiesen, dass das Johann-Gottfried-Seume-Gymnasium weit mehr ist als ein Ort des Lernens – es ist ein lebendiges Denkmal, das die Menschen in Vacha und der Region verbindet.

Schulleiterin Beate Dittmar fasste den Tag mit einem persönlichen Schlusswort zusammen: „Ich bin zutiefst dankbar für das große Engagement meines Kollegiums, unserer Schülerinnen und Schüler und all derer, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Unser Gymnasium ist kein Museum – es ist ein lebendiger Ort, an dem Geschichte atmet und Zukunft wächst. Wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut hier gelehrt und gelernt wird, dann weiß ich: Dieses Denkmal ist nicht nur aus Stein, es ist aus Gemeinschaft gebaut.

Und genau diese Gemeinschaft ist es, die unsere Schule seit fast hundert Jahren so besonders macht.“