Der Start ist das Wichtigste – Südthüringer Azubis setzen auf Praktika

Gastbeitrag von Stefan Studtrucker
(HWK Südthüringen)

Wer sein Handwerk vorab ausprobiert, bleibt dabei. Die aktuelle Auswertung der Ausbildungsumfrage der Handwerkskammer Südthüringen belegt mit deutlichen Zahlen: Eine fundierte Vorbereitung ist der wichtigste Garant für einen glücklichen Start ins Berufsleben.

Besonders das Praktikum und eine gute Aufnahme im Betrieb entscheiden darüber, ob die Vorstellungen der Jugendlichen und die Realität im Alltag zusammenpassen.

Gute Vorbereitung: Der Schlüssel zum passenden Beruf

Die Umfrage zeigt, dass „Blindflüge“ bei der Berufswahl im Südthüringer Handwerk die Seltenheit sind. Über 76 Prozent der Jugendlichen hatten bereits vor dem ersten Arbeitstag eine exakte Vorstellung von ihrem Berufsbild.

Diese Klarheit zahlt sich aus: Fast 70 Prozent dieser gut informierten Gruppe geben an, dass ihr Arbeitsalltag heute genau ihren Erwartungen entspricht.

Der Weg zu dieser Sicherheit führt über die Praxis. Das Praktikum ist für fast drei Viertel der Befragten der wichtigste Auslöser für die Berufswahl.

Für jeden Zweiten war es sogar der direkte Weg zum späteren Ausbildungsvertrag. Das eigene Erleben und der Rat von Familie und Freunden erweisen sich auch für die Social Media – Generation als die entscheidenden Wegweiser für den Karrierestart.

Zufriedenheit über alle Betriebsgrößen hinweg

Die Auswertung zeigt ein sehr erfreuliches Bild über alle Branchen hinweg – vom Kfz-Handwerk bis zum Bauwesen ist die Zufriedenheit der Berufseinsteiger stabil hoch.

Ein Blick in die verschiedenen Betriebsgrößen offenbart dabei interessante Details: In kleinen Ausbildungsbetrieben, in denen ein einzelner Azubi lernt, ist die Übereinstimmung von Ausbildungserwartung und Ausbildungsrealität mit 77 Prozent besonders ausgeprägt.

Hier punktet die direkte, meistergeführte Betreuung. Auch größere Unternehmen mit über zehn Auszubildenden schneiden sehr gut ab, da sie oft über eigene Lehrwerkstätten und feste Abläufe verfügen, die den Ausbildungsalltag strukturieren.

Von dieser Erkenntnis könnten künftig vor allem mittelgroße Ausbildungsbetriebe mit zwei bis fünf Auszubildenden profitieren, indem sie durch eine gezieltere Planung und Begleitung die Zufriedenheit ihrer Schützlinge weiter steigern.

Dass die Betriebe in der Region einen hervorragenden Job machen, unterstreicht die geringe Quote an Wechselgedanken: Nur 5 Prozent der Befragten zweifeln an ihrem gewählten Beruf.

Ein entscheidender Hebel ist hier die gute Unterstützung: 83 Prozent der Azubis fühlen sich gut betreut, und drei Viertel loben die Vorbereitung ihres Arbeitgebers auf den ersten Tag. Dort, wo ein fester Ansprechpartner bereitsteht und ein klarer Plan für die Lehrzeit vorliegt, ist die Bindung zum Betrieb am stärksten.

Um die Attraktivität der Handwerksausbildung generell weiter zu steigern, geben die Azubis in ihren Antworten klare Impulse. Neben dem Wunsch nach einer angemessenen Vergütung steht vor allem die Qualität der Lernorte im Fokus.

Eine noch engere Verzahnung zwischen Berufsschule und Betrieb sowie regelmäßige Praxisrotationen innerhalb des Unternehmens sind die am häufigsten genannten Verbesserungsvorschläge, um das „Gesamtpaket Ausbildung“ perfekt zu machen.

Ein gemeinsamer Weg für Betriebe und Nachwuchs

Die Handwerkskammer Südthüringen sieht in diesen Ergebnissen eine klare Botschaft für die Zukunft der regionalen Fachkräftesicherung.

Diese funktioniere am besten, wenn das regionale Handwerk und wohnortnahe Bildungsstrukturen Hand in Hand ein attraktives, gut erreichbares Angebot für Schülerinnen und Schüler bereitstellen.

Es werde deutlich, so Stefanie von Nordheim (Abteilungsleiterin Berufsbildung), dass nichts das Erleben und Ausprobieren ersetze, um herauszufinden, wo die eigenen Talente liegen.

Sie appelliere deshalb an Jugendliche und Eltern, die vielfältigen Chancen zum „Reinschnuppern“ aktiv zu nutzen, so etwa beim großen Aktions- und Karrieretag „Handwerk all-in“ der Handwerkskammer Südthüringen am 12. September.

Auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster heißt es dann wieder „Handwerk live erleben und ausprobieren“ in den Werkstätten aller Fachbereiche und an den Ständen von dutzenden teilnehmenden Handwerksunternehmen.

Außerdem schaffe die Praktikumsprämie des Freistaats Thüringen in Höhe von 120 Euro pro Woche einen zusätzlichen Anreiz für Jugendliche ab 15 Jahren, in den Schulferien Kontakte zu den heimischen Betrieben zu knüpfen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Landesregierung die Praktikumsprämie verlängert und auf das gesamte Jahr ausgeweitet hat. Nun können Schülerinnen und Schüler in allen Ferienzeiten davon profitieren“, so Stefanie von Nordheim.

Gleichzeitig richtet sich ihr Resümee an die Unternehmen der Region: Wer in ein herzliches Onboarding investiere und vor Ausbildungsbeginn im Betrieb die nötigen Strukturen schaffe, gewinne langfristig.

Die Handwerkskammer unterstütze ihre Mitgliedsunternehmen auch künftig intensiv dabei, diese Brücken zwischen Erwartung und Praxis erfolgreich zu bauen, so etwa mit dem Vermittlungsangebot der „Passgenauen Besetzung“.

Unter passgenau@hwk-suedthueringen.de oder Tel. 03681 370221 begleitet das Team die Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz und -unternehmen.

Mit der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Ausbildung“ bietet die HWK darüber hinaus ein kostenloses Format an, bei dem sich ausbildende Mitgliedsunternehmen über Erfahrungen austauschen und über neueste Entwicklungen informieren können.

Der nächste „Treffpunkt Ausbildung findet bereits am 7. Mai um 16 Uhr auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster statt. Die Anmeldung ist bis 1. Mai über die Website der HWK Südthüringen möglich.