Ehrenamt & Rhönflora im Blick – Erfolgreicher Naturschutztag in Gumpelstadt

Gastbeitrag von Jennifer Schellenberg

Erstmals fand am vergangenen Wochenende im Naturschutzzentrum Alte Warth in Gumpelstadt der Naturschutztag des Wartburgkreises statt.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Naturschutzbeirat des Wartburgkreises in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Wartburgkreis.

Rund 30 naturbegeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Landkreis und darüber hinaus nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen, Projekte und Herausforderungen im Naturschutz auszutauschen.

Dank an das Ehrenamt

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren eröffnete der stellvertretende Landrat Udo Schilling die Veranstaltung. Er unterstrich die große Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes für die Region und dankte insbesondere den zahlreichen Ehrenamtlichen für ihr Engagement.

Dieses sei eine tragende Säule der praktischen Naturschutzarbeit und zugleich ein wichtiger Beitrag für eine funktionierende Zivilgesellschaft.

Zugleich äußerte Schilling den Wunsch, dass der Naturschutztag auch in den kommenden Jahren fortgeführt und künftig noch stärker öffentlichkeitswirksam ausgerichtet wird.

Aufgaben der Unteren Naturschutzbehörde

Dr. Ulrich Feder, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, gab einen Überblick über gegenwärtige Entwicklungen und Arbeitsschwerpunkte. Für 46 Naturschutzgebiete liegt der Vollzug bei der Unteren Naturschutzbehörde.

Dazu gehören unter anderem die ordnungsgemäße Beschilderung sowie die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Jährlich setzt der Landkreis zudem rund 36.000 Euro an Eigenmitteln für die Pflege von Schutzgebieten und Baumdenkmalen ein.

Über eine Förderrichtlinie unterstützt der Wartburgkreis außerdem Vereine, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes beitragen.

Aktuell laufen im Kreisgebiet drei Naturschutzgroßprojekte, bei denen der Landkreis finanzielle Mittel zur Absicherung des Eigenanteils der jeweiligen Projektträger bereitstellt.

Auch die Entwicklung der Biberpopulation wurde thematisiert: Die Bestände wachsen weiter, die Reviere verdichten sich. Dies zeigt sich unter anderem an der Zahl der tierischen Verkehrsopfer. Allein in diesem Jahr wurden bereits elf Totfunde registriert.

Rhönflora: Mehr als 1.200 Arten erfasst

Ewald Göbel stellte anschließend mit großer Anschaulichkeit seine Arbeiten zur Rhönflora vor.

Das Gemeinschaftswerk, das maßgeblich von Göbel und dem Biosphärenreservat Rhön getragen wird, enthält umfangreiche Daten und Informationen zu Wildpflanzen im UNESCO-Biosphärenreservat.

Die fortlaufend gepflegte Webseite stellt für jede natürlich in der Rhön vorkommende Pflanzenart unter anderem Verbreitungskarten, wichtige Merkmale und weiterführende Links bereit. Mehr als 1.200 Arten sind bereits erfasst.

Weißstorch-Bestände im Blick

Storchenexperte Klaus Schmidt berichtete im Anschluss über die Bestandsentwicklung des Weißstorches im Wartburgkreis und in Thüringen im Zeitraum von 1958 bis 2025.

Schmidt war von 1966 bis 2024 ehrenamtlicher Weißstorch-Landesbetreuer in Thüringen und betreut seit 2025 weiterhin die Regionen Wartburgkreis und Schmalkalden-Meiningen.

In seinem Vortrag wertete er über 60 Jahre Brutdatenerfassung aus, berichtete über Schutzmaßnahmen, etwa an Stromleitungen, sowie über Beringungsergebnisse. Zugleich ging er auf heutige Gefährdungsursachen und Herausforderungen ein.

Ein wesentliches Ergebnis seiner Untersuchungen: Die Brutvögel werden heute deutlich älter, wodurch sie häufiger brüten und mehr Nachwuchs aufziehen können. Dadurch ist der Bruterfolg inzwischen etwa dreimal so hoch wie noch vor vier Jahrzehnten.

Der Biber zwischen Herausforderung und Chance

Ivonne Wohland vom Gewässerunterhaltungsverband Felda/Ulster/Werra sprach unter dem Titel „Der Biber – Segen und Fluch zugleich?“ über die Auswirkungen der Rückkehr des Bibers.

Dabei stellte sie sowohl Herausforderungen, etwa Überflutungen landwirtschaftlicher Flächen infolge von Dammbauaktivitäten, als auch die positiven Effekte des Bibers für den Naturhaushalt dar.

Sie bezeichnete den Biber als wichtigen und kostenlos arbeitenden Helfer bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Unterstützt wurde sie von Klaus-Martin Luther aus Tiefenort, der als ehrenamtlicher Biberberater tätig ist und über Bestandserfassungen sowie seine Beratungsarbeit berichtete.

Das leise Verschwinden einer Orchideenart

Der letzte Vortrag des Vormittags widmete sich dem „leisen Verschwinden des Breitblättrigen Knabenkrautes“, einer früher auch im Wartburgkreis weiter verbreiteten Orchideenart feuchter Wiesen.

Dr. Eike Biedermann stellte die Art und ihre ursprünglichen Lebensräume anhand eindrucksvoller Bilder vor. Auf Grundlage von Erfassungsauswertungen zeigte er den starken Rückgang der Art in den vergangenen Jahrzehnten auf.

Als Ursachen nannte er unter anderem veränderte Bewirtschaftungsmethoden der Wiesen sowie die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen.

Exkursion zur Wasserbüffelweide

Am Nachmittag folgte eine geführte Exkursion zur Wasserbüffelweide im Naturschutzgebiet Erlensee-Maiwiesen, welches zwischen Bad Salzungen und Ettmarshausen liegt. Dort wurden bisherige Ergebnisse vorgestellt und erläutert.

Fortsetzung geplant

Die Teilnehmer bewerteten den ersten Naturschutztag im Wartburgkreis insgesamt als gelungene Veranstaltung. Eine Fortsetzung in den kommenden Jahren ist vorgesehen.