Kreistag beschließt Strategiepapier für die Kliniken der Wartburgregion

Gastbeitrag von Jennifer Schellenberg

Der Kreistag des Wartburgkreises hat in seiner Sitzung am Dienstag das „Strategiepapier Kliniken Wartburgregion“ einstimmig beschlossen.

Mit diesem Beschluss stellt der Landkreis die Weichen für eine langfristig gesicherte, wohnortnahe und wirtschaftlich tragfähige medizinische Versorgung in der Wartburgregion.

Zum 1. Juli 2026 übernimmt der Wartburgkreis die bisher von den kirchlichen Trägern gehaltenen Anteile am St. Georg Klinikum Eisenach. Das Klinikum wird damit vollständig kommunal getragen.

Der Wartburgkreis ist künftig Träger der beiden großen Krankenhäuser im Kreisgebiet – des St.-Georg-Klinikums in Eisenach und des Klinikums in Bad Salzungen. Das ermöglicht dem Wartburgkreis ein abgestimmtes strategisches Vorgehen und eine engere Zusammenarbeit beider Häuser.

Mit dem Strategiepapier reagiert man im Wartburgkreis auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Krankenhauslandschaft, insbesondere im Zuge der Krankenhausstrukturreform, auf die demografische Entwicklung sowie auf die besonderen Anforderungen eines ländlich geprägten Versorgungsraumes.

Ziel ist es, die vorhandenen medizinischen Ressourcen in Eisenach und Bad Salzungen verantwortungsvoll zu bündeln, die Klinikstandorte in ihrer Eigenständigkeit zu sichern und die stationäre wie ambulante Versorgung in der Region abgestimmt weiterzuentwickeln.

„Mit dem Beschluss des Strategiepapiers stellen wir die Weichen für die nächsten Jahre, damit die medizinische Versorgung im Wartburgkreis gesichert bleibt.

Wir stehen zu unseren Klinikstandorten, zu einer leistungsfähigen Notfallversorgung und zu einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung für die Menschen in unserer Wartburgregion“, erklärt Landrat Dr. Michael Brodführer.

Zwei starke Kliniken

Kern des Konzepts ist die Gliederung des Wartburgkreises in eine nördliche und eine südliche medizinische Versorgungsregion mit jeweils einer leistungsstarken Schwerpunktklinik: dem St. Georg Klinikum Eisenach im Norden und dem Klinikum Bad Salzungen im Süden.

Beide Standorte bleiben zentrale Säulen der stationären Versorgung. Sie gewährleisten mit ihren Notaufnahmen, Fachabteilungen, spezialisierten Versorgungsangeboten und den angeschlossenen ambulanten Strukturen eine breite medizinische Versorgung für die Bevölkerung.

Die beiden Klinikstandorte verfügen gemeinsam über eine umfassende stationäre Leistungsfähigkeit und sichern die Erreichbarkeit medizinischer Angebote.

Gerade für den ländlichen Raum ist diese Struktur unverzichtbar. Sie trägt dazu bei, gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern und die Wartburgregion als attraktiven Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu stärken.

Notfallversorgung weiterentwickeln

Ein besonderer Schwerpunkt des Strategiepapiers liegt auf der Notfallversorgung. Beide Kliniken halten zentrale Notaufnahmen vor und sind Standorte der erweiterten Notfallversorgung.

Vorgesehen ist zudem die Weiterentwicklung integrierter Notfallstrukturen. Damit sollen die Menschen im Wartburgkreis auch künftig rund um die Uhr verlässliche Anlaufstellen bei akuten medizinischen Notfällen haben.

Ebenso hebt das Strategiepapier die Bedeutung der ambulanten Versorgung hervor. Die Medizinischen Versorgungszentren der Kliniken leisten bereits heute einen wesentlichen Beitrag zur haus- und fachärztlichen Versorgung in der Fläche.

Angesichts rückläufiger Niederlassungen im ambulanten Bereich sollen diese Strukturen weiter gestärkt und noch enger mit den stationären Angeboten verzahnt werden.

Das Konzept macht deutlich, Ambulante und stationäre Versorgung bedingen einander und müssen gemeinsam gedacht werden.

Spezialisierung der Klinikstandorte

Neben der Basis- und Notfallversorgung sieht das Strategiepapier eine abgestimmte Spezialisierung der Klinikstandorte vor. Zertifizierte Zentren und besondere Leistungsschwerpunkte sollen erhalten, weiterentwickelt und stärker miteinander vernetzt werden.

Dazu gehören unter anderem Versorgungsstrukturen in den Bereichen Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfallversorgung und Krebsmedizin. Hochkomplexe Leistungen sollen bei Bedarf weiterhin in Kooperation mit überregionalen Maximalversorgern erbracht werden.

Auch besondere Versorgungsfragen werden im Strategiepapier aufgegriffen. Dazu zählen unter anderem die Sicherung der Unfallchirurgie, der Aufbau geriatrischer Versorgungsangebote, der Erhalt der Geburtshilfe sowie die Stärkung der Ärzteausbildung.

Gerade die Gewinnung und Bindung medizinischer Fachkräfte ist aus Sicht des Wartburgkreises ein zentraler Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

Mit dem Strategiepapier formuliert der Kreistag des Wartburgkreises zugleich klare Erwartungen an den Freistaat Thüringen.

Für die Umsetzung des Konzeptes braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, zukunftsfähige Leistungszuweisungen, die Sicherung bestehender Notfallstrukturen sowie Unterstützung bei notwendigen Transformationsprozessen.

Die medizinische Versorgung der Region ist eine öffentliche Aufgabe, die nur im partnerschaftlichen Zusammenwirken von Landkreis, Kliniken, Freistaat Thüringen und weiteren Akteuren dauerhaft gewährleistet werden kann.

Gespräche mit Nachbarlandkreis Schmalkalden-Meiningen

Das Strategiepapier eröffnet auch Entwicklungsperspektiven über die Kreisgrenzen hinaus. Dies gilt insbesondere für das Klinikum Schmalkalden.

Hierzu führen die Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, der Landrat des Wartburgkreises sowie die Geschäftsführer des Klinikums Bad Salzungen und des Elisabeth-Klinikums Schmalkalden Gespräche über eine künftig engere Zusammenarbeit, um medizinische Angebote sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Der Beschluss des Kreistages bildet damit die strategische Grundlage für eine koordinierte, vernetzte und zukunftsfeste Gesundheitsversorgung in der Wartburgregion.

Der Wartburgkreis und damit auch die Mitglieder des Kreistages bekennen sich ausdrücklich zu ihrer Verantwortung für die Daseinsvorsorge und setzen auf starke kommunale Klinikstandorte, leistungsfähige ambulante Strukturen und verlässliche medizinische Angebote in der Fläche.

Kreistag wählt neue Aufsichtsratsmitglieder

Der Kreistag des Wartburgkreises hat in seiner Sitzung vom 23. Juni 2026 zudem die neuen Mitglieder des Aufsichtsrates für die St. Georg Klinikums Eisenach gGmbH gewählt:

Landrat Dr. Michael Brodführer sowie die Kreistagsmitglieder Lars Bergmann, Tim Schnitger und Michael Klostermann.

Für die kommunale Beteiligungsgesellschaft GFG (Gesellschaft zur Förderung des Gesundheits- und Sozialwesens in der Wartburgregion GmbH) werden der Geschäftsführer Enrico Demski sowie Oberbürgermeister Christoph Ihling, Dr. Arne Berndt und Rolf-Peter Hoehle dem Aufsichtsrat angehören.