Bewirtschaftung mit Herbstzeitlosen: Fachseminar in Kaltennordheim war gut besucht

Gastbeitrag von Christiane Gürtler

Am vergangenen Donnerstag trafen sich Behörden, Verbände sowie Landwirtinnen und Landwirte, um Möglichkeiten zur Bekämpfung der hochgiftigen Herbstzeitlosen zu erörtern.

Die heimische Pflanze tritt vermehrt in der Thüringer Rhön auf und stellt eine zunehmende Herausforderung bei der Bewirtschaftung des heimischen Grünlands dar.

Dürreperioden wie im Sommer 2026 oder Starkregenereignisse verändern die Pflanzenzusammensetzung des Thüringer Rhön-Grünlands. Besonders auf extensiv genutzten Mäh- oder Weidegrünland kann es zu einer ernstzunehmenden Ausbreitung von Herbstzeitlosen kommen.

Für Landwirtinnen und Landwirte bedeutet dies eine Einschränkung der bisherigen Nutzungsweise, da die Gefahr einer Futterverunreinigung bei der Beweidung und Heuernte entsteht. Denn das enthaltene Gift Colchizin zählt zu den hochtoxischen Substanzen und befindet sich in allen Pflanzenteilen.

Auch durch gängige Konservierungsmethoden lässt sich die Giftigkeit nicht reduzieren. Hat sich die an einen Krokos erinnernde Herbstzeitlose erst einmal auf Grünlandflächen verbreitet und ein Ausstechen bzw. eine sorgfältige Auslese per Hand erweist sich als zu aufwändig, ist eine Bekämpfung mehrstufig und äußerst langwierig.

Die Pflanze in ihrer Biologie und im Jahreszyklus verstehen

Das von der Thüringer Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön mit dem Landschaftspflegeverband Thüringer Rhön e. V. veranstaltete Fachseminar stieß bei den rund 50 Teilnehmenden auf sehr großes Interesse.

Referentin Dr. Baumgärtel vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum gab zunächst Einblicke zur Biologie und zum Lebenszyklus der Herbstzeitlosen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der (Weide-)Tiere wie Rinder, Mutterkühe, Schafe, Ziegen und Pferde.

Mit Herbstzeitlosen verunreinigtes Futter kann zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tode führen, so Dr. Baumgärtel.

Ebenso ordnete sie förderrechtliche und naturschutzrechtliche Aspekte zur Bekämpfung ein wie auch die Vermarktung hinsichtlich Futter- und Tierschutzrecht. Denn mit Herbstzeitlosen verseuchtes Futter darf nicht in den Handel gegeben werden.

„Bewährte“ Handlungsstrategien zur Bewirtschaftung von Grünland in der Rhön

Im darauffolgenden Fachvortrag von Julian Megner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt a. d. Saale wurden „bewährte“ Maßnahmen zur Bekämpfung der Herbstzeitlose aufgezeigt.

So gibt es Studien aus Baden-Württemberg, die als Managementansätze vor Ort zu Rate gezogen wurden.

Seit mehr als drei Jahren werden zudem verschiedenste Versuche zu Mahdzeitpunkten, Mahdtechniken und Düngemethoden mit Graseinsaaten in der bayerischen Rhön durchgeführt – mit unterschiedlichem Ergebnis: Der Pflanzenbauberater ordnete ein, dass es keine „beste“ Bekämpfungsmethode gäbe.

Wichtig sei zunächst, die befallenen Stellen frühzeitig zu erkennen und bei geringem Befall durch Ausstechen zu entfernen sowie jederzeit eine gute Grünlandpflege durchzuführen.

Je nach Schutzgebietsauflagen wären das Düngung, Kalkung und Nachsaat, um der Herbstzeitlosensamen wenig Potenzial zum Auskeimen zu geben. Ein früher Heuschnitt ab April auf nicht durch KULAP geförderten Flächen sei ebenfalls empfehlenswert und könnte die Herbstzeitlosen reduzieren.

Zu diesem Zeitpunkt seien die Blätter und der Fruchtstand der Herbstzeitlosen schon sichtbar, aber auch nicht fertig ausgereift, der Grasaufwuchs noch nicht so hoch. Die Samenkapseln könnten so abgemäht und nicht weiterverbreitet werden.

Dieser erste Schnitt sollte nicht zu tief gesetzt werden, um für potenzielle Hitzesommer noch genügend Grasvegetation zum weiteren Aufwuchs zu ermöglichen.

In jedem Fall sei dieser erste Heuschnitt aber abzuräumen und auf Grund der Giftigkeit nicht zu verfüttern. Der zweite Heuschnitt könne danach landwirtschaftlich genutzt werden oder es könnte eine Beweidung erfolgen.

Zukünftige technische Möglichkeiten – derzeit in Erprobung

Ebenso waren neueste technische Gerätschaften Teil der Diskussion. Versuchsmaschinen mit KI-gestützter Software und Wassertanks sollen die Herbstzeitlosen erkennen und könnten so gezielt einzelne Herbstzeitlosenpflanzen mit einem Hochdruckwasserstrahl zerstören.

Jedoch befinden sich diese Maschinen noch in Testung und haben einen nicht unmerklichen Kostenpunkt.

So entstand eine lebendige Fachdiskussion, welche auf der Exkursion zu einer Grünlandfläche mit Herbstzeitlosen des Biohofs Weiders weitergeführt wurde, auf deren Wiesen und Weiden das Ausmaß der Vermehrung der Herbstzeitlosen eindrücklich sichtbar war.

Informationen werden online gestellt

Sophie Walch von der Thüringer Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und dort zuständig für die umweltgerechte Landnutzung bedankte sich bei den Referenten und resümierte am Ende der Veranstaltung, dass die Bekämpfung notwendig aber ein langwieriger Prozess sei und ein gutes Zusammenarbeiten zwischen den Vertretungen der Landwirtschaft, den Behörden und Verbänden voraussetze.

Denn ohne naturschutzfachliche Ausnahmeregelungen für die umweltgerechte Bekämpfung würde das Problem der Ausbreitung der Herbstzeitlose ebenso wie die schonende Bewirtschaftung für den Erhalt der heimischen Biodiversität und das Tierwohl der Weidetiere nicht funktionieren.

Sie gab an, dass die Ergebnisse auf der Homepage des Biosphärenreservats Rhön unter www.biosphaerenreservat-rhoen.de zeitnah aufbereitet und zugänglich gemacht werden.

Ebenso verwies sie auf ein weiteres Seminar für Landwirtinnen und Landwirte zum Thema „Quellenschutz und Tränkenbau im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön in Zeiten des Klimawandels“, welches am 23. Oktober in der Propstei Zella/Rhön stattfinden wird.