Berufsorientierung in der Rhön: Ehemaligentag am Rhöngymnasium Kaltensundheim

Gastbeitrag von Daniel Möllerhenn

Ein Fahrzeug der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld auf dem Schulhof, offene Klassenzimmertüren, dazwischen Ehemalige auf der Suche nach ihrem alten Abifoto: Der Tag der Ehemaligen am Rhöngymnasium hat am Samstag Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 bis 12 mit Absolventinnen und Absolventen früherer Jahrgänge zusammengebracht.

Zum 14. Mal seit 2012 lief die Veranstaltung, und wer aufmerksam durch die Flure ging, konnte spüren, dass sich das Format weiterentwickelt.

Neue Trends bei den Sessions

In diesem Jahr besonders stark nachgefragt: die Sessions zu Psychologie sowie zu Bundeswehr, Polizei und Vollzugsdienst. Beide zogen deutlich mehr Interessierte an als in den Vorjahren.

Die klassischen Themen wie Lehramt, Medizin sowie Au-pair, FSJ und Auslandserfahrungen bleiben Dauerbrenner und füllten wie gewohnt die Räume.

Auffällig war jedoch ein anderer Trend: Deutlich mehr Jugendliche als 2025 zeigten Interesse an einer klassischen Berufsausbildung nach dem Abitur. Auch die Gesellschaftswissenschaften rückten stärker in den Blick.

Insgesamt liefen die Sessions parallel in mehreren Räumen und deckten Themen von Betriebswirtschaft über Selbstständigkeit, Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Naturwissenschaften, Agrar-wissenschaften und Pharmazie ab.

Ergänzt wurde das Angebot durch die praxisnahen Bereiche Studienfinanzierung und Bewerbungsprozesse, die für viele Jugendliche und deren Eltern zu den wichtigsten Anlaufpunkten des Tages zählten.

Vier Stimmen, vier Erkenntnisse

Jonas aus der 11. Klasse bestätigte an diesem Tag eine Entscheidung, die sich bei ihm bereits abgezeichnet hatte. „Der Tag heute und die Gespräche haben mein Ziel bestätigt, mit einer Berufsausbildung nach dem Abitur zu starten“, sagte er.

Elisa aus der 12. Klasse dagegen entdeckte etwas Neues für sich. „Ich konnte sehen, wie vielfältig die BWL ist. Ich könnte mir vorstellen, einen Studiengang in dieser Richtung zu wählen.“

Nicht immer geht es beim Ehemaligentag darum, ein Ziel zu finden. Manchmal geht es genauso darum, eines auszuschließen. Clara, ebenfalls Klasse 12, sagte: „Ich konnte heute auch herausfinden, was es später eher nicht werden soll.“

Paula aus der 11. Klasse nahm aus der Session Gesellschaftswissenschaften einen Punkt mit, der ihr vorher nicht bewusst war. „Ich konnte mitnehmen, wie flexibel ein Studium sein kann.“

„Berufemesse light“ mit regionalen Partnern

Ein zentrales Element des Tages war erneut die Berufemesse light im ersten Obergeschoss. Regionale Partnerunternehmen präsentierten sich mit Ausbildungsplätzen und dualen Studienangeboten und ermöglichten damit einen direkten Übergang vom persönlichen Gespräch zur konkreten Bewerbungsperspektive.

Vertreten waren unter anderem die Hochschule Schmalkalden, die Hochschule Fulda und die Fachhochschule Erfurt sowie die VR Bank Fulda, die Rhön-Rennsteig-Sparkasse, der Z-Bau Empfertshausen und die Steuerberatungsgesellschaft Planaris.

Die Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld sorgte mit ihrem Fahrzeug auf dem Schulhof für den vielleicht ungewöhnlichsten Blickfang und war ebenfalls mit einem Messestand präsent.

Wenn Eltern eifrig mitschreiben

Ein oft unterschätzter Teilnehmerkreis war auch dieses Jahr wieder sichtbar: die Eltern. Besonders in der Session zu Studienfinanzierung wurden aus dem Publikum heraus konkrete Fragen gestellt.

BAföG, Stipendien, Werkstudentenmodelle oder Studienkredite gehören zu den Themen, bei denen im Elternhaus oft Unsicherheit herrscht. Genau hier setzte der Vormittag an, indem er Wissen bündelte und in verdaubarer Form vermittelte.

Wiedersehen zwischen Sessions

Während in den Klassenzimmern diskutiert wurde, spielte sich in den Fluren eine Parallelveranstaltung ab. Ehemalige suchten gemeinsam ihre alten Abifotos an den Wänden, tauschten Anekdoten aus der Schulzeit aus und knüpften Kontakte.

Für viele war der Tag daher nicht nur eine Rückkehr an die eigene Schule, sondern auch ein informelles Klassentreffen. Diese Doppelfunktion ist eine der Stärken des Formats, denn sie sorgt dafür, dass Ehemalige gerne kommen und Jahr für Jahr wiederkehren.

Was das Format ausmacht

Was 2012 als schlichte Idee begann, Absolventinnen und Absolventen wieder mit ihrer alten Schule zu verbinden, ist heute ein etabliertes Bindeglied zwischen Schule, Berufswelt und Region.

Die Kombination aus persönlichen Geschichten, fachlichen Informationen und regionalen Angeboten macht den Tag über die reine Berufsorientierung hinaus wertvoll.

Und sie schafft ein Bild, das in der Erinnerung bleibt: Ehemalige, die vor Jahren noch selbst in denselben Bänken saßen, und Jugendliche, die heute wissen wollen, wie es weitergehen könnte.

Der nächste Tag der Ehemaligen am Rhöngymnasium ist für Herbst 2027 geplant.