Mehrwert statt Beiwerk – Wie aus Hecken Wärme & Wertschöpfung entsteht

Gastbeitrag von Klara Borngräber

Feldhecken prägen die Landschaft der Rhön, bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und schützen den Boden. Doch ihr Wert endet nicht mit dem Pflegeschnitt: In ihrem Schnittgut steckt auch wirtschaftliches Potenzial.

Wie aus einem vermeintlichen Entsorgungsproblem ein regionaler Wertstoff werden kann, stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön e. V. und des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in der Hessischen Verwaltungsstelle in Hilders.

Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung und erhielten Einblicke in neue Wege, Feldhecken nicht nur als Element des Naturschutzes, sondern auch als Teil regionaler Wertschöpfungsketten zu betrachten.

„In einem Quadratmeter Hecke steckt mehr Wert, als man auf den ersten Blick vermutet“, machte Michael Diestel vom Bayerischen Bauernverband und der Agrokraft deutlich.

Denn während Heckenschnitt heute vielerorts vor allem Kosten für die Entsorgung verursacht, könnte er künftig stärker genutzt und regional verwertet werden.

Diestel zeigte auf, welche Möglichkeiten von der Nutzung des Holzes über die thermische und stoffliche Verwertung bis hin zu möglichen CO₂-Zertifikaten reichen.

So könnten Pflege und Erhalt der Hecken nicht nur einen Beitrag zum Naturschutz leisten, sondern zugleich wirtschaftlich interessanter werden.

Wie eine solche Nutzung ganz konkret aussehen kann, zeigte anschließend Christian Engelhardt, Landwirt und Maschinenbauer aus Mittelfranken. Gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Fabian Scheller von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entwickelte Engelhardt eine kompakte Pyrolyseanlage, die speziell auf den dezentralen Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben ausgerichtet ist.

Das Prinzip: Heckenschnitt wird unter Sauerstoffausschluss thermisch behandelt. Dabei entsteht Wärme, die beispielsweise zum Heizen genutzt werden kann, sowie Pflanzenkohle.

Letztere kann in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um die Luft- und Wasserkapazität von Böden zu verbessern.

Auch darüber hinaus eröffnen sich Anwendungsmöglichkeiten: So kann Pflanzenkohle unter anderem als Beimischung im Straßenbau, beispielsweise in sogenanntem Klima-Asphalt, Verwendung finden.

Damit wird deutlich: Was beim Heckenschnitt bislang häufig als Reststoff betrachtet wird, kann zum Ausgangspunkt einer neuen regionalen Wertschöpfung werden.

Naturschutz, Landwirtschaft und Klimaschutz müssen dabei keine Gegensätze sein – richtig genutzt, kann die Feldhecke gleich mehrfachen Mehrwert schaffen.