Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Ein Anblick, der selbst einem erfahrenen Schäfer durch Mark und Bein geht: Als Schäfermeister Egon Specht am frühen Sonntagmorgen zu seiner Herde am Ortsrand von Urnshausen kam, erwartete ihn ein Bild des Schreckens.
Sechs seiner Mutterschafe lagen leblos auf der Weide. Zwei weitere Tiere waren so schwer verletzt, dass sie nur noch von ihrem Leiden erlöst werden konnten.
„So etwas vergisst man nicht“, berichten die Schäfer betroffen. Gemeinsam mit seinem Enkel Simon Specht, der den Betrieb inzwischen führt, war für sie schnell klar: Vieles deutet auf einen Wolfsangriff hin.
Die Kontrolle der gesamten Herde brachte weitere erschütternde Erkenntnisse. Insgesamt sechs Mutterschafe wiesen teils schwere Bissverletzungen auf und mussten tierärztlich versorgt werden.
Für die Familie Specht steht fest: Der Angriff muss von mehreren Wölfen ausgegangen sein. Umgehend wurde das Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs des Thüringer Umweltministeriums eingeschaltet. Eine Mitarbeiterin sicherte noch vor Ort Proben, um den Verdacht zu überprüfen und Gewissheit zu schaffen.
Für die Schäfer ist der Vorfall nicht nur ein schmerzlicher Verlust von Tieren, die sie täglich betreuen, sondern auch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Hinter jedem Tier stehen Jahre der Zucht, Pflege und Hingabe.
Gleichzeitig machen die Tierhalter auf ihre unverzichtbare Rolle aufmerksam: Ohne die aufwendige Schafhaltung würde ein großer Teil der offenen Kulturlandschaft der Rhön verschwinden.
Die extensive Bewirtschaftung durch die Herden ist ein zentraler Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Naturregion.
Die Ereignisse von Urnshausen verstärken daher erneut die Forderungen vieler Thüringer Tierhalter nach klaren gesetzlichen Regelungen im Umgang mit sogenannten „Problemwölfen“.







