Gastbeitrag von Julia Otto
Eleonore Merkel wird am Sonntag, den 4. Oktober, in der St. Lukaskirche in Wernshausen in ihr neues Amt als Pfarrerin eingeführt. Zum Pfarrbereich gehören Roßdorf, Rosa mit Georgenzell, Eckardts, Helmers und Wernshausen.
Für ihren Start bringt Eleonore Merkel vor allem eines mit: die Freude auf die Menschen. „Auf die Begegnung und die Gespräche mit den Menschen“ freue sie sich besonders, sagt die neue Pfarrerin.
Bevor sie eigene Schwerpunkte setze, wolle sie zunächst zuhören, die Gemeinden kennenlernen und verstehen, was die Menschen vor Ort bewegt.
Welche Erwartungen und Hoffnungen haben die Gemeindeglieder? Was wünschen sie sich für das Miteinander? Welche Traditionen sind ihnen wichtig?
Diesen Fragen möchte Eleonore Merkel in den ersten Wochen und Monaten nachgehen. Auch die Gottesdienste und die liturgischen Besonderheiten vor Ort möchte sie kennenlernen und gemeinsam mit den Gemeinden gestalten.
Ein Weg, der erst im Studium begann
Der Wunsch, Pfarrerin zu werden, entstand bei Eleonore Merkel erst während ihres Theologiestudiums. Ihre Freude an der Theologie und die persönliche Erfahrung, dass Gott in ihrem Leben gegenwärtig ist, wurden zu wichtigen Beweggründen.
„Die Erfahrung, dass Gott in meinem Leben einfach ‚da‘ ist und dass das gut tut“, beschreibt sie als eine prägende Erfahrung.
Diese Erfahrung möchte sie weitergeben. Menschen zu ermutigen, sich mit Gott auf den Weg zu machen, gehört für sie zum Kern ihres Berufs. Besonders schätzt sie die Gespräche mit Menschen über Gott und die Welt, die unterschiedlichen Lebensgeschichten und die Möglichkeit, Menschen in besonderen Situationen seelsorglich zu begleiten.
„Ich möchte gern das sein, was ich immer sein wollte, Gemeindepfarrerin und damit Wegbegleiterin“, sagt Eleonore Merkel. Gerade die Nähe zu den Menschen ist ihr wichtig.
In ihren vergangenen Jahren war sie an mehreren Orten tätig. Dadurch sei es zunehmend schwieriger geworden, den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen so zu leben, wie sie es sich für ihren Pfarrberuf wünsche.
Vielfältige berufliche Erfahrungen
Geboren wurde Eleonore Merkel in Marburg an der Lahn, aufgewachsen ist sie in Kirtorf im Vogelsbergkreis. Nach dem Abitur an der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg studierte sie Klassische Philologie und Theologie in Marburg und Wien.
Ihre berufliche Laufbahn führte sie zunächst nach Oberösterreich, wo sie als Theologin und Seelsorgerin im Evangelischen Diakoniewerk in Gallneukirchen tätig war.
Nach ihrem Vikariat in Linz an der Donau und Leonding wurde sie 1999 ordiniert. Bis 2010 war sie amtsführende Pfarrerin der Gemeinde Graz-Kreuzkirche.
Weitere Stationen waren Dodenau im Edertal sowie die Eicheltalgemeinden Eichelsachsen, Eschenrod und Wingershausen.
Dort übernahm sie im Laufe der Jahre zusätzliche Aufgaben in Rainrod und Feldkrücken. Außerdem arbeitete sie unter anderem in Ulrichstein mit und übernahm verschiedene Vakanzvertretungen.
Diese Erfahrungen möchte Eleonore Merkel nun in ihren neuen Pfarrbereich einbringen. Konkrete Schwerpunkte will sie allerdings nicht vorgeben, bevor sie die Gemeinden kennengelernt hat.
„Die Schwerpunkte werden sich im gemeinsamen Miteinander entwickeln“, sagt sie.
Gottes Wort soll im Alltag seinen Platz haben
Ein Wunsch steht für Eleonore Merkel dennoch bereits fest: Der christliche Glaube soll nicht nur sonntags oder an kirchlichen Feiertagen eine Rolle spielen. Sie möchte Menschen darin bestärken, Gottes Wort als etwas zu entdecken, das durch das gesamte Leben begleiten kann.
Gerade gegenseitiger Respekt und Wertschätzung seien für Eleonore Merkel für das gesellschaftliche Miteinander wichtig. Kirche könne dazu beitragen, wenn sie ansprechbar und nahbar sei. Mitarbeitende und Gemeinden könnten dabei gewissermaßen „die offene Tür“ darstellen.
Auch neue Formen von Gottesdiensten und Gemeindearbeit sind für Eleonore Merkel wichtig. Erfahrungen aus früheren Gemeinden bringt sie mit.
Gleichzeitig sei es notwendig, gemeinsam herauszufinden, was zu den Menschen und den jeweiligen Orten passe. Familien, Jugendliche und junge Erwachsene möchte sie dabei besonders im Blick behalten.
Auch Menschen, die bisher wenig oder keinen Kontakt zur Kirche haben, möchte die neue Pfarrerin erreichen. Nicht unbedingt durch große Veranstaltungen, sondern durch persönliche Begegnungen – bei Besuchen, auf der Straße oder bei Festen.
„Am liebsten mitten im Leben“, sagt Eleonore Merkel.
Getragen von Gottes Gnade
„Mich begleiten viele Bibelverse, die mir immer wieder begegnen und gerade dann wichtig werden, wenn ich sie brauche. Besonders berührt mich: ‚Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.‘
Darin liegt für mich etwas sehr Tröstliches: die Zusage, dass Gott gerade dort nahe ist, wo Menschen verletzlich und schwach sind. Ebenso begleitet mich die Ermutigung: ‚Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.‘
Der Gedanke, dass Leben und Lebenskraft immer Geschenk sind, begleitet mich. Dafür bin ich dankbar – für die vielen Begegnungen, die ich bisher erleben durfte, und für einen Beruf, der für mich zugleich Berufung ist und mir Freude macht. Gerade in den Mühen des Umzugs haben mich diese Gedanken getragen und mir Mut gemacht“, betont Eleonore Merkel.
Amtseinführung am 4. Oktober
Die Amtseinführung findet am Sonntag, 4. Oktober, um 14 Uhr in der St. Lukaskirche Wernshausen statt. Superintendent Christoph Ernst wird Eleonore Merkel in ihr neues Amt einführen.
Im Anschluss gibt es Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen. Bei Kaffee und Kuchen sowie herzhaften Speisen können die Besucherinnen und Besucher mit der neuen Pfarrerin und miteinander ins Gespräch kommen.




