Agroforst – Mit Bäumen die Landwirtschaft ertragssicher & widerstandsfähig machen

Mit Agroforstsystemen – der systematischen Pflanzung von Bäumen und Sträuchern auf Äckern und Viehweiden – können sich landwirtschaftliche Betriebe an veränderte klimatische Bedingungen und Extremwetterereignisse anpassen – und viel für die Biodiversität tun.

Der Freistaat Bayern fördert im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) seit diesem Jahr die Anlage solcher Systeme.

Interessierte Landwirtinnen und Landwirte aus der Rhön erhalten bei einer Fachexkursion am 7. und 8. September einen Einblick in die Vielfalt von Agroforstsystemen. Eine Anmeldung ist bis zum 27. Juli möglich.

Die Exkursion führt zu vier Betrieben in Hessen, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die sowohl Ackerbau als auch Viehhaltung in Kombination mit Agroforstwirtschaft betreiben.

Rhöner Landwirtinnen und Landwirte, die sich für die Anlage eines Agroforstsystems in ihrem Betrieb interessieren, erhalten so die Möglichkeit, sich von der Vielfalt der Systeme und den Erfahrungen der Praktizierenden vor Ort zu überzeugen.

Alle Informationen zum Programm, den Kosten und zur Anmeldung finden Sie unter: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/veranstaltungen.

Veranstalter sind die Bayerische Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt in Kooperation mit der Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld und dem WWF-Projekt „BROMMI“.

Agroforst – warum?

Für kleinbäuerliche Betriebe in den Tropen ist die Nutzung von Bäumen in der Landwirtschaft ganz normal, denn durch die Nutzung mehrerer „Etagen“ kann auf gleicher Fläche deutlich mehr produziert werden.

Gleichzeitig schützen die Bäume und Büsche die darunter wachsendenden empfindlichen Kulturen vor Hitze, Hagel, Frost und Austrocknung durch Wind.

Werden die Bäume in Vertiefungen entlang der Höhenlinien gepflanzt (im sogenannten „Keyline-Design“), kann Wasser deutlich länger in der Fläche gehalten werden und dort versickern. Die Bodenerosion wird vermindert, die Fläche bleibt fruchtbar.

Auch in Deutschland wurden früher Bäume und Büsche genutzt, um das Risiko von Ertragsausfällen zu mindern oder einen Mehrertrag auf der Fläche zu generieren.

Viele dieser traditionellen Systeme fielen allerdings der Flurbereinigung zum Opfer (z. B. Hecken oder Baumreihen zur Minderung der Winderosion) oder wurden nicht mehr gepflegt bzw. erneuert (z.B. Streuobstnutzung auf Viehweiden oder Korbweiden).

So ist unsere Landschaft heute in weiten Teilen „ausgeräumt“ und strukturarm – mit Konsequenzen für Mikroklima, Böden und die Biodiversität.

Im Klimawandel mit immer trockeneren Sommern und häufigen Extremwetterereignissen erhält die Agroforstwirtschaft in Deutschland und Europa nun eine neue Relevanz.

Moderne Agroforstsysteme sind den heutigen landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen angepasst und für die jeweiligen Betriebsstrukturen optimiert.

Je nach Gestaltung des Systems erhöht sich die Wasserverfügbarkeit für die angebauten Kulturen, und die Hitze auf der Fläche wird verringert. Geringere Windgeschwindigkeiten vermindern das Austrocknen des Bodens und reduzieren Erosion.

So werden Erträge langfristig gesichert, und nebenbei wird die Biodiversität begünstigt. Zusätzlich können die Gehölze zur Obst- bzw. Nussproduktion, zur Energie- bzw. Wertholzerzeugung oder zur Futtergewinnung genutzt werden.

Bis zum Jahr 2027 sollen in Deutschland 200.000 ha neue Agroforstflächen entstehen. Deshalb sind in der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023 Agroforstsysteme unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig.

Im Freistaat Bayern wird die Neuanlage solcher Agroforstflächen im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) seit diesem Jahr investiv gefördert.

Es ist davon auszugehen, dass auch die übrigen Bundesländer zeitnah ihre Förderrichtlinien ergänzen.

Projektstelle im Biosphärenreservat

In der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön wurde im Jahr 2019 eine Projektstelle geschaffen, die Landnutzer für eine naturbasierte Anpassung an den Klimawandel motiviert und berät.

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren werden neben Vortragsveranstaltungen und Seminaren u. a. auch Exkursionen durchgeführt.