Gastbeitrag von Andrea Dominik
Leerstehende Häuser wieder mit Leben füllen, neue Nutzungsideen entwickeln und engagierte Menschen auf dem Weg von der ersten Idee zum tragfähigen Projekt unterstützen: Unter dem Titel „Neues Leben in leeren Häusern“ startet im Wartburgkreis ein Modellprojekt zur Aktivierung von Leerständen.
Gemeinsam mit den LeerGut-Agentinnen und -Agenten e. V. sowie der Sparkassenstiftung der Wartburg-Region und der Stiftung LandCampus werden erstmals sogenannte LeerGut-Scheine im Landkreis vergeben.
Der offizielle Startschuss fiel am Freitag, 11. September 2026, im Alten Postamt in Ruhla. Der Ort ist dabei bewusst gewählt: In der ehemaligen Post wird derzeit durch einen privaten Investor selbst neues Leben in ein lange ungenutztes Gebäude gebracht.
Das Objekt selbst ist jedoch nicht Bestandteil des Förderprogramms, sondern steht beispielhaft dafür, welches Potenzial in leerstehenden Immobilien stecken kann.
„Leerstand ist für uns nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Chance. Viele alte Häuser gehören seit Generationen zu unseren Dörfern und Städten und prägen deren Gesicht. Entscheidend ist, Menschen zu finden, die Ideen für diese Gebäude haben und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Landrat Dr. Michael Brodführer.
„Mit dem Modellprojekt wollen wir genau diesen Menschen den Einstieg erleichtern und ihnen Fachwissen und ein starkes Netzwerk an die Seite stellen.“
Zwölf Projekte können professionelle Begleitung erhalten
Bis zu zwölf Initiativen und Projektideen aus dem Wartburgkreis sollen in der ersten Runde einen LeerGut-Schein erhalten. Dieser finanziert vor allem professionelle Beratungsleistungen durch Begleitung aus dem Netzwerk der LeerGut-Agenten.
Die Finanzierung übernimmt die Sparkassenstiftung der Wartburg-Region. Der Wartburgkreis und die Stiftung LandCampus begleiten das Vorhaben als Netzwerkpartner.
„Gute Ideen sollten nicht in der Schublade verschwinden, sondern eine Chance bekommen, Wirklichkeit zu werden. Genau darum geht es für mich beim LeerGut: Dinge ins Leben zu bringen und zu zeigen, was entstehen kann, wenn man einfach anfängt“, unterstrich Tino Richter, Vorstandsvorsitzender der Wartburg-Sparkasse.
Die Beratung setzt bewusst früh an, bevor konkrete Planungen und größere Investitionen beginnen. Gemeinsam kann beispielsweise geklärt werden, welche Nutzung zu einem Gebäude passt, wie sich eine Projektidee organisatorisch und finanziell aufstellen lässt, welche Fördermöglichkeiten bestehen oder welche Partner dafür benötigt werden.
Genau auf diese frühe Projektentwicklung haben sich die LeerGut-Agenten spezialisiert. Sie bringen Erfahrungen aus zahlreichen Projekten im Freistaat ein und vernetzen Projektinitiatoren mit Fachleuten, Kommunen, Eigentümern und weiteren Unterstützern.
Bewerbungen bis 30. Oktober möglich
Mit dem Start des Modellprojektes beginnt zugleich die erste Bewerbungsphase. Bis zum 30. Oktober 2026 können Projektideen – im besten Fall ausgerichtet für das Gemeinwohl vor Ort – eingereicht werden.
Bewerben können sich Menschen, Initiativen und Zusammenschlüsse, die einen Leerstand im Wartburgkreis wieder nutzen oder eine entsprechende Idee weiterentwickeln möchten. Auch kleine Gruppen mit mindestens zwei Beteiligten können sich bewerben.
Dabei muss noch nicht jedes Detail feststehen. Gerade Projekte, die sich noch am Anfang befinden und Unterstützung bei den nächsten Schritten benötigen, sollen von den LeerGut-Scheinen profitieren.
Nach Abschluss der Bewerbungsfrist werden die eingegangenen Vorhaben geprüft. Anschließend entscheidet eine Jury über die Vergabe der LeerGut-Scheine.
Bis Anfang Dezember sollen die ausgewählten Projekte mit passenden Beraterinnen und Beratern zusammengebracht werden. Die erste Beratungsrunde ist für Januar und Februar 2027 vorgesehen.
Auch diejenigen, die zunächst keinen LeerGut-Schein erhalten, sollen Teil des entstehenden Netzwerkes bleiben und zu gemeinsamen Austauschformaten eingeladen werden.
Das Bewerbungsformular sowie weitere Informationen zum Modellprojekt werden auf der Internetseite des Wartburgkreises unter www.wartburgkreis.de/wirtschaft-zukunft/leergut-schein veröffentlicht.
Für Rückfragen stehen die LeerGut-Agentinnen und -Agenten e. V. sowie das Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung des Wartburgkreises zur Verfügung.
Kontakt Wartburgkreis:
Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung, Madeleine Rein
E-Mail: kreisplanung@wartburgkreis.de
Kontakt LeerGut-Agenten & -Agentinnen e.V.:
Robert Anton
E-Mail: leergutschein@leergut-agenten.de
Leerstand als Ressource verstehen
Hinter dem Begriff „LeerGut“ steckt bewusst ein Perspektivwechsel. Die LeerGut-Agenten verstehen leerstehende Gebäude nicht grundsätzlich als Problemimmobilien, sondern zunächst als vorhandene Ressource, für die neue Perspektiven entwickelt werden können.
Ihr Netzwerk entstand 2018 aus Fachleuten unter anderem aus Architektur, Stadtplanung, Beratung, Kultur und Denkmalpflege sowie bereits erfahrenen Projektinitiativen.
Auch der Wartburgkreis beschäftigt sich nicht zuletzt durch den demografischen Wandel verstärkt mit der Frage, wie leerstehende Gebäude wieder genutzt werden können.
Gerade ältere Häuser, ehemalige Gaststätten, Gewerbeimmobilien oder Hofanlagen prägen vielerorts die Ortskerne. Gleichzeitig können sie Raum für Wohnen, Arbeiten, Kultur, Begegnung oder neue Angebote schaffen.




