Fest für das Hier & Jetzt – Silbermeisterfeier der HWK Südthüringen feiert Premiere

Gastbeitrag von Stefan Studtrucker

„Weißt du noch…?“ – Es war der wohl am häufigsten gehörte Satz eines ganz besonderen Abends.

Viele der geladenen Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister trafen bei der ersten gemeinsamen Silbermeisterfeier der Handwerkskammer (HWK) Südthüringen erstmals nach Jahren oder gar Jahrzehnten wieder auf alte Weggefährten aus den Kursen und Meisterschulen.

Im Praxiszentrum expo auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster feierten über 64 Jubilare aus 21 Handwerken das 25-jährige Jubiläum ihres Meisterbriefs und nutzten den außergewöhnlichen Anlass, um alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Verdienter Festakt

Die feierliche Übergabe der Silbernen Meisterbriefe markierte eine echte Premiere. Bisher hatte die Handwerkskammer den Fokus vor allem auf die ganz junge Generation oder die ehrwürdigen Goldenen Meister gelegt, die nach 50 Jahren auf ihr Lebenswerk zurückblicken.

Die Silbernen Meister wurden in der Vergangenheit meist individuell bei Betriebsbesuchen geehrt oder bekamen ihre Urkunde schlicht auf dem Postweg. Nun erhalten auch die „Silbernen Meister“ ihre eigene, verdiente Ehrungsveranstaltung.

„Weil es wirklich allerhöchste Zeit wurde!“, betonte HWK-Präsident Mike Kämmer in seiner Festrede. „Wir wollten keinen verstaubten Festakt. Wir wollten eine Feier, die so ist wie Sie: fest verankert in den Traditionen des Handwerks und zugleich modern; professionell und zugleich voller Lebensfreude.“

Leistungsträger der Region

In einer feierlichen und würdigenden Atmosphäre blickte Kämmer auf das geschichtsträchtige Jahr 2001 zurück, in dem die Jubilare ihren Meisterbrief erstmalig stolz in Händen halten durften.

Seither haben die Meisterinnen und Meister bewiesen, dass Qualität im Handwerk sich immer durchsetzt. Während moderne Start-ups kommen und gehen und die künstliche Intelligenz viele Branchen verunsichert, bleibe das Handwerk der verlässliche Fels in der Brandung.

„Weil ein solides Fundament eben nicht aus Bits und Bytes besteht, sondern aus Stein, Holz, Metall, aus meisterhaftem Können und Verlässlichkeit“, so Präsident Kämmer.

Die Jubilare stünden mitten im Leben und seien die wahren Leistungsträger der Region: „Sie sind die Motoren, die Leistungsträger und die Stabilitätsanker unserer heimischen Wirtschaft in Südthüringen!“, würdigte er die Anwesenden.

Neben dem Dank für das unternehmerische Risiko und den täglichen Einsatz hob Kämmer besonders die unschätzbare Rolle als Ausbilder hervor: „Sie haben in den letzten 25 Jahren zahllose junge Menschen an die Hand genommen. Sie sichern die Zukunft unseres Landes, indem Sie Ihr Wissen weitergeben.“

Scharfsinniger Humor

Für die perfekte Mischung aus Festlichkeit und Unterhaltung sorgte im Anschluss der bekannte Kabarettist und Stand-up-Comedian Jonas Greiner.

Als echtes Kind der Region – aufgewachsen im thüringischen Lauscha – nahm er auf seine eigene, unnachahmliche Weise die Irrungen und Wirrungen des Handwerkeralltags aufs Korn. Mit viel scharfsinnigem Humor beleuchtete er die zahlreichen Herausforderungen zwischen Bürokratie und Lehrlingsausbildung.

„Im Handwerk werden die besten Witze von Kunden und Behörden gemacht. Ich weiß nicht, ob ich das toppen kann“, scherzte Greiner auf der Bühne.

Besonders die ausufernde Zettelwirtschaft und die Versprechen der Politik bekamen ihr Fett weg: „Wir sind das einzige Land, in dem man es schafft, dass der Staat einen den kompletten Tag über beschäftigt, ohne dass man auch mal einen Cent Umsatz machen muss“, sprach er augenzwinkernd den Gedanken aus, der vielen Anwesenden in 25 Meisterjahren sicher schon mehrmals so oder so ähnlich gekommen ist.

Blick nach vorn

Nach den feierlichen Aufrufen der einzelnen Gewerke, der Übergabe der Silbernen Meisterbriefe und dem großen gemeinsamen Gruppenfoto ging die Veranstaltung nahtlos in einen kulinarischen Sommerabend über, der jede Menge Gelegenheiten für den Austausch mit Freunden und Bekannten aus der Kurszeit bot.

Da die geehrten Meisterinnen und Meister als erfahrene Unternehmer und Führungskräfte mitten im aktiven Berufsleben stehen, blieb es aber an diesem Abend nicht nur beim Austausch alter Anekdoten.

Hauptgeschäftsführer Georg Taubenrauch, der als Moderator durch den Abend führte, hatte bereits zu Beginn dazu eingeladen, nicht nur das Gestern zu feiern, sondern auch den Blick nach vorne zu richten.

So nutzten viele der Jubilare die entspannte Atmosphäre im Foyer auch dafür, sich neu zu vernetzen und Pläne für die Zukunft zu schmieden.

Aus dem anfänglichen, nostalgischen „Weißt du noch…?“ wurde so im Laufe des Abends ein optimistisches und tatkräftiges „Was machen wir morgen?“.