Gastbeitrag von Tina Kwiatkowski
Ein feierlicher Rahmen, echte Freu(n)de, aber auch nachdenkliche Worte: Mit einem Festakt zum 35-jährigen Bestehen ihrer Partnerschaft haben der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und der hessische Vogelsbergkreis ihre langjährige freundschaftliche Verbindung gewürdigt und ihr Bekenntnis zur gegenseitigen Zusammenarbeit erneuert.
Die Feierlichkeiten fanden im stilvollen Ambiente des Rokokosaals im Hohhaus-Museum der Stadt Lauterbach statt.
Die Gastgeber aus dem Vogelsbergkreis hatten dabei gleich doppelt Grund zur Freude: Auch mit dem Landkreis Oberhavel in Brandenburg verbindet sie eine dreieinhalb Jahrzehnte währende Partnerschaft, die im Rahmen dieses gemeinsamen Festaktes gefeiert wurde.
In ihren Festreden warfen der gastgebende Landrat Dr. Jens Mischak, sein Brandenburger Amtskollege Alexander Tönnies sowie Landrätin Peggy Greiser einen ganz persönlichen Blick auf 35 Jahre Partnerschaft und bekräftigten unisono, wie eng die Beziehungen der Landkreise seien, wie gut sich die Partnerschaften entwickelt haben und wie beispielhaft solche Verbindungen sein können.
Die Kreistagsvorsitzende des Vogelsbergkreises, Dr. Birgit Richtberg, übernahm die Begrüßung und unterstrich das Vertrauen, das in 35 Jahren gewachsen sei.
Ein Pfund in diesen „schnellen und unsicheren Zeiten, in denen wir manchmal nicht handeln können, weil es nicht in unserer Macht steht“, so Richtberg mit Blick auf bundespolitische Vorgaben und Entscheidungen.
Umso wichtiger sei es, Partner zu haben, Perspektiven zu entwickeln. „Lassen Sie uns diese Partnerschaft feiern aus demokratischer Überzeugung zum Nutzen aller Menschen, die hier leben“, lautete der Appell der Kreistagsvorsitzenden.
Landrat Dr. Jens Mischak blickte zurück auf die Anfänge der beiden Partnerschaften – seinerzeit auf Arbeitsebene, als Mitarbeiter aus der Vogelsberger Kreisverwaltung kurz nach der Wiedervereinigung mithalfen, Verwaltungsstrukturen in den neuen Bundesländern aufzubauen.
„Das war ein gewaltiger Auftrag, aber auch eine große Chance“, so der Landrat. „Die deutsche Einheit war damals nicht ein Datum im Kalender, sie musste erst wachsen. Wir wollten voneinander lernen und ein Stück weit die Zukunft gemeinsam gestalten.“
Die große Chance von damals, sie sei zweifelsohne ergriffen worden: Die Jubiläen seien für den Landrat nicht nur eine „Partnerschaft, die von vielen Menschen getragen wurde und wird“, sondern auch eine „lebendige Freundschaft“, die für ihn „etwas ganz Wertvolles“ sei.
„Vielleicht sind solche Partnerschaften heute noch viel wichtiger als früher – und zwar als ein starkes Zeichen gegen die gesellschaftliche Spaltung“, so Dr. Mischak.
Bis heute profitieren auch die Verwaltungen von der gut funktionierenden Partnerschaft. „Die Herausforderungen sind groß“, hob der Landrat hervor und nannte beispielhaft die Digitalisierung und den Fachkräftemangel. „Diese Fragen muss niemand alleine lösen, da kann man sich austauschen und gemeinsam nach Antworten suchen.“
Diesen Worten schloss sich auch Landrätin Peggy Greiser an und nahm zunächst ebenfalls die Anfänge der Partnerschaft in den Blick: Der Vogelsbergkreis habe die hiesige Verwaltung maßgeblich unterstützt in einer Zeit, in der vieles im Umbruch war.
„Unsere Verwaltungen mussten sich neu organisieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten sich in einem völlig veränderten System zurechtfinden“, so Greiser.
„Und dabei standen uns Kolleginnen und Kollegen aus dem Vogelsbergkreis zur Seite. Die Verwaltungsmitarbeiter haben ihr Wissen weitergegeben, haben geholfen, Strukturen aufzubauen. Das war gelebte deutsche Einheit“, bilanzierte die Landrätin mit Blick auf eine Zeit, „in der wir erst lernen mussten, ein gemeinsames Deutschland zu werden“.
Heute seien 35 Jahre Partnerschaft zwischen einem west- und einem ostdeutschen Landkreis nicht nur ein Grund zu feiern, sondern auch ein Grund, sich daran zu erinnern, was diese 35 Jahre eigentlich bedeuten.
„Wir erleben gerade eine Zeit, in der wieder stärker betont wird, was uns trennt. Politische Bewegungen versuchen, aus Unterschieden Kapital zu schlagen, gefühlte Ungerechtigkeiten zu bestärken oder durch abstruse Botschaften zu spalten. Deshalb sollten wir gerade heute den Blick auf das richten, was uns verbindet. Und unsere Partnerschaft ist ein wunderbares Beispiel dafür“, unterstrich Greiser.
Für die Landrätin seien kommunale Partnerschaften von herausragender Bedeutung für das gesellschaftliche Miteinander. Dass aus dienstlichen längst auch persönliche Kontakte geworden und Freundschaften entstanden seien, darin liege für sie der besondere Wert der Partnerschaft zum Vogelsbergkreis.
„Eine Partnerschaft, die 35 Jahre besteht, ist niemals das Werk einzelner Personen. Sie funktioniert nicht auf dem Papier. Sie funktioniert nur von Mensch zu Mensch“, so Greiser. „Danke an all diejenigen, die diese Partnerschaft in den vergangenen 35 Jahren mit Leben gefüllt haben“.
Die Partnerschaft des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit dem Vogelsbergkreis war 1991 urkundlich besiegelt worden. Sie war Ausdruck des Willens, die deutsche Einheit auch auf kommunaler Ebene zu verwirklichen und durch vielfältige Kontakte und lebendigen Austausch das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen in beiden Landkreisen zu bereichern.
„Wir haben im vergangenen Jahr begonnen, diese Partnerschaft neu zu beleben. Wir haben uns gegenseitig besucht, uns fachlich ausgetauscht und gemeinsam Zeit verbracht.
Wir erneuern damit ein Versprechen: Ein Versprechen, unsere Verbindung weiter mit Leben zu füllen. Den Austausch zu pflegen, immer wieder gemeinsame Themen und Projekte zu finden und gemeinsam daran zu arbeiten, dass unsere Kreise Orte sind, in denen Menschen gerne leben“, so die Landrätin abschließend.
Formal ist die Voraussetzung dafür jedenfalls gegeben: Zum Ende des offiziellen Festaktes unterzeichneten die Landräte feierlich die entsprechenden Jubiläumsurkunden.




