Grandioses Jahreskonzert des Kammerorchesters Hünfeld begeistert Konzertgäste

Beitrag von Martin Veltum

Die Aula der Wigbertschule verwandelte sich am Sonntagabend in einen wahren Konzertsaal. Das Kammerorchester Hünfeld lud zu seinem alljährlichen Höhepunkt – und das Publikum war fasziniert.

Bis auf den letzten Platz war die Aula gefüllt, weitere Stühle mussten herangetragen werden, um allen begeisterten Gästen einen Platz zu bieten.

Mit großem Applaus empfing das fachkundige Publikum die rund 30 Musikerinnen und Musiker aller Generationen.

Unter der hervorragenden musikalischen Leitung von Oberstudienrat Thomas Nüdling, der als leidenschaftlicher Musiker und Pädagoge das Orchester seit Jahren prägt, erlebten die Zuhörer einen Konzertabend, der die ganze Bandbreite orchestraler Klangkunst offenbarte.

Eine Reise durch die Musikgeschichte

Das Programm des Abends war eine klug zusammengestellte Reise durch verschiedene Epochen der Musikgeschichte.

Den Auftakt bildete Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 1 C-Dur BWV 1066 – ein Werk des Barock, das mit seiner polyphonen Struktur und den eleganten Tanzsätzen die Kunst der Kontrapunktik eindrucksvoll vorführte.

Mit Unterstützung durch von Julia Kim (Cello) und Ulrich Moormann (Cembalo) als Basso continuo glänzten Anja Heiderich und Erik Oldenburg mit ihren Oboen-Soli und bewiesen, dass die Aula der Wigbertschule mit ihrer anspruchsvollen Klangkulisse auch große barocke Besetzungen perfekt zur Geltung bringt.

Vom Barock in die Romantik

Die Überleitung in die Romantik gelang nahtlos mit dem gefühlvollen „Nocturne Op.9, Nr. 2“ von Frédéric Chopin. In einer selten zu hörenden Bearbeitung für Violine und Orchester zeigte der erst 19-jährige Tilo Neuhof sein ganzes Können.

Seine Interpretation kam von Herzen und ging unter die Haut – ein Solospiel, das die Zuhörer sichtlich bewegte und den jungen Musiker als außergewöhnliches Talent auswies.

Neuhof, der jüngste von sechs Kindern, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Violinspiel und konnte im Laufe seiner jungen Karriere zahlreiche Preise beim Wettbewerb „Jugend Musiziert“ erringen, darunter einen Bundespreis im Juni 2022 . Seit 2023 ist er zudem Studierender am Kirchenmusikinstitut in Fulda.

Die romantische Stimmung wurde mit Charles Gounods „Grand Valse“ aus der Oper "Margarethe" fortgesetzt – ein beschwingter Walzer, der mit seiner Melodik die Leichtigkeit und Grazie der französischen Romantik einfing.

Ponchiellis Meisterwerk begeistert

Ein weitere Glanzpunkt des Abends war Amilcare Ponchiellis „Tanz der Stunden“ – ein Orchesterstück, das durch seine bildhafte Musik die verschiedenen Tageszeiten von der Morgenröte bis zur Nacht lebendig werden ließ.

Das Kammerorchester meisterte die komplexen Rhythmen und dynamischen Kontraste souverän und bewies seine außergewöhnliche Intonationssicherheit.

Ein überraschender Abschluss

Den krönenden Abschluss bildete dann ein musikalisches Ausrufezeichen: „Don’t Stop Believin‘“ von der Band Journey.

Der Popsong aus den 1980er Jahren, in einer orchestralen Bearbeitung, zeigte die ganze Vielfalt des Kammerorchesters und begeisterte das Publikum besonders.

Thomas Nüdling – Der musikalische Leiter

Hinter dem Erfolg des Abends stand Thomas Nüdling, Jahrgang 1976, der als Gymnasiallehrer an der Wigbertschule tätig ist.

Er absolvierte 1997 das C-Examen am Bischöflichen Kirchenmusikinstitut der Diözese Fulda und studierte anschließend an der Hochschule für Musik Detmold und der Universität Paderborn Schul- und Kirchenmusik, Musikwissenschaft und Theologie. Seine Lehrer waren unter anderen Norbert Düchtel, Tomasz Adam Nowak und Joachim Harder.

Nüdling ist vielfältig als Referent in der Familienpastoral, als Komponist, Organist sowie Chor- und Orchesterleiter tätig.

In Anerkennung seiner Verdienste um die Kirchenmusik in Tann wurde ihm 2015 durch den Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck der Titel „Kantor“ verliehen. Seine Kompositionen erscheinen unter anderem im Hayo-Musikverlag, im Sonat-Verlag und im Butz-Verlag.

Stimmen von den Ehrengästen

Zu den Ehrengästen des Abends zählten Schulleiterin Sandra Möllers, die das Konzert im Gespräch mit dem Rhönkanal würdigte: „Musik verbindet – und was wir heute Abend erleben durften, zeigt die große Wertschätzung für die großartige musikalische Leistung dieses Orchesters.“

Auch Hünfelds Ehrenbürgermeister Dr. Eberhard Fennel und seine Frau Rita ließen sich von der Musik verzaubern.

Der Regionaljournalist und ehemalige Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa, Winfried Möller, zählte ebenfalls zu den begeisterten Ehrengästen und zeigte sich tief von der musikalischen Leistung beeindruckt.

Wertschätzung für die Nachwuchsarbeit

Das Kammerorchester Hünfeld e.V., bekannt über die Grenzen der Region hinaus und ein Publikumsmagnet, hat sich der Nachwuchsförderung verschrieben. In Kooperation mit der Wigbertschule werden Schülerinnen und Schüler früh an das Ensemblespiel herangeführt.

Thomas Nüdling betont: „Das Besondere am Kammerorchester Hünfeld ist, dass hier Musikerinnen und Musiker ganz unterschiedlicher Generationen zusammenkommen. Erfahrene Orchestermitglieder musizieren gemeinsam mit jungen Leuten – und alle können voneinander lernen und profitieren.“

Das Jahreskonzert war ein würdiger Programmhöhepunkt im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums der Wigbertschule und zeigte eindrucksvoll, dass gute Musik keine Grenzen kennt – vom Barock bis zum Rock. Das Publikum dankte den Musikern mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen.