Manege frei in Frankenheim – Kulturnacht mit einer Vielfalt an Talenten

„Manege frei“ hieß es am Mittwochabend in der liebevoll geschmückten Hochrhönhalle in Frankenheim.

Das Rhöngymnasium Kaltensundheim hatte zur alljährlichen Kulturnacht eingeladen. Etwa 400 Besucher wohnten dem vierstündigen Programm bei und genossen eine einzigartige Show.

„Unsere Schule ist ein riesengroßer Zirkus“ war das Motto des Abends. Maurice Scheidler, Ole Schadt, Lilli Class und Helena Lehmann führten mit viel Humor gekonnt durch die über 30 Programmpunkte.

Auch die eine oder andere Anekdote aus dem Lehrerzimmer plauderten die Zehntklässler aus. So sei Schulleiter Mike Noack in Kaltensundheim der Zirkusdirektor, Herr Genßler der Dompteur der Wildkatzen, die derzeit „schwer in Mode“ sind.

Doch auch Clowns dürfen im Zirkus nicht fehlen – in der Schule übernimmt Herr Müller diesen Job, er sei ebenso wie Herr „Gute-Laune-Launer“ für jeden Spaß zu haben.

Zauberer und Jongleure sind ebenfalls vertreten. Die einen lassen mittels KI Kunstwerke entstehen oder Hausaufgaben lösen, die anderen jonglieren mit Noten, Zahlen und Geldern.

Insgesamt 670 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit das Thüringische Rhöngymnasium. Dass diese die unterschiedlichsten Talente haben, stellten sie am Mittwoch unter Beweis.

Zirkus in all seinen musikalischen Facetten

Musikalisch sind die Gymnasiasten allemal. Jonathan Emanuel Spekker spielte zu Beginn „The Lone Forest Maiden“ am Klavier, Pia Gehb folgte mit dem gefühlvollen Song „Schön genug“ von Lina Maly.

Mit ihren Klarinetten brachten Selina Abel und Martha Weber das Publikum zum Staunen. Sie spielten „Havanna Sunrise“ und wurden mit kräftigem Applaus belohnt.

Gemeinsam mit Musiklehrerin Frau Sell brachte die Klasse 7 „Riptide“ auf die Bühne, was zum Mitklatschen und Schunkeln einlud. „Blowing in the Wind“ sang Luisa Hebig.

Magisch wurde es mit der Band der Klasse 5c: „Alles nichts ohne dich“ aus dem Film „Die Schule der magischen Tiere“ wurde eindrucksvoll dargeboten.

Mit Klavier und Blockflöte brachten Frau Mey und Oskar Kirchner aus der Klasse 6c die Zuhörer zum Staunen. Vier mutige Jungs aus der Klasse 5c sorgten zudem mit „99 Luftballons“ von Nena für einen echten Gänsehautmoment.

„Ins Grüne“ ging es im nächsten Programmpunkt: Die Klassen 5a und 5c nahmen die Oper „Der Wald“ von Ethel Smyth genauer unter die Lupe. Künstlerisch wurde das Stück einmal traditionell und einmal modern von den Kindern umgeschrieben. So wurde hier der Teufel beispielsweise zur Ex-Freundin, das schöne Röschen zur Influencerin aus Berlin.

Die Sechstklässlerin Johanna Schneider überzeugte am Klavier mit „Leiser“ von Lea. Stimmung im Saal gab es von Finn und Pepe aus der 5d: Am Akkordeon spielten sie das „Rennsteiglied“ von Herbert Roth.

Es blieb melodisch: „Perfect“ von Ed Sheeran trugen Nele, Kira und Carlotta aus der Klasse 6b vor. Die Band „Seven Teens“ aus Dermbach rockte die Bühne mit „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers.

Ganz alleine auf der Bühne stand Lina Gerlach, als sie die Zuschauer mit „Caramel“ von Conan Gray begeisterte. Die junge Sängerin holte alles aus ihrer Stimme heraus und wurde mit kräftigem Beifall für ihren Auftritt belohnt.

Robert Reuchsel aus der Klasse 9b zog das Publikum mit „Johnny B.“ und „Don't Stop Believin’“ in seinen Bann. Zum Mitsingen wurde das Publikum bei „Hit the Road Jack“ von Ray Charles animiert, dargeboten von der Klasse 8c mit Akeem am Klavier und Frau Sell an der Gitarre.

Herr Schlegel und die STRG-Schülerband sorgten mit „Nacht voll Schatten“ und „Tasse Kaffee“ für ordentlich Stimmung im Saal. Schlagzeug, Gitarre, Klavier und Bass wurden mit Bravour gespielt.

Für einen weiteren Gänsehautmoment sorgte die Klasse 6b: „Let it be“ von den Beatles rührte das aufmerksame Publikum.

„Ein Kompliment“ von Sportfreunde Stiller und „Leuchtturm“ von Nena sangen die fünften Klassen gemeinsam mit Frau Sell. Charlie Lein, ebenfalls eine Fünftklässlerin, brachte „Love Me Not“ von Ravyn Lenae eindrucksvoll zu Gehör.

Schlagzeug, Klavier, Gitarre und Querflöte: Die Band „ICONX“ aus der Klasse 10b sorgte mit „Wonderwall“ von Oasis für einen herzergreifenden Moment. Taschenlampen wurden gezückt, man sang mit und schwelgte in Erinnerungen.

Theater: Was bewegt den Menschen?

Die neu gegründete Theater AG unter der Leitung von Herr Kirsch beschäftigte sich mit den Konflikten im Alltag der Literatur. „Goethe, Schiller und Shakespeare lösen bei manchen Menschen heute noch Angst aus“, hieß es. Doch die Probleme von damals seien heute oftmals noch die gleichen.

In verschiedenen Szenarien wurden unterschiedliche Auseinandersetzungen durch die Schülerinnen und Schüler dargestellt, denn „jeder Mensch gerät in Konflikte.“ Sie schützen, prägen und verändern Menschen seit Jahrhunderten.

Die Sprache hat sich verändert, aber was die Menschen bewegt, nicht. So sehne man sich beispielsweise nach Anerkennung - sei es beim „Zauberlehrling“ von Goethe oder beim Streit unter Geschwistern.

Auch stünde man immer wieder vor wichtigen Entscheidungen. „Aus einer scheinbar harmlosen Begegnung kann ein richtiges Problem werden“, wurde dem Publikum verdeutlicht.

In einer modernen Inszenierung von Goethes „Faust“ brachten die Darsteller den Zuschauern näher, welche Bedeutung eine einzige Entscheidung auf das restliche Leben haben kann.

Poetry Slam: Starke Worte von Lilo Heine

„Zwischen all den Stimmen fühle ich mich manchmal wie ein Mensch ohne Sprache“ - Die Elftklässlerin Lilo Heine wandte sich mit einem selbstgeschriebenen Poetry Slam an die Zuhörerinnen und Zuhörer.

„Die Welt ist laut geworden.
Nicht laut vor Freude, nicht laut vor Leben, sondern laut vor Urteil“, sagte Lilo. Die Schülerin beschrieb, wie Worte oft in Schubladen gesteckt werden, und die Gesellschaft immer mehr nach Herkunft, Namen und Fehlern urteilt, anstatt Mitgefühl zu zeigen.

Lilo betonte, dass wir alle Glück gehabt hätten, in sicheren Verhältnissen geboren zu sein, und kritisierte, dass viele Menschen diese Zufälle vergessen und daraus Stolz ziehen, statt Demut und Verständnis zu entwickeln.

„Wir hatten Glück. Glück,
dass unser Kinderzimmer nicht neben Sirenen stand.
Dass unsere Mutter uns in Sicherheit einschlafen ließ.
Dass uns Sprachen nie neu erklärt werden musste.“

Besonders die leise Zerstörung unserer Welt hob Lilo hervor - das Schweigen, die Kälte und das Wegsehen: „Vielleicht erschreckt mich nicht einmal der Hass am meisten,
sondern wie gewöhnlich er geworden ist. Wie Menschen wegsehen können,
während die Würde eines anderen langsam genommen wird,
Tag für Tag,
Wort für Wort. Dabei zerbricht eine Welt nicht plötzlich.
Sie zerbricht leise.“

Lilos Text zeigte die Dringlichkeit, Mitgefühl wieder zu entdecken und die Menschlichkeit in jedem Fremden zu erkennen, bevor es zu spät ist.

Sie appellierte an das Publikum, dass das Mitgefühl wieder lauter werden solle als Vorurteile. „Denn solange wir nur nach Fehlern in einem Menschen suchen, sehen wir nicht, wer er eigentlich ist.“

Für ihre Worte bekam sie kräftigen Beifall. Mit „Live in Spheres“ von Florian Ullmann („Flow“) war für die passende musikalische Untermalung gesorgt.

Drahtseilakte wie im Zirkus: Tanz & Akrobatik

Über den gesamten Abend hinweg bot die Tanzgruppe „Steps on Fire“ vom Kaltensundheimer Karnevalsverein einen dreiteiligen Zirkustanz dar, der von Anne Ullrich einstudiert wurde.

Raubkatzen, Clowns und Akrobatinnen brachten die Bühne zirkusmäßig zum Beben und zogen alle Blicke auf sich.

Die „Glitzermädchen“ der Klasse 6a sorgten für Stimmung im Saal. Getanzt wurde zu Michael Jacksons „Beat it“ und „Party in the USA“ von Miley Cyrus. Radschlag und Spagat waren hierbei keine Seltenheit.

Schwungvoll zeigte sich auch die Klasse 5d. Mit dem „Ketchup Song“ stimmten sie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler schon einmal auf die lang ersehnten Sommerferien ein.

Jede Menge Glitzer gab es auch beim Tanz der Klasse 8d: „The Greatest Show“ ist immer wieder ein sehenswertes Highlight für Jung und Alt.

Das berühmte Musikstück „Die Moldau“ vom tschechischen Komponisten Bedřich Smetana wurde von der Klasse 6b tänzerisch dargestellt. Mit Tüchern und den passenden Bewegungen sorgte sie für einen ganz besonderen Moment des Abends.

Mit schillernden Röcken und Federboas ging es mit der 9. Klasse dann ab nach Rio de Janeiro. Hüftschwung und die passende Musik heizten die Stimmung an.

Eine Zeitreise durch die Musik gab es mit den Mädels der siebten Klassen. Mit den Spice Girls und den Backstreet Boys durchlebte man die 1990er Jahre, bei Eminem und Uscher gab es Hip-Hop-Elemente der 2000er. Aktuelle Beats, Konfetti und Leuchteffekte rundeten den gelungenen Auftritt ab.

„Die Schule ist kein Hochleistungssport, aber man verbiegt sich oft“, sagte Ole Schadt, als er den letzten Programmpunkt des Abends ankündigte. Die Akrobatikshow feierte in diesem Jahr ihre Premiere.

Zwölf Mädchen begeisterten zum Abschluss mit Salto, Radschlag, Brücke, Spagat, Handstand und mehr die Zuschauer. Das „Grande Finale“ war ein voller Erfolg des vielfältigen Programms.

Für alle Akteure auf, vor und hinter der Bühne gab es zum Schluss noch einen kräftigen Applaus und Dankesworte für alle Helferinnen und Helfer. Die Freude auf nächstes Jahr ist schon jetzt groß, wenn es wieder heißt „The Show Must Go On!“