Zahlreiche Widersprüche gegen Windvorranggebiete in Suhl übergeben

Beitrag von Rüdiger Christ

Der jahrelange Einsatz zahlreicher engagierter Bürgerinnen und Bürger aus der Rhön gegen den Bau von Windkraftanlagen, insbesondere gegen Windkraft im Wald – hat einen weiteren sichtbaren Höhepunkt erreicht. Besonders aktiv setzt sich seit Jahren die Bürgerinitiative Stadtlengsfeld, Weilar, Urnshausen (BI) gegen die geplanten Windvorranggebiete in der Region ein.

Nach eigenen Angaben der Bürgerinitiative wurden am Mittwoch, 15. Juli 2026, insgesamt 552 private Einwendungen gegen das geplante Windvorranggebiet W 14 „Salzunger Berg“ bei Weilar an den Leiter der Regionalen Planungsgemeinschaft Südwestthüringen, Peter Möhring, in Suhl übergeben.

Vorausgegangen waren mehrere Wochen intensiver Vorbereitung, eine Informationsveranstaltung in Weilar sowie die Bereitstellung von Mustervorlagen für Einwendungen. Die Stellungnahmen wurden in Stadtlengsfeld, Weilar, Urnshausen, Bernshausen und weiteren umliegenden Orten gesammelt.

Heike Herbst und Rita Langer bei der Abgabe der Widersprüche in Suhl

Zusätzlich überreichten die Vertreter der Bürgerinitiative die einstimmig beschlossene Stellungnahme des Gemeinderates Weilar, mit der sich die Gemeinde gegen das geplante Windvorranggebiet ausspricht. Bürgermeister Harald Fey nahm das Angebot der Bürgerinitiative wahr, die Stellungnahme persönlich in Suhl zu übergeben. Unterstützt wurde der Gemeinderatsbeschluss durch eine Unterschriftensammlung mit 401 Unterschriften aus Weilar.

Im Auftrag von Elvira Deubel aus Möhra wurden darüber hinaus 105 private Stellungnahmen sowie eine weitere Unterschriftensammlung mit 104 Unterschriften aus Möhra, Oberrohn und umliegenden Gemeinden gegen das Windvorranggebiet W 11 „Hetzeberg“ eingereicht.

Nach Auskunft der Bürgerinitiative werden die eingegangenen Einwendungen zunächst von Mitarbeitern der Regionalen Planungsgemeinschaft gesichtet, thematisch geordnet und anschließend an das Landesverwaltungsamt in Weimar weitergeleitet. Dort sollen sie mit Barcodes versehen, registriert und hinsichtlich ihrer Zulässigkeit geprüft werden.

Mit Verwunderung nahmen die Vertreter der Bürgerinitiative nach eigenen Angaben die Aussage eines Mitarbeiters auf, wonach inhaltlich identische Einwendungen, beispielsweise zum Vorkommen eines Schwarzstorch, Brutgebietes, lediglich als ein gemeinsames Argument gewertet würden. Informationen darüber, wann und in welcher Form die Öffentlichkeit über den weiteren Bearbeitungsstand informiert wird, konnten vor Ort nicht gegeben werden. Der Bürgerinitiative wurde jedoch zugesichert, sich künftig bei der Regionalen Planungsgemeinschaft über den Fortgang des Verfahrens informieren zu können.

Die Bürgerinitiative bedankt sich ausdrücklich bei allen Unterstützern, die Unterschriften und Einwendungen gesammelt haben. Ein besonderer Dank gilt der Gärtnerei Gebhardt in Weilar, der Fleischerei Wenzel sowie dem Friseursalon Lieding, die die Vorlagen ausgelegt und die Sammlung unterstützt haben.

Nach Auffassung der Bürgerinitiative haben die vergangenen Wochen deutlich gezeigt, dass sich die Mehrheit der betroffenen Dorfgemeinschaften gegen das geplante Windvorranggebiet ausspricht. Ihr Fazit lautet: „Keine Windkraft am Salzunger Berg – W 14 muss gestrichen werden.“

Hintergrund:

Die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen legt mit dem Sachlichen Teilplan Windenergie fest, in welchen Bereichen künftig Windkraftanlagen errichtet werden dürfen. Ist ein Gebiet als Windvorranggebiet ausgewiesen, sind die Einflussmöglichkeiten im späteren Genehmigungsverfahren deutlich eingeschränkt.

Der aktuelle Planentwurf umfasst insgesamt 40 Windvorranggebiete in Südwestthüringen. Sieben davon liegen in der Rhön – teilweise unmittelbar an der Grenze des UNESCO-Biosphärenreservates oder in der Nähe besonders sensibler Bereiche wie dem Oechsenberg oder dem Klosterwald bei Friedelshausen. Das bisherige Windvorranggebiet „Bornkopf“ wurde dabei in W 14 „Salzunger Berg bei Weilar“ umbenannt.

Kritik kommt vor allem von Bürgerinitiativen, die die deutliche Ausweitung der vorgesehenen Flächen beanstanden. Nach ihren Angaben soll der Anteil der ausgewiesenen Windvorrangflächen von bisher 0,15 Prozent auf 1,7 Prozent der Regionsfläche steigen, eine Verfünfzehnfachung auf rund 6.900 Hektar.