Wonnemond Mai: Blütenschimmer, Blue Moon & Funkeln am Sternenhimmel

Gastbeitrag von Anna-Lena Bieneck

Was uns die Sterne im Mai bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

Eines der bekanntesten Gedichte zu Frühlingsnächten stammt von Joseph von Eichendorff. Es beginnt mit der sehnsüchtigen Vermutung: „Es war als hätt der Himmel, die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer, von ihm nun träumen müsst…!“

Dieser all-abendlicher Kuss, wenn sich Himmel und Erde in der Dunkelheit näherkommen, kommt im Mai immer später. Ende Mai scheint die Sonne bereits 1,5 Stunden länger als am Monatsanfang und ist dann 16 Stunden über dem Horizont zu sehen.

Wie zum Trost über die nach hinten verschobene Sternensicht beginnt und endet der Mai jeweils mit Vollmond. Zwei Vollmonde innerhalb eines Kalendermonats sind selten und finden im Durchschnitt nur alle zweieinhalb Jahre statt.

Dieser zweite Vollmond ist als „blue moon“ oder blauer Mond bekannt, und die englische Redewendung „Once in a blue moon“ kann entsprechend übersetzt werden mit „Alle Jubeljahre einmal.“

Neumond ist am 16. Mai, und in den Tagen darauf kann man am Westhimmel wieder die schönen Sicheln des zunehmenden Mondes im tiefen Abendblau im Zusammenspiel mit Venus bewundern.

Durch die NASA-Artemis-Mission ist unser treuer Erdtrabant mal wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die für die aktuelle Mondmission wichtige Navigationstechnologie wurde übrigens in Deutschland, genauer in Thüringen in der Stadt Jena, entwickelt.

Zwei hochpräzise ASTRO-APS-Sternsensoren spielten dabei eine Schlüsselrolle, denn sie leiteten die Orionraumkapsel sicher auf die Mondumlaufbahn und wieder zurück zur Erde.

Dabei dienten die Sterne und bekannten Bewegungsbahnen innerhalb der Galaxie zur Orientierung. Das Beispiel zeigt, wie wichtig für den Standort Deutschland naturwissenschaftliche und technische Kompetenz ist.

Planeten und gemächliche Sterne

Noch bis Mitte Mai hat man Westhimmel einen schönen Himmelsanblick mit den restlichen und sehr hellen Wintersternen Prokyon aus dem Kleinen Hund, Capella aus dem Sternbild Fuhrmann sowie Castor und Pollux aus den Zwillingen, die gut zu finden sind, da der Riesenplant zurzeit sehr prominent in den Zwillingen weilt.

Gleichzeitig betört die Venus als strahlender Abendstern die Himmelsbühne. Der Frühlingshimmel ist nicht so reich an hellen Objekten wie der Winter- oder Sommersternhimmel.

Den Großen Wagen, der lediglich Bau und Schwanz der Großen Bärin darstellt, steht im Mai hoch im Zenit. Der Schwanz bzw. die Deichsel hilft nun beim Auffinden des sogenannten Frühlingsdreiecks.

Folgt man dem „Knick“ der Deichsel und verlängert Richtung Horizont, trifft man zunächst auf den hellen orange leuchtenden Stern Arktur aus dem Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt, und in der Verlängerung des gebogenen Sternenzugs auf die bläuliche Spica im Sternbild Jungfrau. Vervollständigt wird das Früh-lingstrio durch Regulus, das Herz des Löwen.

Insbesondere Arktur, der Hauptstern des Sternbild Bootes, verdient einen genaueren Blick. Nach Sirius ist er der zweithellste Stern am nördlichen Sternhimmel und gehört mit der Spektralklasse K zu den Roten Riesensternen.

Mit einer mit der Sonne ähnlichen Masse, maximal das 1,5-Fache davon, beträgt sein Durchmesser jedoch 17,7 Millionen km gegenüber der Sonne mit 1,4 Millionen km. Die enorme Größte zeugt von seinem Zustand als alternder Stern. Seine Entfernung zur Sonne beträgt nur 36,7 Lichtjahre, und mit einer Geschwindigkeit von 122 km/sec hat er relativ zum Sonnensystem eine hohe Eigengeschwindigkeit.

Dies hat zur Folge, dass er sich in 850 Jahren um etwa einen Monddurchmesser in südwestlicher Richtung bewegt. Zur nächsten Jahrtausendwende wird das Sternbild Bootes also stark von seinem jetzigen Bild am Himmel abweichen.

Unterhalb des Frühlingsdreiecks schlängelt sich die Wasserschlange als das größte Sternbild entlang – ihr lichtschwachen Sterne sind im Dunst der nächtlichen Lichtverschmutzung nur an dunklen Orten zu bewundern.

Im Osten kündigen sich schon mit Herkules, dem Schlangenträger, und der nördlichen Krone die Sternbilder des Frühsommers an. Ab und an wird im Mai auch eine Sternschnuppe aus unterschiedlichen Strömen zu sehen sein.

Übrigens: Während der Mai seinen Namen der römischen Mythologie zufolge der Göttin des Frühlings Maia zu verdanken hat, geht der Begriff „Wonnemonat“ ursprünglich auf das altdeutsche Word „winnimanod“ zurück, was „Weidemonat“ bedeutet, da die Tiere nach dem Winter wieder auf die Weide getrieben wurden. Erst später wurde dies zu „Wonne“ – also Freude – umgedeutet.

Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen.

Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht.

Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt.

Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben.

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung.

Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

Infos zum Sternenpark

Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark