Beitrag von Rüdiger Christ
Die evangelische St.-Michael-Kirche in Neidhartshausen an der Felda im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, ist seit dem Jahr 1722 geistliches Zentrum des Dorfes, das heute zur Gemeinde Dermbach gehört.
Seit vielen Jahrzehnten dient das altehrwürdige Gotteshaus jedoch nicht nur den Menschen als Ort des Glaubens, sondern auch einer ganz besonderen tierischen Gemeinschaft.
Rund 1.000 Große Mausohren bringen hier jedes Jahr ihren Nachwuchs zur Welt und ziehen ihn unter dem Dach der Kirche auf. Damit zählt die Kirche zu den zweitgrößten Fledermausquartieren Thüringens.

Der außergewöhnliche Bestand brachte der Kirche längst den Beinamen „Fledermauskirche“ ein, und auch Neidhartshausen selbst ist vielerorts als „Fledermausdorf“ bekannt.
Doch die jahrzehntelange Nutzung durch die Tiere hinterließ Spuren. Besonders die flüssigen Ausscheidungen der Fledermäuse haben dem Dachstuhl und dem hölzernen Tragwerk der Kirche erheblich zugesetzt. Eine umfassende Sanierung ist daher dringend notwendig.
Auf Grundlage dieser besonderen Ausgangslage initiierte der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e. V. im Winter 2025 einen Antrag im Rahmen der Förderung zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL-Projekt). Ziel des Projektes ist es, den historischen Dachstuhl der Kirche fachgerecht zu sanieren und gleichzeitig die wertvolle Wochenstube der Großen Mausohren dauerhaft zu erhalten.
Das ENL-Programm unterstützt Maßnahmen, die Naturschutz und den Erhalt kultureller Bauwerke miteinander verbinden. In Neidhartshausen entsteht damit ein beispielhaftes Gemeinschaftsprojekt aus Denkmalpflege, Artenschutz und regionalem Engagement.

Bei einer Auftaktveranstaltung am 20. Mai in der St.-Michael-Kirche erhielten Besucherinnen und Besucher erste Einblicke in die geplanten Maßnahmen. Christine Rothhämel vom Vorsitz der Kirchgemeinde begrüßte die interessierten Gäste und Projektbeteiligte.
Unter ihnen waren Karin Schneider und Svea Jahnk von der Projektorganisation, Dipl.-Ing. Jürgen Schuchert von der Trabert Ingenieure GmbH & Co. KG, Martin Biedermann vom Büro Nachtaktiv sowie der künftige Pfarrer der Kirchgemeinde, Dr. Detlev Metz. Dieser wird am 21. Juni um 13:30 Uhr in der St.-Michael-Kirche seinen Einführungsgottesdienst feiern.
Für Christine Rothhämel ist die Unterstützung durch den Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e. V. bei der Beantragung der ENL-Förderung ein großer Glücksfall. Insgesamt fließen rund 343.000 Euro Fördermittel in die Umsetzung des Projekts. Ohne diese Unterstützung wäre eine Sanierung in diesem Umfang kaum möglich gewesen.

Dipl.-Ing. Jürgen Schuchert erläuterte den aktuellen Zustand des Dachstuhls und die geplanten Baumaßnahmen. Die Sanierung sei unumgänglich, da inzwischen sogar an der erst vor wenigen Jahren sanierten Kapellendecke und am frisch bemalten Kirchenhimmel erste Schäden sichtbar würden. Die Trabert Ingenieure GmbH & Co. KG verfügt bereits über umfangreiche Erfahrungen mit der Sanierung vergleichbarer Projekte.
Besonders interessiert verfolgten die Besucherinnen und Besucher auch den Vortrag von Martin Biedermann vom Büro Nachtaktiv. Mit zahlreichen Anschauungsobjekten gab er spannende Einblicke in das Leben der Fledermäuse unter dem Kirchendach, ihre nächtlichen Aktivitäten sowie ihre wichtige Rolle im Ökosystem der Rhön.

Aus Sicht des Fledermausexperten stellt insbesondere die zeitliche Planung eine große Herausforderung dar. Die eigentliche Bauphase soll vom 1. Oktober 2026 bis zum 15. März 2027 stattfinden, also genau in dem Zeitraum, in dem die Kirche fledermausfrei ist. Biedermann beschäftigt sich bereits seit Ende der 1980er Jahre intensiv mit dem Thema Fledermäuse und beteiligt sich regelmäßig an den Reinigungsarbeiten unter dem Kirchendach.
Auch Fragen aus dem Publikum wurden beantwortet. Dabei kam unter anderem das Thema Windkraftanlagen in der Rhön als mögliche Gefahrenquelle für Fledermäuse zur Sprache. Martin Biedermann erklärte hierzu, dass das Große Mausohr überwiegend im Tiefflug jage und deshalb weniger gefährdet sei als andere Fledermausarten.
Im Zuge des Sanierungsprojektes sollen im Juli und August Fledermausführungen angeboten werden. Außerdem ist geplant, im kommenden Jahr erneut ein Fledermausfest in Neidhartshausen zu veranstalten.
Der zukünftige Pfarrer Dr. Detlef Metz zeigte sich in seinen abschließenden Worten beeindruckt von dem Gemeinschaftsprojekt. Er dankte allen Beteiligten und blickte gespannt und zuversichtlich auf die weitere Entwicklung. Abschließend zitierte er Psalm 36 mit den Worten: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“ und dankte Gott „für diese schöne Landschaft der Rhön“, bevor er den Segen sprach.















