162 historische Traktoren rollen durch die Rhön – Tradition & Begeisterung in Geismar

Gastbeitrag von Richard Veltum

Wenn 162 historische Traktoren durch die sanften Hügel der Rhön rollen, Motorgeräusche über das Geisaer Land hallen und tausende Blicke den liebevoll restaurierten Schätzchen folgen, dann ist wieder Schleppertreffen in der Rhöngemeinde.

Am vergangenen Wochenende verwandelte sich das Rhöndorf Geismar in einen lebendigen Treffpunkt für Schlepperfreunde, Familien und Gäste aus nah und fern.

Bereits zum siebten Mal hatte die Interessengemeinschaft Schlepperfreunde Geismar zu ihrem beliebten Treffen eingeladen.

Was vor mehr als zehn Jahren begann, hat sich längst zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Region entwickelt und weit über die Grenzen der Rhön hinaus einen hervorragenden Ruf erworben.

Ehrenamt mit Herzblut für die Rhön

Hinter dem Erfolg des Schleppertreffens steht ein engagiertes Team von Ehrenamtlichen.

Zum Vorstand der Interessengemeinschaft gehören Florian Zentgraf, Rudolf Fischer, Michael Zentgraf, Markus Reuter, Johannes Fischer, Stefan Kiel, Markus Schmelz, Tobias Goldbach und Christoph Fischer.

Bemerkenswert ist dabei, dass viele der Organisatoren zusätzlich in weiteren gesellschaftlichen Bereichen Verantwortung übernehmen – sei es in der Freiwilligen Feuerwehr, im Sport- und Karnevalverein, in der Kommunalpolitik oder in der Kirchgemeinde.

Ihr Engagement ist ein eindrucksvolles Beispiel für den starken Gemeinschaftssinn, der die Rhön seit jeher prägt.

Auftakt mit Gottesdienst und Familienabend

Das Festwochenende begann traditionell mit dem Besuch des Vorabendgottesdienstes in der altehrwürdigen katholischen Kirche St. Nikolaus.

Gemeinsam mit Mitgliedern der Kirchgemeinde gedachten die Schlepperfreunde von Gemeinschaft, Zusammenhalt und Dankbarkeit.

Anschließend erfolgte auf dem Festgelände der traditionelle Fassbieranstich. Beim Familienabend kamen Jung und Alt gleichermaßen auf ihre Kosten. Kinderkino, Popcorn, Stockbrot, Kinderschminken, Eisverkauf und gemütlichen Beisammensein sorgten am Wochenende für beste Unterhaltung.

Ein besonderer Höhepunkt war die Live-Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft aus den USA im Festzelt. Der 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste löste bei den zahlreichen Besuchern/Fußballfans große Begeisterung und Jubel aus.

MARTIN VELTUM BILDRECHTE

Große Schlepperrundfahrt begeisterte Zuschauer

Nach dem zünftigen Frühschoppen am Sonntag folgte der Höhepunkt des gesamten Wochenendes: die große Schlepperrundfahrt.
Insgesamt 162 historische Traktoren machten sich von der Geismarer Schule aus auf den Weg durch die Gemeinde.

Der eindrucksvolle Konvoi führte über den Königsweg, die Setzelbacher Straße, die Hauptstraße, das Brückental, den Panoramablick, das Weihertal sowie weitere Straßen zum Festgelände neben der Feuerwehr.

Die Fahrt bot nicht nur nostalgische Technik zum Anfassen, sondern auch beeindruckende Ausblicke auf die einzigartige Landschaft der Thüringischen Rhön. Viele Besucher säumten die Strecke und nutzten die Gelegenheit, die liebevoll gepflegten Oldtimer aus nächster Nähe zu bestaunen.

Wenn alte Schlepper „sprechen“

Für besondere Aufmerksamkeit sorgten immer wieder laute „Knallgeräusche“, die weit über das Geisaer Land bis in das benachbarte Hessenland zu hören waren.

Schnell konnten die “Knallexperten“ Florian Zentgraf, Rudolf Fischer und Michael Zentgraf Entwarnung geben.

Die Ursache war kein Kriminalfall, sondern typisch für manche historische Technik: Gelegentliche „Fehlzündungen“ älterer Schleppermotoren sorgten für die markanten Knallgeräusche. Das augenzwinkernde Fazit lautet deshalb: Fehlalarm – kein Kriminalfall!

Gäste aus Thüringen und Umgebung

Die Strahlkraft des Geismarer Schleppertreffens reicht inzwischen weit über die Region hinaus. Besucher und Teilnehmer reisten unter anderem aus Thüringen, Hessen, Bayern und Nordrein-Westfalen an.

Zu den Gästen gehörten Oldtimerfreunde Dreiländereck „Charlie Birks“ sowie Besucher aus Köln und Korschenbroich mit ihren Familien und Freunden.

Auch zahlreiche Gäste aus Mittelsdorf, Sinnswinden, Diedorf und dem Geisaer Land nutzten die Gelegenheit zum Wiedersehen und Erfahrungsaustauch.

Begleitet wurde das Fest außerdem vom Erfurter Fotografen Mario Monecke. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Musikverein Ketten, unter der Leitung von Lothar Kind.

Gemeinsam mit dem Sänger Mathias Schmelz begeisterten die Musiker die Besucher mit einem abwechslungsreichen, stimmungsvollen Programm.

Die beschwingten Klänge animierten einige Gäste sogar zu spontanen Tanzeinlagen, was mit viel Applaus honoriert wurde.
Auch die jüngsten Besucher kamen nicht zu kurz.

Hüpfburg, Kinderschminken, verschiedene Spielangebote und leckeres Eis sorgten für einen abwechslungsreichen Familiennachmittag.

Schlepperdarten als Publikumsmagnet

Ein weiterer Höhepunkt war das beliebte „Gaudi-Schlepperdarten“. Moderator Lothar Kircher führte mit viel Humor durch den Wettbewerb, bei dem die Fahrer mit ihren Traktoren möglichst präzise in ein Ziel manövrieren mussten.

Sieger:

1. Platz: Armin Güther aus Mittelsdorf mit einem Deutz-Schlepper
2. Platz: Reiner Kirchner aus Sinneswinden mit einem Eilker
3. Platz: Tino Günther aus Diedorf mit einem Belarus

Als Anerkennung erhielten die Gewinner aus den Händen von Moderator Lothar Kirchner hochwertige Sieger-Metallplaketten.

Für einen besonderen und emotionalen Moment sorgte anschließend der Musikverein Ketten. Erstmals in der Geschichte des Schleppertreffens wurde eigens für die Sieger die Nationalhymne intoniert.

Die Besucher erhoben sich von ihren Plätzen und spendeten langanhaltenden Beifall.

Dieser außergewöhnliche Moment verlieh der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre und wird vielen Gästen noch lange in Erinnerung bleiben.

Kulinarische Gastfreundschaft

Auch kulinarisch präsentierte sich Geismar von seiner besten Seite. Die Schlepperfreunde sorgten an beiden Tagen mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für eine vorbildliche Versorgung der Besucher.

Besonders gefragt waren das Mittagessen der Familie Och aus Günthers mit Gulasch und Klößen sowie das Speiseangebot und Getränke an der Theke.

Großen Anteil am Erfolg hatten zudem die Geismarer Frauen, die mit viel Liebe eine beindruckende Auswahl an selbstgebackenen Kuchen und Torten für das Buffet vorbereitet hatten.

Besonders die original Rhöner Zwiebelkuchen (Ploatz) von Carolin Kircher und Manuela Zentgraf erfreuten sich großer Beliebtheit.

Zum Abschluss dankten die Schlepperfreunde allen Besuchern, Sponsoren, Unterstützern und den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen des 7. Schleppertreffens beigetragen haben.

Gerade in einer Zeit, die vielerorts von Unsicherheiten und internationalen Krisen geprägt sind, zeigte das Fest eindrucksvoll, wie wichtig Gemeinschaft, Tradition und Zusammenhalt sind.

Das Schleppertreffen in Geismar war weit mehr als eine Oldtimer-Veranstaltung – es war ein lebendiges Fest in der Rhön, ihrer Menschen und ihrer besonderen Heimatverbundenheit.

MARTIN VELTUM BILDRECHTE