Am Bahnübergang in Zella: Tragischer Unfall mit der „Feldabahn“ bleibt unvergessen

Gastbeitrag von Michael Knauf

In ihrer damaligen 93-jährigen Geschichte ereignete sich einer der schwersten Verkehrsunfälle auf der ehemaligen „Feldabahn“. Ein Busfahrer musste an einem Bahnübergang sein Leben lassen.

Es war Freitag, der 27. Januar 1978, ein kalter und nebeliger Tag. Gegen 15.50 Uhr näherte sich der blau/weiß lackierte Ikarus 250, des VEB Kraftverkehr Bad Salzungen mit Sitz in Vacha, dem unbeschrankten Bahnübergang unmittelbar neben dem Empfangsgebäude des Haltepunktes Zella/Rhön.

Der Busfahrer hatte gerade von seinem Kollegen, aus der Frühschicht, das Fahrzeug übergeben bekommen. Er befand sich jetzt auf einer Leerfahrt nach Zella. Da kam ihm ein heftig winkender und gestikulierender Fußgänger entgegen.

Gleisplan/Lageplan des Haltepunkt Zella/Rhön

Der Fahrer Michael R. deutete die Zeichen als Begrüßung und hob freundlich seine Hand. Die Handzeichen des Fußgängers sollten jedoch eine Warnung vor der herannahenden Lok sein.

Der fahrplanmäßige Personenzug P17006 Bad Salzungen - Kaltennordheim hatte Zella bereits um 15.33 Uhr passiert und war weiter nach Kaltennordheim gefahren. Es war laut Fahrplan zu diesem Zeitpunkt nicht mit weiteren Bahnverkehr zu rechnen.

Doch wurde, wie schon des Öfteren, die sich im Bahnhof Kaltennordheim befindliche Lok BR 110 (110 372-0), nach einer telefonischen Anforderung wegen dringender Rangierarbeiten zum Bahnhof nach Dorndorf zurück beordert.

Der Ikarus-Bus wurde während des Unfalls total zerstört.

Die Lok fuhr ohne Last Retour. Der Lokführer Karl S. bemerkte plötzlich den herannahenden Bus, leitete eine Notbremsung ein und setzte das akustische Notsignal. Der Busfahrer Michael R. gab Vollgas und versuchte so sich und den Bus zu retten.

Leider vergeblich, denn es kam zu einem folgenschweren Zusammenstoß, wobei der Bus von der 60 t schweren Diesellok am Heck erfasst, zur Seite geschleudert und um die 30 m mitgeschleift wurde.

Der nur 23 Jahre alte Busfahrer Herr Michael R. erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Auch der Lokführer erlitt einen Schock und konnte zeitlebens das furchtbare Ereignis nicht verwinden.

Beschädigung der BR 110 im Frontbereich

Der Bus hatte einen Totalschaden und ein herkömmlicher Abtransport war unmöglich. Das Militär musste behilflich sein. Angehörige der 3. Pionier-Kompanie der Grenztruppen, welche in Pferdsdorf stationiert war, rückten mit schwerem Gerät an.

Der Ikarus-Bus wurde zerlegt und zum Verkehrshof des VEB Kraftverkehr nach Vacha transportiert. Auch die Lok BR 110 hatte einiges an Beschädigungen abbekommen und wurde zur Reparatur in das Bahnbetriebswerk nach Eisenach gezogen.

Die Eisenbahnstrecke Dorndorf - Kaltennordheim musste für 24 Stunden gesperrt werden. Für die Reisenden fand während dieser Zeit ein Schienenersatzverkehr statt.

Das Ministerium für Verkehr der ehemaligen DDR kam nach gründlicher Untersuchung und Auswertung aller Unfälle zwischen Schiene und Straße per Gesetzesänderung zu dem Entschluss, dass alle Fahrzeuge beladen mit Gefahrengut und welche die Personen befördern, vor Bahnübergängen grundsätzlich anhalten müssen.

Durch diese Entscheidung konnten die Fahrer in Ruhe nach sehen, ob sich auf der Schiene ein Zug oder ein anderes Schienenfahrzeug nähert.

Fahrzeuge der Transportpolizei, Bezirksverwaltung der Staatssicherheit, Volkspolizei und Staatsanwaltschaft an der Unfallstelle.

Der Busfahrer und der Lokführer waren im Dienste der Allgemeinheit bzw. der Reisenden unterwegs. Es war eine Verkettung von unabwendbaren, tragischen und unglücklichen Ereignissen.

Wer mehr über die Geschichte der „Feldabahn“ erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch „Die Geschichte der Feldabahn“ von Günter Fromm und Harald Rockstuhl, erschienen in der zweiten Auflage 2015, Bad Langensalza, ISBN 978-3-95966224-6,
Bestellungen möglich,-Verlag und Versand Rockstuhl unter Telefon: 03603 / 812246, oder unter E-Mail: www.verlag-rockstuhl.de.

links im Foto der Unglücksbus und im Hintergrund das Empfangsgebäude des Hp Zella/Rhön