Handwerkskammer Südthüringen: Aktionsplan Baukosten greift im ländlichen Raum zu kurz

Gastbeitrag von Stefan Studtrucker (HWK)

Das Bundesbauministerium hat seinen neuen „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten“ vorgestellt. Das 13-Punkte-Maßnahmenpaket soll bürokratische Hürden abbauen und das Bauen in Deutschland wieder bezahlbar machen.

Die Handwerkskammer (HWK) Südthüringen begrüßt die Initiative zur Beschleunigung von Planungsverfahren sowie die stärkere Kostenkontrolle bei Baunormen zwar ausdrücklich, warnt jedoch vor einer einseitigen Ausrichtung auf urbane Ballungszentren.

Das Maßnahmenpaket enthalte mehrere gute und zielführende Maßnahmen, so etwa die geplante Prüfung von Folgekosten bei neuen Baunormen.

„Dass die ausufernde Normensetzung endlich in den Blick genommen werden soll, ist überfällig“, so Mike Kämmer, Präsident der Handwerkskammer Südthüringen. „Teure Bauvorgaben müssen jetzt konsequent auf das erforderliche, sicherheitsrelevante und bezahlbare Maß zurückgefahren werden.“

Positiv bewertet das südthüringische Handwerk auch den Plan, Bauanträge bis 2028 bundesweit durchgängig zu digitalisieren. „Das spart Betrieben und Bauherren wertvolle Zeit“, bekräftigt Präsident Kämmer.

Die HWK Südthüringen gibt jedoch zu bedenken, dass dieser Schritt im ländlichen Raum nur dann greift, wenn auch die Netzinfrastruktur steht und die kommunalen Bauämter in den Landkreisen personell und technisch entsprechend ausgestattet werden.

Auch sei es erforderlich, die Digitalisierung nicht als Allheilmittel zu begreifen, sondern stimmig in den gesamten Bearbeitungsprozess einzubinden. Dies seien zwingende Voraussetzungen, damit digitale Anträge tatsächlich zur Beschleunigung der Verfahren beitragen.

An anderer Stelle greife der 13-Punkte-Plan allerdings generell zu kurz. „Viele der Punkte im Aktionsplan zielen direkt auf Großstädte ab, etwa für den Geschoss- und Mietwohnungsbau“, erklärt Präsident Kämmer.

Das stark vertretene Bau- und Ausbauhandwerk in Südthüringen benötige jedoch Rahmenbedingungen, die der Realität im ländlichen Raum gerecht werden. Instrumente wie die degressive Abschreibung (AfA) verfehlten im ländlichen Raum weitgehend ihre Wirkung.

In Südthüringen werde die Baunachfrage nach Wohnraum nicht durch Großinvestoren, Mehrfamilienhäuser und Flächenknappheit bestimmt.

Hier dominierten private Bauherren, Familien und regionale Wohnungsgenossenschaften, die in den eigenen Bestand oder das selbstgenutzte Einfamilienhaus investieren.

„Dass der Bund den Aufbau von Wohneigentum für Familien als zentrales Kriterium in sein neues Förderprogramm ab 2027 aufnimmt, ist ein richtiger und wichtiger Schritt“, lobt Kämmer.

„Doch statt reiner Steuererleichterungen für Investoren brauchen die vielen privaten Bauherren in unserer Region vor allem unbürokratische Direktzuschüsse und zinsgünstige Kredite.“

Vor diesem Hintergrund spricht sich das Südthüringer Handwerk für die Einführung einer „Ländlicher-Raum-Komponente“ im geplanten zentralen Bundesförderprogramm aus.

Die vorgesehenen Maßnahmen müssten um stärkere finanzielle Anreize für die Revitalisierung und die energetische Sanierung von bestehender Bausubstanz im Dorfkern ergänzt werden, statt den Fokus einseitig auf den Neubau zu setzen.

Zudem gelte es, einen auch mittelfristig konsistenten Kurs bei der Ausgestaltung der Förderkulisse zu halten, um privaten Bauherren im ländlichen Raum langfristige Planungssicherheit zu geben.

„Das Bau- und Ausbauhandwerk ist ein wirtschaftliches Fundament Südthüringens. Damit unsere Betriebe auch morgen die Region gestalten können, muss bezahlbares Bauen überall möglich sein – in Berlin-Mitte ebenso wie im Thüringer Wald“, fordert HWK-Präsident Mike Kämmer.